Sunnseitn-Gespräche am Unterkagererhof
Was morgen auf dem Teller landet

Mehr Achtsamkeit ist heute gefragt.
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Am Freitag, 6. September, finden die Sunnseitn-Gespräche zum Thema "Das Essen der Zukunft" statt.

BEZIRK, AUBERG (anh). In Südamerika isst man viele Bananen, in Afrika mehr Trockenfrüchte. Ernährungskulturen hingen bislang fast ausschließlich mit den klimatischen Bedingungen zusammen. Doch durch die Globalisierung gleichen sie sich an. "Die Welt ist in einem starken Umbruch. Immer mehr Leute eignen sich den westlichen Lebensstil an – mit autofixierter Mobilität, geräteintensiven Haushalten und einer fleischzentrierten Ernährung", stellt Hans Holzinger von der "Robert Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen" fest. Mit dem materiellen Wohlstand und dem Grad der Verstädterung steige auch der Trend zu industriell verarbeiteten Lebensmitteln. Ein Beispiel sei China: Der durchschnittliche Pro-Kopf-Fleischverbrauch ist dort von zehn Kilogramm 1971 auf 58 im Jahr 2011 angestiegen. Zum Vergleich: In Österreich oder Deutschland beträgt der Fleischverzehr pro Kopf 80 bis 90 Kilogramm, in den USA 120. Doch ein hoher Fleischkonsum ist mit dem Import von Futtermitteln aus Ländern verbunden, in denen hierfür Regenwälder abgeholzt und Böden ausgelaugt werden. Würde jeder Erdbewohner so viel Fleisch verzehren wie ein durchschnittlicher Europäer, müssten 80 Prozent der weltweiten Äcker nur für die Fleischproduktion genutzt werden. Umgekehrt würde eine Halbierung des EU-Verbrauchs von Tierprodukten aller Art den "Land-Fuß-Abdruck" der EU um 44 Millionen Hektar reduzieren.

1,3 Milliarden Tonnen Müll

Bedenklich findet Holzinger auch, dass nur wenige Lebensmittelkonzerne den globalen Markt bestimmen. Und dass immer mehr Menschen an chronischen Krankheiten und Allergien leiden – durch eine überzuckerte, fette und kalorienreiche Ernährung und zu wenig Bewegung. Sie hinterlassen zudem Müllberge – davon weltweit laut Welternährungsorganisation jährlich 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel. Er plädiert daher für mehr Ernährungssouveränität: "Zu wissen, woher die Lebensmittel kommen und sich weitgehend davon zu ernähren, was in der Region wächst." Es ginge um kürzere Transportwege und ein Leben im Einklang mit der Natur – ohne Menschen in anderen Erdteilen etwas wegzunehmen.

Alternative Kost

Auch Kathrin Mitterhofer-Hablig vom Klimabündnis OÖ will mehr Achtsamkeit: "Das Klimabündnis versucht ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es einen Unterschied macht, was wir essen – für Gesundheit und Klima." Man solle einen Schritt zurückgehen, wieder mehr auf Saisonalität und Regionalität achten, vieles selbst anbauen, Müll vermeiden und nicht jeden Tag Fleisch essen. Das Bündnis betreut daher das Projekt "FleischfreiTag", eine Initiative von Landesrat Rudi Anschober. Diese greift den konträren Trend zu alternativer Kost auf. In dieselbe Kerbe schlägt die Ulrichsberger Firma Neuburger Fleischlos GmbH. Als Erfinder des Neuburger-Leberkäses fühlte sich Chef Hermann Neuburger in der Verantwortung, das "schier unbegrenzte Wachstum des Fleischkonsums nicht weiter anzukurbeln." Die Situation der Fleischbeschaffung habe sich zudem massiv verändert: "Das größte Problem ist der Kostendruck durch die niedrigen Fleischpreise. Er macht eine artgerechte Haltung unmöglich." Dazu kämen gesundheitliche Risiken und negative Auswirkungen auf Tiere und Umwelt. Sein Sohn und er tüftelten daher an Alternativen. Aus vor Ort gezüchteten Kräuterseitlingen entsteht nun eine eigene Produktlinie. "Würde jeder eine Fleischmahlzeit pro Woche auslassen, hätten wir schon sehr viel erreicht", so Neuburger. Fleisch und Beilagen sollten seiner Meinung nach am Teller ihre Rollen tauschen.

"Wir müssen achtsam mit der Natur umgehen"

Auch Josef Eder von der Biobäckerei Mauracherhof forciert seit Jahren eine Wende im Lebensmittelbereich. Er war einer der ersten Bio-Pioniere in der Region. Viele davon wurden damals belächelt, doch mittlerweile beträgt ihr Anteil an der bewirtschafteten Fläche in Österreich über 20 Prozent. Laut dem Deutschen Umweltbundesamt ließe sich ganz Europa gut biologisch bewirtschaften. Man müsste nur die Agrarförderpolitik ändern und den Fleischkonsum halbieren. Eder sagt: "Wir sind Teil eines Ganzen und müssen achtsam mit der Natur umgehen. Derzeit laufen wir Gefahr, durch die Industrialisierung die Souveränität der handwerklich-bäuerlichen, selbstständigen Zukunft ganz zu verlieren. Wir dürfen uns nicht eine totale (Konzern-)Abhängigkeit überstülpen lassen. Wenn uns bewusst wäre, wie billig und folgekostenintensiv wir ernährt werden, wir würden es nicht akzeptieren."

Zur Sache

Die diesjährigen Sunnseitn-Gespräche mit Diskussion unter dem Motto "Das Essen der Zukunft" finden am Freitag, 6. September 2019, 19.30 Uhr, in der Stube des Unterkagererhofs in Auberg statt.

Gestartet wird mit folgenden Impulsreferaten:
• "Wir leben auf der sunnseitn", Hermann Neuburger (Neuburger GmbH & Neuburger Fleischlos GmbH, Ulrichsberg)
• "Das Leben im Lebensmittel lassen", Josef Eder (Biohofbäckerei Mauracher, Sarleinsbach)

Weitere Diskussionspartner:
• Kathrin Mitterhofer-Hablig (Klimabündis OÖ)
• Hans Holzinger (Robert Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen)

Moderiert wird die Diskussion von Helmut Eder.

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