Mühlkreisbahn neu kalkulieren

Ob die Mühlkreisbahn bis Aigen-Schlägl attraktiviert wird, ist noch ungewiss.
  • Ob die Mühlkreisbahn bis Aigen-Schlägl attraktiviert wird, ist noch ungewiss.
  • hochgeladen von Karin Bayr

BEZIRK. Die Attraktivierung der Mühlkreisbahn wurde vom Rechnungshof geprüft. Das Ergebnis: "Der Streckenabschnitt nördlich von Rottenegg bis Aigen-Schlägl soll genauer auf dessen Wirtschaftlichkeit geprüft werden. Vor weiteren Entscheidungen sollte das Land Oberösterreich analysieren, ob im nördlichen Streckenabschnitt ab Rottenegg überhaupt "ein zweckmäßiger und wirtschaftlicher Betrieb erfolgen kann", schlägt der Landesrechnungshof vor. Und "dann entscheiden, wie das Öffentliche Verkehrs-(ÖV)-Gesamtkonzept in diesem Bereich gestaltet werden soll", sagt Landesrechnungshof-Direktor Friedrich Pammer. 

Steinkellner: konsequent sein

Das Verkehrsressort setzt sich weiterhin für einen abgestuften Betrieb bis Aigen-Schlägl ein, ließ Verkehrslandesrat Günther Steinkellner verlautbaren. Der kritische LRH-Bericht lässten den FPÖ-Politiker kalt: Er werde der Forderung nicht nachkommen, sagte Steinkellner: "Würden wir jetzt wieder zu rechnen anfangen, würde sich das Projekt verzögern." Außerdem seien die Einbindung der Mühlkreisbahn in das S-Bahn-Netz und deren Attraktivierung seit den 90er Jahren Gegenstand der verkehrspolitischen Diskussion in Oberösterreich. "In Ausführung der bisherigen Beschlüsse und Kenntnissnahmen des Oö. Landtages ist es daher nur konsequent, die sich ergebenden Chancen der Einbindung der aufkommensstarken Pendlerrouten des Mühlviertels in den S-Bahnverkehr zu nutzen", sagt Steinkellner.

Bürgermeister für "Bim"

In diese Diskussion schalten sich nun auch Bürgermeister aus Urfahr-Umgebung mit einer neuen Forderung ein: „Wir Bürgermeister aus Walding, Puchenau, Goldwörth und Ottensheim wollen die Straßenbahn mit Umkehrschleife in Rottenegg statt der Mühlkreisbahn und werden demnächst bei Verkehrslandesrat Steinkellner vorsprechen", sagt Franz Füreder, Bürgermeister von Ottensheim. Die Situation sei nicht mehr tragbar. "Das Problem sind die Ampelregelungen mit der Bahn an der B127, das sich mit einer Straßenbahn viel besser lösen lässt. Ohne Güterverkehr hat die Mühlkreisbahn ohnehin keinen Sinn mehr. Die bisherige Mühlkreisbahn könnte von Rottenegg bis Aigen-Schlägl als Nostalgiebahn von einem Privaten betrieben werden", sagt Füreder.

Bessere Querverbindungen

Auch Gerald Schimböck ÖVP-Bürgermeister Puchenau glaubt: „Das Problem der Kreuzungssituation mit den Querverbindungen wird mit dem zunehmenden Verkehr immer schlimmer und lässt sich mit einer Straßenbahn viel besser lösen.“ Franz Bauer, SPÖ-Gemeindevorstand in Ottensheim sagt: "Die Straßenbahn hätte den Vorteil, dass kürzere Takte möglich wären, neben dem Hauptbahnhof wäre auch zB. die PlusCity direkt angebunden. Darüber hinaus braucht die Straßenbahn keinen eigenen Gleiskörper, unterliegt nicht der Eisenbahnergesetz mit der eigenen Verkehrsordnung, könnte also leichter in die B127 integriert werden bzw. wären auch die Kreuzungsbereiche nicht mehr so problematisch. Ein Radweg entlang der Schienen ist bei einer Straßenbahn unkomplizierter umsetzbar.“

"Hirnrissige Idee"

"Das sind hirnrissige Vorschläge und der Sache einer attraktiven Mühlkreisbahn nur abträglich", sagt Alois Hain, Sprecher der Zugkunft Mühlviertel auf diese Vorschläge. Die Zugkunft setzt sich für den Fortbestand der Mühlkreisbahn als Vollbahn nach Aigen-Schlägl ein. "Ich habe das Gefühl, die Bürgermeister wissen nicht wovon sie reden und haben sich noch nie mit einem Verkehrsexperten unterhalten. Eine Straßenbahn nach Rottenegg würde zwei Gleise benötigen, damit ein Taktverkehr möglich wird. Der Platzbedarf auf der Straße wäre größer. In Straßenbahngarnituren haben weniger Fahrgäste Platz, als im Desiro und eine Straßenbahn fährt mit geringerer Geschwindigkeit als die Eisenbahn", kontert Hain mit technischen Fakten.

Kein "Grund" Bim zu fordern

"Ich glaube auch, kein Bürgermeister der ,unteren' Gemeinden hat einen guten Grund eine Straßenbahn oder die Einstellung der Bahn ab Rottenegg zu fordern. Die Zugverbindung im Viertelstunden-Takt nach Linz ist in diesen Gemeinden sehr gut", sagt Hain.

Im Hinblick auf den eingangs erwähnten Rechnungshofbericht, meint Hain: "Der Bericht des Landesrechnungshofes ist absurd, eine Provinzposse. Dem LRH fehlt der Weitblick, was eine attraktive Bahn betrifft. Dass die Pläne nun in Frage gestellt werden, ist eine Katastrophe. Wir kommen in dieser Diskussion nie zu einem Ende. Wenn Oberösterreich das Land der Möglichkeiten ist, müsste es doch endlich möglich sein, die Mühlkreisbahn jetzt auszubauen!"

Durchbindung notwendig?

Der Verkehrslandesrat ist auch der Meinung, dass eine Einbindung in den Hauptbahnhof Voraussetzung für möglichst gute Erreichbarkeiten im oberösterreichischen Wirtschaftsraum und die umliegenden Regionen ist. Auch wenn die Zahlen hier zurückhaltender sind: Laut Verkehrserhebung des Landes kamen im Jahr 2012 werktags im Schnitt rund 2.000 Menschen mit der Bahn am Mühlkreisbahnhof an. Nur 200 von ihnen setzten ihre Reise zum Hauptbahnhof fort. Bei der Durchbindung der Mühlkreisbahn beanstandete der Landesrechnungshof nicht nur, dass die Kosten des Projekts ungeklärt seien. Auch den Nutzen sahen die Prüfer nicht ausreichend belegt.

Das Fahrgastzahlen-Argument stört Alois Hain: "Die Fahrgastzahlen sind fiktive Zahlenangaben, die nur bei der Mühlkreisbahn auftauchen. Bei der zweiten Straßenbahn-Schienenachse durch Linz ist nie von Fahrgastzahlen die Rede, nur davon, dass man diese zweite Achse braucht. Man kann den öffentlichen Verkehr nicht alleine auf Basis von Zahlen beurteilen. Es braucht ein gute Angebot und eine gute Abstimmung zwischen Bus und Bahn."

Endlich beginnen!

Für Abt Martin Felhofer, dem Verfechter einer attraktiven Mühlkreisbahn bis Aigen-Schlägl ist es: "Ein Gebot der Stunde, nach bereits jahrzehntelangen Diskussionen, endlich mit der Modernisierung der Bahn zu beginnen. Die Menschen im Oberen Mühlviertel haben es sich verdient, ihren Weg zur Arbeit und Ausbildung in modernen Zugsgarnituren rasch und häufig absolvieren zu können." Gerade in der Europaregion Donau-Moldau werde zu erleben sein, dass auch der Tourismus sehr stark von einer modernen Bahn profitieren werden. Der Abt meint abschließend: "Die Landesgartenschau 2019 in Aigen-Schlägl wäre eine tolle Möglichkeit, die Bahn als zukunftsfähiges Transportmittel ins Bewusstsein zu bringen."

Schnellere Bahn

Bürgermeisterin Elisabeth Höfler ist über den Vorstoß ihrer Partei- und Amtskollegen überrascht, möchte aber genauer definiert haben, was sich Füreder unter einer Nostalgiebahn vorstellt. "Fakt ist auf jeden Fall, dass die Mühlkreisbahn schneller und attraktiver werden muss, damit sie auch genutzt wird", sagt Höfler. Gerade im Hinblick auf die Landesgartenschau 2019 hofft sie, dass sich dahingehend noch etwas verbessert. "Wichtig ist einfach, dass wir eine ordentliche zeitliche Verbindung nach Linz bekommen, sonst nutzt keiner die Bahn."

Keine Brücke ohne Bahn

Walter Höllhuber, Obmann des Dreiländerinfrastruktur-Vereins hat für die Empfehlung des Landresrechnungshofes kein Verständnis: "Wir appellieren an die Politiker von Stadt und Land, die Planungen unter Hochdruck fortzusetzen oder gleich den Baustopp zu verhängen. Denn eine neue Brücke ohne Eisenbahn wird es nicht geben", sagt Höllhuber. Er sagt: "Es ist Aufgabe des Landes eine für alle Beteiligten tragbare Lösung durchzusetzen. Das ist aber nicht nur Angelegenheit des zuständigen Landesrates alleine sondern hier ist die gesamte Landesregierung gefordert." Auch Linz solle erkennnen, welche Chancen in der Fertigstellung dieser Bahn für sie selbst läge.

Autor:

Karin Bayr aus Rohrbach

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