Schule am Bauernhof
Andrea und Jürgen Enzenhofer öffnen ihre Hoftüre für Kinder und Jugendliche

Die Kinder helfen fleißig beim heuen mit.
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  • Die Kinder helfen fleißig beim heuen mit.
  • Foto: Foto: Enzenhofer
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ST. MARTIN (srh). "Wer isst, ist Teil der Landwirtschaft", sagt Franz Reisecker, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ. Dieser Slogan war heuer das Motto der Woche der Landwirtschaft. Die Landwirte der Schule am Bauernhof-Betriebe zeigen den Kindern, dass die Bauern für volle Teller, für warme Räume im Winter, für sauberes Wasser und eine gepflegte Landschaft sorgen. Schule am Bauernhof wurde vor 20 Jahren initiiert und hat sich bundesweit zu einem Projekt, welches lebendiges Lernen mit allen Sinne ermöglicht, eingebürgert. Der Leitgedanke des Projektes ist es, den Kindern und Jugendlichen ein realistisches Bild vom Leben und Wirtschaften am Bauernhof aus erster Hand zu zeigen. Das "Selber-Tun" und das Verkosten der hofeigenen Produkte begeistert die Kinder. "Wir wollen es ermöglichen, dass jedes Kind mindestens einmal in seiner Schulkarriere auf einem Bauernhof die Land- und Forstwirtschaft selbst erledigt und begreift, wie die Arbeit  auf einem Hof funktioniert", so Reisecker. Beim "Zertifikatslehrgang Schule am Bauernhof" des Ländlichen Fortbildgungs-Institutes  OÖ, erhalten die Bauern das pädagogische Wissen der landwirtschaftlichen Inhalte, welches sie den Kindern vermitteln.

Lebensmittel genau betrachten

"Die Schule am Bauernhof-Anbieter vermitteln den jungen Konsumenten einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Lebensraum Natur, das Verständnis für Tierschutz und die Qualität von regionalen und saisonalen Lebensmitteln. Es ist den Bauern ein Anliegen, den Kindern einen Einblick zu geben, woher die Milch kommt, wie Getreide wächst und wie Nutztiere gehalten werden", erklärt Annemarie Brunner, Vorsitzende des Bäuerinnen-Auschusses der LK OÖ. Am Bauernhof erforschen sie gemeinsam den Stall, die Tiere, Wiesen, Äcker und Felder um einen Bezug zur Lebensmittelherkunft- und Herstellung aufzubauen.

Schule am Bauhernhof am Bühübl

Eine Schule, die keine Schule ist, wie man sie kennt. Das Schulgebäude ist die freie Natur, das Klassenzimmer der Acker, die Wiese, der Wald und das Stallgebäude. Die Lehrer sind die Pflanzen, die Tiere und die Menschen, die auf dem Hof leben. Andrea und Jürgen Enzenhofer, aus St. Martin, beteiligen sich seit 2011 am Projekt "Schule am Bauernhof". Kindergärten und Schulklassen besuchen die beiden Landwirte und sie verbringen gemeinsam einen wissenswerten Halbtag auf dem Bauernhof. Dieses Angebot findet großen Anklang und vermittelt den Kindern viele neue Erfahrungen. "Auf unserem Hof leben viele "Streicheltiere", die auch in den Haupt-Progammbaustein Pferd miteingebunden werden. Die junge Generation kann darf die Therapie-Pferde bemalen und anschließend ausreiten. Die Kinder haben die Möglichkeit die Tiere hautnah zu erleben und kennen zu lernen", berichtet Andrea Enzenhofer.

Keinen Bezug zum Thema

Zu Beginn setzen sich die Kinder mit dem Lehrer und der Landwirtin zu der Lagerfeuerstelle, wo sie erzählen können, was sie bereits über Bauernhöfe wissen. Da heutzutage viel aus Büchern gelernt wird, haben die Schüler keinen Bezug mehr zu diesem Thema und sind laut der Aussage von Enzenhofer planlos. Das Projekt verdeutlicht, dass es nicht nur bei Kindern und Jugendlichen aus der Großstadt an Allgemeinwissen mangelt, sondern auch schon in ländlichen Gebieten. "Wie groß eine Kuh im Vergleich zu einer Henne ist, das ein Hase keine Eier legt und das Pferde keine Pizza essen, wussten trauriger weise viele der Schüler nicht", erklärt die Bäuerin. In St. Martin lernt die junge Generation den Hof und die Tiere kennen. Rund 90 Prozent der Kinder, die den Hof besuchten, haben noch nie eine Knacker am offenen Lagerfeuer gegrillt. "Das Grillen ist für die Schüler immer ein Highlight, denn so etwas sehen sie sonst nur im Fernsehen. Mich freut es ganz besonders, wenn die Kinder Spaß haben und etwas neues lernen können. Ein kleiner Junge kam einmal zu mir und berichtete, dass der Tag am Hof der Schönste seines Lebens war. So etwas berührt mich natürlich sehr", verrät Enzenhofer.

Zur Sache:

  • Im Bezirk Rohrbach gibt es sieben Schule am Bauernhof-Betriebe.
  • Schule am Bauernhof feiert dieses Jahr das 20-jährige Jubiläum.
  • Nur wenn der Betrieb mit der "Hoftafel Schule am Bauernhof" ausgezeichnet ist, dürfen Gruppen empfangen werden.
  • Andrea Enzenhofer ist diplomierte Reit- und Voltigiertherapeutin.
  • Der Hof erreichte den zweiten Platz beim Innovationspreis 2013.
  • Die Zielgruppe des Betriebes in St. Martin sind Kindergarten- und Volksschulkinder.
  • Neben den Pferden gibt es auch Kamerunschafe, Hasen, Ziegen, Hühner, Schweine, Katzen und einen Hund.
  • Der Betrieb ist Barrierefrei.
  • Der Hof befindet sich auf der Anhöhe "Bühübl" – nahe dem Ort St. Martin.

Kommentar

Lila Kühe gibt es nur in der Werbung. Es ist wirklich erschreckend, wie wenig Kinder und Jugendliche über landwirtschaftliche Betriebe deren Erzeugnisse und Tiere Bescheid wissen. Dass Pferde keine Pizzen, Pommes oder Kuchen essen ist für die junge Generation augenscheinlich nicht selbstverständlich. Eierlegende Hasen gibt es in der realen Welt ebenfalls nicht. Den Unterschied zwischen Stroh und Heu kannten die wenigsten. Es wurde ihnen erst nach und nach bewusst, dass das Fleisch im Supermarkt von den Tieren stammt, die sie zuvor noch gestreichelt haben. Das betrifft nicht nur die Großstädte, denn auch Kinder aus ländlichen Gebieten wissen kaum mehr über diese wichtigen Dinge Bescheid. Damit unsere Nachfolger ein realistisches Bild vom Leben und Wirtschaften auf einem Hof bekommen, wurde das Projekt "Schule am Bauernhof" entwickelt.

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