Obst- und Gartenbauvereine Rohrbach
Anita Prammer: "Es ist schwierig, junge Leute dafür zu begeistern"

Wissen über Sorten und Techniken wird weitergegeben.
2Bilder
  • Wissen über Sorten und Techniken wird weitergegeben.
  • Foto: Foto: ÖGV St. Peter
  • hochgeladen von Annika Höller

Sieben Obst- und Gartenbauvereine nehmen sich im Bezirk der Themen Garten und Umweltschutz an.

BEZIRK (anh). "Gartenarbeit ist nicht immer von Erfolg gekrönt", sagt Anita Prammer. Sie ist Schriftführerin des Obst- und Gartenbauvereins St. Peter. Um Fehler zu vermeiden, die Arbeit zu erleichtern, die Vielfalt zu erweitern und das Wissen an Ort und Stelle weiterzugeben, wurde der Verein 1996 aus der Taufe gehoben. Treibende Kraft war damals Franziska "Fanni" Kepplinger, die auch heute wieder Obfrau ist. 130 Personen aus St. Peter, St. Ulrich, Auberg, Niederwaldkirchen oder St. Johann sind als Mitglieder an Bord. Prammer wirft einen Blick in die Historie: "Über weite Strecken ist die Geschichte der Gartenkunst nur jene der herrschaftlichen Gärten." Gärten zur Nahrungsmittelproduktion hätten Historiker hingegen lange keine Beachtung geschenkt. Sie wären schlichtweg nicht würdig gewesen, in die Historie einzugehen. "Man betrachtete sie nicht als Kunstwerk. Mit einer Ausnahme, dem Bauerngarten. Er wurde von der Oberschicht sozusagen zu einem Kunstprodukt zurecht dokumentiert", weiß Prammer. Und weil es den Wohlhabenden auch darum gegangen wäre, ihre Gärten zu repräsentieren, seien diese heute oft noch erhalten. Man denke an Schloss Versailles, die spanische Alhambra oder Schönbrunn. Heute hätten mittlerweile meist Privatgärten diesen Repräsentationsgestus übernommen. Das Problem: Kunstvoll in Szene gesetzte Gärten braucht man nicht mehr zwingend für das Wesentliche: die Produktion von Nahrungsmittel. Frisches Obst und Gemüse gebe es auch in den Supermärkten. Und sich die Hände schmutzig zu machen oder nach Feierabend noch in der Erde zu wühlen, wäre für viele keine Option mehr. "Deswegen ist es schwierig, Jüngere für den Verein zu begeistern", erklärt Prammer. In den letzten Jahren ist aber ein Gegentrend feststellbar – eine Rückbesinnung auf das "innere, leidenschaftliche Gärtnerherz".

Bewusstsein schaffen

Egal, ob Obstsortenbestimmung, Baumschnitt oder Schädlingsbekämpfung – viele Kurse werden angeboten. Unter dem Motto "Offene Gartentür" pilgert der Verein jedes Jahr zudem zu einem anderen Garten eines Mitgliedes. Heuer betreut man bei der Landesgartenschau auch einen eigenen Stand. "Wir wollen das Bewusstsein schaffen, dass es in der Verantwortung jedes einzelnen liegt, für die Erhaltung der vielfältigen Kulturpflanzenwelt einzustehen und das Wissen an die nächste Generation weiterzugeben", resümiert sie.

Blumenwiese für Insekten

Seit 70 Jahren besteht auch der Obst- und Gartenbauverein Rohrbach-Berg. "Unsere Mitgliederzahl schwankt zwischen 320 und 340 Personen", verrät Obmann Ludwig Krenn. Man sei ebenfalls ständig auf der Suche nach Nachwuchs. Eckpunkte des Jahresprogrammes seien etwa Vorträge über Tinkturen und Öle, Pilzwanderungen mit Bestimmung, Grillseminare und Weinverkostungen oder Veredelungskurse. "Wir führen Sammelbestellungen und Beratungen für Bäume und Sträucher durch", berichtet Krenn. Jährlich wird dem Kindergarten natürlicher Apfelsaft zur Verfügung gestellt und man kann sich auch diverse Geräte wie Heckenschere, Obstpresse oder Häcksler ausleihen. Krenns Tipp für die kommende Saison: "Rasenroboter sind oft ein Nachteil für Hausgärten, weil laufend gemäht wird und für die Insekten nichts mehr übrig bleibt. Eine kleine Blumenwiese und Sträucher sollte man den Lebewesen daher lassen."

Zur Sache

• Im Bezirk gibt es sieben Obst- und Gartenbauvereine: Rohrbach-Berg, Haslach, St. Peter, Aigen-Schlägl, Julbach, Sarleinsbach, Helfenberg. Sie widmen sich dem Garten und Umweltschutz, bieten Kurse und Vorträge an. Einige organisieren auch Ausflüge zu Schaugärten oder Ausstellungen.
• Zur Geschichte: 1912 wurde in Perg der erste derartige Verein gegründet. Die wichtigsten Themen sind über die Jahre gleichgeblieben, die Schwerpunkte wurden aber an die Gegebenheiten angepasst. In der armen Nachkriegszeit lag der Kerngedanke auf der Selbst­versorgung. In den 60er- und 70er-Jahren konnte man sich mehr ausländische Produkte leisten. Als in den 80er-Jahren viele Eigenheime mit pflegeleichten Gärten entstanden, rückte der „Hausgarten“ in den Vordergrund. Später waren wieder mehr regionale und biologische Lebensmittel gefragt – aus dem Selbstversorgergarten.

Wissen über Sorten und Techniken wird weitergegeben.
Der Obst- und Gartenbauverein St. Peter zählt 130 Mitglieder. Sie reisen jedes Jahr zu einem anderen Mitglieds-Garten.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen