"Ein ganz neues Lebensgefühl": Neue Arbeitszeitmodelle im Mühlviertel

Den Mitarbeitern von eMagnetix gefällt das neue Modell.
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Zwei Unternehmen aus der Region gehen mit neuen Arbeitszeitmodellen innovative Wege. BEZIRK (anh). Freie Arbeitsplätze mit neuen Mitarbeitern zu besetzen, wird für Firmen immer schwieriger. Fachkräfte sind Mangelware, die Arbeitslosenquote ist so niedrig wie noch nie. Manche Unternehmen beschreiten daher neue Wege bei den Arbeitszeitmodellen. In der Online-Agentur eMagnetix in Bad Leonfelden arbeiten die derzeit 25 Mitarbeiter seit Oktober beispielsweise nur noch 30 Stunden – und das bei gleichbleibendem Gehalt. Geschäftsführer Klaus Hochreiter erklärt die Gründe dafür: "Wir hatten vorher große Schwierigkeiten bei der Personalsuche. Gleichzeitig lässt sich heutzutage ein neuer Trend feststellen: Für junge Menschen muss nicht mehr nur das Gehalt passen, sondern sie wünschen sich auch mehr Freizeit." Dies bestätigt auch Klaus Grad, Leiter der Wirtschaftskammer Rohrbach: "Meine Erfahrung zeigt, dass Mitarbeiter sich bei der Wahl zwischen mehr Geld oder mehr Freizeit eher für zweiteres entscheiden." Dies brachte die Bad Leonfeldner Agentur dazu, die eigenen Arbeitszeitmodelle zu überdenken und neue bereits 2017 über mehrere Wochen hinweg zu testen.

Erwartungen übertroffen

Seit Oktober ist die 30-Stunden-Woche dort nun Realität. Sie hat die Erwartungen der Geschäftsführung bereits übertroffen: "Wir erleben die neue Regelung als Riesenvorteil. Unsere Mitarbeiter sind umso motivierter und produktiver und haben in Summe fünf Wochen mehr Freizeit und in Wahrheit doppelten Urlaub." Mitarbeiterin Carina Hammer, die den Bereich "Content" leitet, sagt: "Ich habe ein ganz neues Lebensgefühl, viel mehr Zeit für Freunde, Familie, Sport und alles, was mich sonst noch glücklich macht. Außerdem bin ich jeden Tag ausgeschlafen. Das wirkt sich positiv auf Motivation und Arbeitsleistung aus. Jetzt im Winter kann man so nach jedem Arbeitstag auch noch das Tageslicht genießen." Die Angestellten selbst würden die gewonnene Freizeit aber auch nutzen, um bei gemeinsamen Aktivitäten das Team zu stärken.

Wieder genügend Bewerber

Auch die Zahlen sprechen für sich. "Letztes Jahr wurde der Umsatz um 40 Prozent gesteigert, obwohl am Papier eigentlich weniger gearbeitet wurde", verrät die Geschäftsführung. Personell hat man sich verdoppelt, genügend Bewerbungen flattern ebenfalls wieder ins Haus. Hochreiter meint jedoch: "Es ist ein Modell, das für unsere Branche passt. Überall wird das aber nicht möglich sein, wie etwa im Gesundheitsbereich."
Dass es auch im Tourismus viele Chancen gibt, beweist das Hotel Aviva. Dort gibt es für die Angestellten von Rezeption, Verwaltung, Haustechnik, Marketing und Wellness seit dem Sommer eine Vier Tage-Woche bei 40 Stunden und gleichem Gehalt. Hierfür wurden interne Prozesse verändert und in einzelnen Abteilungen zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt. Geschäftsführer Christian Grünbart zieht eine erste Bilanz: "Die Mitarbeiter sind ausgeruhter, produktiver und motivierter. Sie sparen sich auch eine Fahrt zum und vom Arbeitsplatz und damit nicht nur Zeit, sondern auch Benzinkosten. Das ist zudem ein Beitrag zum Klimaschutz." Auch die Anzahl der qualifizierten Bewerbungen sei im Hotel in St. Stefan gestiegen. Man erhoffe sich künftig geringere Ausgaben für die Personalsuche und die langen Einschulungsphasen.

Größerer Erholungswert

Kerstin Venzl, Teamleiterin Rezeption, bestätigt: "Ich finde die Vier Tage-Woche genial. Man hat einen viel größeren Erholungswert und nicht mehr so viel Freizeitstress, weil man einfach viel mehr machen kann. Umgekehrt ist es so, dass man an den Arbeitstagen konzentrierter und motivierter ist."

Zur Sache

• Klaus Grad, Leiter der Wirtschaftskammer Rohrbach, sagt: "Diese Beispiele zeigen, dass es heute flexible Lösungen braucht, um für Arbeitnehmer und -geber passende Rahmenbedingungen zu schaffen. Das neue Arbeitszeitgesetz begünstigt dies. Eine Vier Tage-Woche ist leichter realisierbar und diese ist in der Regel im Interesse der Mitarbeiter. Der Wettbewerb zwischen den Arbeitgebern um Arbeitnehmer steigt damit. Grundsätzlich wird es aber über Geld und Zeit hinaus noch weitere Aktivitäten brauchen. Und es sind gemeinsame Anstrengungen der gesamten Region nötig – wie Wohnraum oder Freizeitangebote – um Menschen im Bezirk zu halten."

• Die Wirtschaftskammer Rohrbach ist bemüht, Pendler zurück in den Bezirk zu holen und auf interessante Jobs in der Region hinzuweisen – etwa mit der Initiative "Mein Job Rohrbach" (Mein Job Rohrbach).

• Eine Veranstaltung für Unternehmer und Mitarbeiter gleichermaßen zu diesem Thema gibt es demnächst in St. Martin: Mitarbeiter gewinnen und halten.

Den Mitarbeitern von eMagnetix gefällt das neue Modell.
Das Hotel Aviva ist in puncto Arbeitszeit Vorreiter.
Autor:

Annika Höller aus Rohrbach

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