"Ich wollte mitgestalten und im Bezirk etwas bewegen": Wilbirg Mitterlehner ist seit 20 Jahren Bezirkshauptfrau

Wilbirg Mitterlehner in ihrem lichtdurchfluteten Büro mit Blick auf den Pöschlteich und den Kirchturm der Gemeinde.
  • Wilbirg Mitterlehner in ihrem lichtdurchfluteten Büro mit Blick auf den Pöschlteich und den Kirchturm der Gemeinde.
  • hochgeladen von Annika Höller

BEZIRK (anh). Mit Ablauf dieses Jahres wird sie zudem in der 150-jährigen Geschichte der Bezirkshauptmannschaft Rohrbach den bis dato längst dienenden Bezirkshauptmann, Wilhelm Blecha (21 Jahre), in puncto Dienstzeit übertreffen. Zwei Gründe, um im Büro der 59-Jährigen vorbeizuschauen.

Erste Bezirkshaupfrau Oberösterreichs

"Mich hat der Bezirk schon immer interessiert, ich wollte mitgestalten, etwas bewegen und eine Leitungsfunktion übernehmen", erinnert sich Mitterlehner an ihre Beweggründe zurück. Im November 1997 war es, als der damalige Landeshauptmann Josef Pühringer ihre Bestellung bekannt gab. Als die gebürtige Schöneggerin, die in St. Martin wohnt, am 1. Jänner 1998 dann offiziell ihren Dienst antrat, war sie damit die erste und einzige Bezirkshauptfrau in Oberösterreich. Sich als Frau in einer Männerdomäne zu behaupten, war für Mitterlehner allerdings nie ein Problem: "Ich habe das Ganze einfach als normal, als selbstverständlich angesehen und daher auch gar nicht so hinterfragt." Ihrem Beispiel sind mittlerweile andere gefolgt, so stehen etwa auch in Ried und in Steyr-Land Frauen an der Spitze der Bezirkshauptmannschaft.
Anfangs noch im alten Amtsgebäude in der Bahnhofstraße, waltet sie seit dem Neubau der Bezirkshauptmannschaft 2008 von ihrem lichtdurchfluteten Büro mit Blick auf den Kirchturm und den Pöschlteich aus. Treu geblieben ist sie sich hinsichtlich ihrer persönlichen, wichtigsten Werte: Bürgerorientierung und Qualitätsbewusstsein. "Eine gute interne Organisation wirkt sich positiv auf alles andere aus", ist sie sich sicher. Das konstante Am-Ball-Bleiben – sei es bei der Qualitätssicherung, bei Projekten oder bei der Kommunikation – sei für sie daher essentiell. "Das geht nicht alleine, das geht nur miteinander." Das Ergebnis sind etliche Meilensteine, auf die sie bereits zurückblicken kann. Die Neugestaltung diverser Altenheime; die Teilnahme an länderübergreifenden Projekten; die positive Bewertung durch das CAF-System (europäisches Qualitätsbewertungssystem); die halbjährliche Herausgabe des BH-Magazins, das es in dieser Form in Oberösterreich nur in Rohrbach gibt; Initiativen zur Integration von Asylwerbern oder die grenzüberschreitende Waldbrandübung sind nur ein paar davon.

Anreize für Jugendliche

2018 will sie weiterhin "gemeinsam in die Zukunft arbeiten" und freut sich insbesondere auf Projekte wie die Kinder-Reha, das 150-Jahr-Jubiläum oder die Weiterführung des CAF-Systems. Als Aufwertung des Hauses sieht sie auch die Tatsache, dass künftig alle EU-Verkehrsdelikte Oberösterreichs in Rohrbach abgewickelt werden. Für den Bezirk wünscht sie sich, dass die Abwanderung gestoppt wird und mehr Anreize für Jugendliche geschaffen werden. "Familien bieten wir eine gute Lebensqualität, aber das eine oder andere Projekt gehört noch umgesetzt." Wo die Bezirkshauptfrau einen Ausgleich zu ihrer Arbeit findet? – "Ich reise gerne und habe einen netten Freundeskreis." Auf Trab halten sie auch ihre zwei Kinder Marlene (24) und Thomas (22) sowie ein Enkelkind. 

Von den Kreisämtern zu den Bezirkshauptmannschaften

1749 schuf Maria Theresia als erste Behörden einer staatlichen Lokalverwaltung die sogenannten Kreisämter. Daraus entwickelten sich Kreisbehörden mit Bezirksämtern und an ihre Stelle traten 1868 die Bezirkshauptmannschaften. Anfangs waren es zwölf in Oberösterreich, bis 1911 wurden sie 15 und drei Magistrate ausgeweitet. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Bezirkshauptmannschaften in Landkreise und Landratsämter umgewandelt. In diesem Zeitraum gab es auch einige gebietsmäßige Veränderungen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Verwaltungseinteilung von 1938 wiederhergestellt. Der Bezirkshauptmann oder die Bezirkshauptfrau ist die oberste Verwaltungsbeamte einer Bezirkshauptschaft. Er oder sie ist Leiter der Behörde und vertritt diese nach außen. Im Katastrophenfall ist er oder sie Leiter des Bezirksführungsstabes und damit oberster Einsatzleiter des Bezirkes. In der Bezirkshauptmannschaft Rohrbach sind – ohne dem SHV – rund 74 Mitarbeiter vollbeschäftigt. Die meisten Personalressourcen entfallen auf die Bereiche "Kinder- und Jugendhilfe, Verkehr und Anlage-, Umwelt- und Wasserrecht. 

Die Bezirkshauptleute von Rohrbach seit 1968

• Franz von Sanna (5.8.1868 bis 1.6.1873)
• Graf Friedrich Montecuccoli-Laderchi (1873 - 1893)
• Hugo Steinmahsler (5.10.1894 bis 31.12.1904)
• Josef Hueber (2.1.1905 bis 12.4.1906)
• Alfred Schindler (12.11.1906 bis 12.04.1911)
• Eduard Plappart (1911 bis 1917)
• Franz Jenak (1.10. bis 1.12.1917)
• Wilhelm Prinke (1.12.1917 bis 15.4.1919)
• Georg Streicher (1.7.1920 bis 1.3.1921)
• Franz Enzinger (11.4.1921 bis 1.4.1933)
• Rudolf Gast (1939 bis 1.12.1943)
• Leonhard Praxmahrer (1944 bis April 1945)
• Balthasar Gierlinger (2.5.1945 bis 18.1.1946)
• Robert Gasperschitz (18.1.1946 bis 14.4.1947)
• Lelio Spannocci (15.4.1947 bis 31.12.1956)
• Wilhelm Blecha (1.1.1957 bis 31.12.1977)
• Alfred Hable (1.1.1978 bis 15.7.1986)
• Karl Winkler (3.10.1986 bis 31.12.1997)
• Wilbirg Mitterlehner (seit 1.1.1998)

150-Jahre-Bezirkshauptmannschaft Rohrbach

• Dieses Jahr feiert die Bezirkshauptmannschaft Rohrbach das 150-Jahr-Jubiläum. Am 27. September gibt es eine Jubiläumsfeier, am 28. September einen Tag der offenen Tür

Weitere Funktionen von Wilbirg Mitterlehner:

- Bezirkstellenleiter des Roten Kreuzes
- Obfrau des Sozialhilfeverbandes
- Obfrau der Böhmerwaldschule
- Gründungsmitglied des Bildungsinstitutes für kommunale Einrichtungen (B.I.K.E.)
- Gründungspräsidentin des Soroptimist Clubs Rohrbacher Land, Vizepräsidentin der Österreichischen Union
- Vorstandsmitglied Euregio Bayerischer Wald-Böhmerwald
- Staatskommissärin der Sparkasse Mühlviertel-West
- Vorstands- und Beiratsmitglied von Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen (Arcus)
- Vorstandsmitglied der Leaderregion Donau-Böhmerwald
- Jurymitglied des Österreichischen Verwaltungspreises beim Bundeskanzleramt

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