Bezirk Rohrbach
Jutta Müller: "Bezirk braucht eine Frauenübergangswohnung mit solider Finanzierung"

Viele Frauen geben sich selbst die Schuld an Gewaltübergriffen.
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  • hochgeladen von Annika Höller

ROHRBACH-BERG (anh). Von 2014 bis 2016 existierte in der Bezirkshauptstadt ein spezielles Angebot für gewaltbetroffene Frauen – eine Wohnung mit drei Zimmern für insgesamt sieben Personen. Laut dem Frauennetzwerk haben in diesem Zeitraum sieben Frauen mit ihren Kindern diese 94 Quadratmeter genutzt. Sie fanden dort Halt, Sicherheit und Zeit, um an der jeweiligen Familiensituation zu arbeiten. "Der laufende Aufwand für diese Wohnung wurde durch eine Förderung der Sozialabteilung des Landes OÖ finanziert und als Starthilfe für die Einrichtung half das Frauenreferat mit", berichtet Jutta Müller, Leiterin des Frauennetzwerkes. Dazu kamen Spenden von Privatpersonen, Kommunen oder Institutionen oder von der Technischen Fachschule Haslach – auch für Lebensmittel und Hygieneartikel. Doch dann kam das Aus. Ende 2016 wurde die Wohnung wieder geschlossen. "Der jährliche Abgang war letztendlich zu hoch, die Spenden und Förderungen reichten nicht", bedauert Müller. Doch der Bedarf sei nach wie vor da, weswegen Müller auch für eine Wiederbelebung des Projektes eintritt. 

Steigende Gewaltdelikte im Bezirk 

2018 gab es im Bezirk laut Polizei 15 Betretungsverbote und 47 Fälle häuslicher Gewalt. Im ersten Halbjahr 2019 wurden nun alleine bereits 16 Betretungsverbote ausgesprochen und 47 Fälle häuslicher Gewalt offenkundig.  Anfragen in Bezug auf eine solche Wohnung trudeln im Frauennetzwerk immer wieder ein. "Eine Frauenübergangswohnung ist daher nach wie vor Thema", so die Leiterin. Bei Gewalt in Familien gelinge ein Ausstieg aus der Gewaltspirale nämlich oft nur durch die Abwesenheit der Opfer bzw. Täter. "Ist es nicht möglich, den Täter wegzuweisen, zum Beispiel wenn es sich um eine Landwirtschaft oder einen Betrieb handelt, braucht es einen Rückzugsort für Frauen, damit sie zur Ruhe kommen können", erklärt die Rohrbach-Bergerin das Procedere. Genau dann kommt eine solche Übergangswohnung ins Spiel. Dort werden Strategien für ein Familienleben ohne Gewalt erarbeitet und ein Neustart geplant. Das braucht alles Zeit und Raum. "Viele Frauen sind bereits seit einigen Jahren in Gewaltbeziehungen und sehen die Gewaltsituation oftmals nicht als lebensbedrohend an. Sie haben sich an die Übergriffe gewöhnt, schätzen die Situation falsch ein. Viele von ihnen geben sich zudem selbst die Schuld an ihrer Situation und wissen keinen Ausweg und kommt eine finanzielle Abhängigkeit hinzu, verschmälern sich die Perspektiven", schildert die Rohrbach-Bergerin. 

Angebote abseits des Frauenhauses 

In Linz gibt es das nächste Frauenhaus – eine wichtige Einrichtung, in der Betroffene auch weitervermittelt werden können, ist Gefahr im Verzug, denn dort gibt es mehrere Sicherheitsstufen. Aber auch im Bezirk selbst sollte es ein dementsprechendes Angebot geben wie Müller erläutert: "Alleinstehende Frauen können leichter in ein Frauenhaus gehen. Sie müssen ihre Kinder nicht aus der gewohnten Wohnung nehmen und können den Arbeitsplatz leichter wechseln." Für alle anderen gibt es aber im Bezirk keine Chance. 

Es geht um persönliche Schicksale 

Durch die tragischen Gewaltdelikte im vergangenen Jahr habe sich auch die damalige Regierung das Vorhaben erneut auf die Tagesordnung gesetzt. Deswegen war auch Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer im Jänner zu Besuch, es wurde über den Bedarf gesprochen. "Eine Übergangswohnung mit einer angemessenen Betreuung kostet pro Jahr rund 30.000 Euro", rechnet Müller vor. Diese finanziellen Mittel seien gut angelegt, schließlich geht es um persönliche Schicksale.

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