Robuster Schädling
Dem Borkenkäfer ist der Winter egal

Ein gewohntes Bild im Bezirk: Das Schadholz stapelt sich meterhoch, die Bauern kommen mit dem Fällen betroffener Bäume kaum nach.
  • Ein gewohntes Bild im Bezirk: Das Schadholz stapelt sich meterhoch, die Bauern kommen mit dem Fällen betroffener Bäume kaum nach.
  • Foto: Fotolia/Kletr
  • hochgeladen von Sebastian Wallner

BEZIRK ROHRBACH. Der Forstdienst der Bezirkshauptmannschaft (BH) Rohrbach appelliert an alle Waldbesitzer, Maßnahmen zur Borkenkäferbekämpfung sofort umzusetzen und sich unter Umständen dabei helfen zu lassen. Denn der Winter ist dem Borkenkäfer ziemlich egal.

"Auch wenn die Flugzeit abgeschlossen ist, gibt es eine Unmenge an Jungkäfern in den stehenden und liegenden Bäumen, die jetzt den notwendigen Reifungsfraß vollziehen und somit gut gewappnet sind, um unter der Rinde oder in der Bodenstreu zu überwintern", heißt es von der BH. Selbst minus dreißig Grad Celsius machen dem Käfer nichts aus. Wird es im Frühjahr wieder wärmer, bohrt er sich aus seinem Winterquartier im Schadholz und wütet emsig weiter.

Allerhöchstes Augenmerk müsse auf jene Fichten gelegt werden, die noch im Umkreis bereits gefällter Einzelbäume oder Käferherde stehen. Da man den Käferbefall auch als geübter Waldeigentümer leicht übersehen kann, sind solcherart noch stehende Fichten zu fällen und peinlichst darauf zu untersuchen, ob sich nicht doch Borkenkäfer wieder eingebohrt haben.
Ist dies der Fall, so sind so lange weitere Fichten zu fällen und zu kontrollieren, bis tatsächlich die ersten Bäume ohne Käferbefall aufscheinen.

Schriftliche Aufforderungen auch im Winter

"Wie heuer nicht nur einmal erlebt, entstehen aus sehr wenigen befallenen Stämmen Schad-Flächen bis zu zehn Hektar und mehr." Jeder Waldeigentümer sei außerdem verpflichtet, Forstschädlinge, die sich bereits in gefahrdrohender Weise vermehren, wirksam zu bekämpfen, lässt die Behörde wissen. Der Forstdienst der BH Rohrbach wird zum Schutz der Wälder weiterhin – auch den Winter über – schriftliche Aufforderungen mit entsprechenden Fristen für die Schadholzentfernung und nötigenfalls auch Bescheide bis hin zur Ersatzvornahme ausstellen.

Die Maßnahmen

Empfehlungen des Forstdienstes der BH Rohrbach an alle Waldeigentümer:

  • Wenn Waldeigentümer vom Nachbarn oder vom Forstdienst der BH Rohrbach aufgefordert werden, Maßnahmen zur Käferbekämpfung zu ergreifen, sind diese sofort umzusetzen.
  • Falls es sich um größere Befallsherde handelt, sollte man sich unbedingt helfen lassen.
  • (Noch) grün bekronte Stämme täuschen sehr oft vor, dass sie nicht bereits vom Borkenkäfer befallen sind. Allerhöchstes Augenmerk muss also auf jene Fichten gelegt werden, die noch im Umkreis bereits gefällter Einzelbäume oder Käferherde stehen. Da man den Käferbefall auch als geübter Waldeigentümer leicht übersehen kann, sind solcherart noch stehende Fichten zu fällen und peinlichst darauf zu untersuchen, ob sich nicht doch Borkenkäfer wieder eingebohrt haben.
  • Ist dies der Fall, so sind so lange weitere Fichten zu fällen und zu kontrollieren, bis tatsächlich die ersten Bäume ohne Käferbefall aufscheinen (Rändeln oder Gesundschneiden von Borkenkäferflächen)
  • Wie heuer nicht nur einmal erlebt, entstehen aus sehr wenigen befallenen Stämmen Schad-Flächen bis zu zehn Hektar und mehr.
  • Jetzt ist noch Zeit, Vorsorge zu treffen und Schadholz (ob stehend oder liegend, ob im Wald oder am Waldrand) unschädlich zu machen.
  • Alles, was den Winter überwintert, bohrt sich im Frühjahr bei Tagesdurchschnittstemperaturen um 16° C wieder aus diesem Schadholz. Die Masse der Borkenkäfer ist aufgrund gesicherter drei, teilweise sogar vier Generationen extrem hoch, sodass es im Jahr 2019 zu noch weitaus schlimmeren Schäden kommen kann.
  • Es ist also unbedingt notwendig, die Befallsränder auch im Winter periodisch zu überprüfen.
  • Sämtliches Befallsmaterial ist bis Ende Februar 2019 abzutransportieren oder bekämpfungstechnisch zu behandeln.
  • Feines Astmaterial unter zwei Zentimeter Durchmesser ist auf nährstoffarmen Böden im Wald zu belassen.
  • Die Lagerung von befallenem/befallsfähigem Holz hat ab März 2019 im Abstand von zumindest 300 Meter vom nächsten Fichtenbestand zu erfolgen.
  • Nach Gesprächen mit Vertretern der Sägewirtschaft sollte sich auch in allernächster Zeit die Holzabfuhr, die über den Sommer/Herbst 2018 oftmals der Flaschenhals war, wieder auf ein Normalmaß einpendeln.
  • Im Frühjahr sind bei Tagestemperaturen über 16 ° C wöchentliche Kontrollen an den Befallsrändern (braunes Bohrmehl, abplatzende Rinde) unerlässlich!
  • Es gilt den verbleibenden Herbst und den Winter zu nutzen, um nicht im Frühjahr/Sommer 2019 einer noch nie dagewesenen Katastrophe gegenüberzustehen.
  • Auf ein Regenjahr und kühle Frühjahrs-/Sommertemperaturen zu warten ist bei gegebener Klimaerwärmung grob fahrlässig!
  • Nach dem österreichischen Forstgesetz müssen Waldflächen nach Schadereignissen wieder aufgeforstet werden. Unter einer Seehöhe von 400 Meter sollte der Fichtenanteil dabei auf ca. zehn Prozent, zwischen 400 und 600 Meter je nach standörtlichen Gegebenheiten auf maximal 30 Prozent reduziert werden.
  • Da es unter Umständen einen Engpass beim Pflanzmaterial von Mischbaumarten wie Tanne, Bergahorn, Buche, Eiche oder Douglasie geben kann, wenn alle gleich im Frühjahr 2019 aufforsten wollen, ist zu überlegen, ob denn – je nach Verunkrautung – nicht eine einjährige Schlagruhe bevorzugt werden sollte. Dies hat zudem den Vorteil, dass man sich einstellende Naturverjüngung berücksichtigen kann.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen