Ein altes Zunftzeichen quietscht im Wind: Über die einstige Lederfabrik in Rohrbach-Berg

<f>Das Poeschl-Haus</f> mit seinem schönen Innenhof ist eines der letzten Relikte. Es wird privat von Maria Tupay-Duque bewohnt.
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  • <f>Das Poeschl-Haus</f> mit seinem schönen Innenhof ist eines der letzten Relikte. Es wird privat von Maria Tupay-Duque bewohnt.
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ROHRBACH-BERG (anh). Rau weht der Wind um die Häuser. Ein altes Zunftschild bewegt sich ein paar Millimeter nach rechts und wieder zurück. An der Schwelle eines der ältesten Häuser der Bezirkshauptstadt, dem Pöschl-Haus, erinnert es an längst vergessene Tage. An Zeiten, als der Geruch von Leder noch in Rohrbach in der Luft lag und man durch die Monarchie mit dem Königreich Ungarn enger denn je verbunden war. Ein Blick in die Geschichte.

Schuhe für die Soldaten

1683 wurde die Ledermanufaktur in Rohrbach gegründet und stets an die nächste Generation weitergegeben. 1852 wurde sie in den Rang einer Fabrik erhoben. Rindshäute wurden dort gegerbt und zu Sohlen-, Schuhober-, Sattler- und Riemenleder verarbeitet. Wohlstand und Kapital für Innovationen sicherten vor allem Heereslieferungen. So stellte man etwa für die Monturskommission der Armee Militärschuhe her, wofür hunderte Schuster in der Region beschäftigt wurden, und später für die k. u. k. Armee Patronentaschen oder Treibriemen. Nach dem Anschluss an das Deutsche Reich musste man zusätzliche Hallen bauen und das Rohstofflager vergrößern – für den damaligen Chef, Wilhelm Poeschl, ein Zeichen, dass der Zweite Weltkrieg vor der Tür stand. Während des Krieges stagnierte die Forschung, die Produktion wurde jedoch gesteigert, weil der Betrieb erneut zu Militärlieferungen verpflichtet war. In den Pausen wurde damals Sport betrieben und eine eigene Schutztruppe aus den Reihen der Belegschaft aufgestellt. Jene Arbeiter, die ständig abrufbar sein mussten und auch bei jedem Fliegeralarm in den Betrieb zu kommen hatten, trugen eine weiße Armbinde mit der Aufschrift "Hilfswache". Am 2. Mai 1945 schließlich wurde Rohrbach von den Amerikanern beschossen. Die Fabrik stand in Flammen.

Größter Arbeitgeber weit und breit

Beim Wiederaufbau versuchte man verstärkt die neu aufkommenden Kunststoffprodukte miteinzubeziehen. Bis zur fortschreitenden Motorisierung und dem Beginn der Pendlermassen nach Linz war die Fabrik unter dem letzten Geschäftsführer und gleichzeitigen Bürgermeister, Wilhelm Poeschl, neben dem Webereibetrieb VonWiller in Haslach der größte Arbeitgeber weit und breit. 300 Arbeiter und 50 Angestellte – davon ein Drittel Frauen – verdienten dort ihre Brötchen. Zwar stand der Chef oft aufgrund der niedrigen Löhne in der Kritik, dafür gab es Sozialleistungen oder Urlaub zur Erntezeit. Poeschl ließ auch zwölf Arbeiter-Wohnhäuser in der heutigen Siedlungsstraße errichten. Durch die ausländische Konkurrenz, die hohen Umweltauflagen, den allgemeinen industriellen Wandel und schlechte Erträge wurden 1982 jedoch – ein Jahr vor dem 300-jährigen Jubiläum – die Maschinen für immer abgestellt. Die deutsch-amerikanische Firma Röchling übernahm einen großen Teil der Belegschaft sowie Teile des Inventars und errichtete einen neuen Betrieb in Oepping. Die Hallen in Rohrbach-Berg wurden abgetragen. Neben dem alten Zunftzeichen erinnern heute nur mehr eine alte Linde, die in den Anfängen der Fabrik gepflanzt worden war, Poeschl-Villa, -park und -teich oder die Gerbergasse an die damalige Lederdynastie.

Mehr zum Pöschlhaus mitsamt Häuserchronik: https://www.meinbezirk.at/rohrbach/c-lokales/ein-stiller-zeitzeuge-aus-vergangenen-tagen-das-poeschlhaus_a2860859

&lt;f&gt;Das Poeschl-Haus&lt;/f&gt; mit seinem schönen Innenhof ist eines der letzten Relikte. Es wird privat von Maria Tupay-Duque bewohnt.
&lt;f&gt;Auf alten Fabriksplänen&lt;/f&gt; sah man stets die Linde im Zentrum der Fabrik. Sie gibt es heute noch.

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