Frauen im Bezirk Rohrbach
Weltfrauentag 2019: "Sind noch lange nicht am Ziel"

Klara Pöschl leitet eine Modelagentur.
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Anlässlich des Weltfrauentages haben wir mit Rohrbacherinnen über die aktuelle Situation gesprochen.

BEZIRK (anh). "Ja, es braucht weiter einen Weltfrauentag", sind sie sich einig: Elisabeth Höfler, Bürgermeisterin von Aigen-Schlägl (VP); Ulrike Schwarz, Landtagsabgeordnete (Grüne) und Modelagentur-Chefin Klara Pöschl. "Wir sind noch lange nicht am Ziel", bringt es Höfler auf den Punkt. Es gebe noch zu wenig Frauen in Führungspositionen – speziell in der Politik. Das habe laut Höfler auch ein Stück weit damit zu tun, dass wir in einer Neidgesellschaft leben würden. Pöschl ergänzt: "Speziell am Land gibt es viele Vorurteile und manche Frauen fragen sich vor jeder Entscheidung zuerst, was wohl die anderen über sie denken." Solange in den Köpfen die Bezeichnung 'Rabenmutter' nach wie vor existiere, würde sich das nicht ändern. "Situationen, in denen wir teilweise ins Lächerliche gezogen werden und als Karrierefrauen dargestellt werden, sind keine Seltenheit", bestätigt Höfler.

Verwurzelte Rollenbilder

Nicht ganz unschuldig daran seien gewisse Rollenbilder. "Alleine die Tatsache, dass bei Kinderspielzeug immer noch klar unterschieden wird und nur die Mädchen rosa tragen, zeigt, wie tief dies in uns verwurzelt ist", sagt die Agenturchefin. "Wir erleben in vielen Bereichen gerade wieder einen Trend in Richtung zurück an den Herd. Von der Gleichberechtigung sind wir meilenweit entfernt", bedauert Schwarz. Sichtbar werde dies beispielsweise bei den Kollektivverhandlungen in der Sozialwirtschaft, einem Bereich, in dem sehr viele Frauen tätig sind. Dort wurde zwar eine Lohnerhöhung erzielt, jedoch wurden andere Sparten noch mehr begünstigt, sodass die Lohnschere weiter auseinandergehe. Trotz aller Forderungen zum Papamonat fehle Schwarz die ehrliche Diskussion über Halbe/Halbe in der alltäglichen Familienarbeit.

"Klischee beseitigen"

Als Frau nehme man sich laut Pöschl oft etwas zurück und möchte es allen recht machen. Die Folge: Vielerorts würden Frauen laut Höfler noch immer als das schwache Geschlecht dargestellt werden. "Ein Klischee, das man schleunigst beseitigen sollte", sagt sie, "wir müssen uns selbst mehr zutrauen." Nicht immer gelinge dies jedoch auf Anhieb, wie die Landtagsabgeordnete berichtet: "Ich habe persönlich oft das Gefühl, mehr leisten zu müssen, um auf Augenhöhe mitzureden." Aber: "Man darf sich trauen, vorangehen, Position beziehen", ruft Pöschl auf.
Positiv sehen alle vier Initiativen wie den Girl's Day und Frau in der Technik, Kurse für Wiedereinsteigerinnnen, Förderprogramme, Frauennetzwerke oder Unternehmensberatungen. "Im Bezirk gibt es trotzdem ein paar starke Frauen, die in Leitungspositionen sind. Sie übernehmen Verantwortung und zeigen so vor, dass Familie und Beruf gleichzeitig möglich sind", so Schwarz über gewisse Vorbilder. Speziell bei den Gehältern sowie bei Kinderbetreuung und Pflege gebe es allerdings noch viel zu tun. "Eine Frau soll sich nicht mehr zwischen Beruf und Kindern entscheiden müssen", sagt Höfler. Auch der Wiedereinstieg müsse leichter möglich sein und es ginge laut Schwarz nach wie vor um das Aufzeigen von Ungleichheiten und einer kontinuierlichen Bewusstseinsbildung. "Laut Zukunftsforschung werde ich nicht mehr erleben, dass es eine totale Gleichberechtigung gibt – aber vielleicht meine beiden Kinder", ist Pöschl zuversichtlich. Sich als Frau hinzustellen und die eigene Meinung laut zu sagen, helfe auf jeden Fall.

"Lieber gesellschaftliche Akzeptanz als Karriere"

"Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob Frauen die Welt offenstünde", sagt Jutta Müller, "doch die Fallstricke liegen im Detail." Sie ist Leiterin des Frauennetzwerkes Rohrbach. Dieses unterstützt Mädchen und Frauen seit 30 Jahren. Mehr als 6.000 Frauen nutzten seither dieses Angebot. "Seit über 100 Jahren dürfen Frauen wählen gehen, haben gleichberechtigten Zugang zu Schulen und Universitäten. Seit 43 Jahren haben sie per Gesetz die gleichen Rechte und Pflichten in einer Ehe und in vielen Bereichen das Recht auf Selbstbestimmung. Aber es gibt noch immer viel zu tun", sagt sie. Dazu gehören Förderungen in technischen Berufen, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und mehr Anreize, damit Frauen nicht in den Ballungsraum abwandern. Auch ihr ist das klassische Rollenbild ein Dorn im Auge: "Viele verzichten mehr oder weniger freiwillig auf Karriere, setzen stattdessen auf gesellschaftliche Akzeptanz." Dabei könnte beides möglich sein. "Das Bild einer modernen Gesellschaft mit starken Frauen wird dann Realität, wenn diese einen angemessenen Beitrag für ihr volkswirtschaftliches Tun zurückbekommen."

Zur Sache

• Der Weltfrauentag fand erstmals 1911 in den Ländern Österreich-Ungarn, Dänemark, Deutschland und der Schweiz statt – damals noch am 19. März. Mit der Wahl des Datums sollte der revolutionäre Charakter des Frauentags hervorgehoben werden, denn der Vortag, der 18. März, war der Gedenktag für die Gefallenen während der Märzrevolution 1848. Außerdem hatte auch die Pariser Kommune 1871 im März begonnen.
• Er entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen sowie die Emanzipation von Arbeiterinnen.
• Seit 1921 wird er jährlich am 8. März gefeiert.
• In einigen Ländern Asiens, Afrikas, Südamerikas und Osteuropas ist er ein gesetzlicher Feiertag. Die Bevölkerung hat ganztags oder halbtags frei.

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