"Wut-Mutter" lässt die Wogen weiter hochgehen

Die Gratis-Nachmittagsbetreuung soll wegfallen.
  • Die Gratis-Nachmittagsbetreuung soll wegfallen.
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UPDATE: Auf den offenen Brief von Christiane Seufferlein haben Landeshauptmann Thomas Stelzer und Landesrätin Christine Haberlander (ÖVP) hat am Donnerstag reagiert. „Wir bemühen uns bei der Umsetzung, den Elternbeitrag sozial verträglich zu gestalten und die finanzielle Belastung für die Familien im vertretbaren Rahmen zu halten. Eine Abmeldewelle am Nachmittag halte ich hier daher für eine reine Spekulation", sagte Haberlander. Zuvor hatte bereits Landeshauptmann Stelzer auf dieses, laut ihm wohl nicht ernst gemeinte Angebot, dass er selbst das Kind von Seufferlein betreuen soll, reagiert. Er verweist auf Landesrätin Christine Haberlander, die für diese Agenden zuständig sei. Er sehe aber die Notwendigkeit der Gebühren für eine langfristige Finanzierbarkeit des Kinderbetreuungssystems, das auch sozial gestaffelt werden soll.

Kinderbetreuung finanzieren

Haberlander widersprach dem Vorwurf der Mutter, dass die Einführung der Gebühren familienunfreundlich sei. „Wir bemühen uns bei der Umsetzung, den Elternbeitrag sozial verträglich zu gestalten und die finanzielle Belastung für die Familien im vertretbaren Rahmen zu halten", sagte sie. „Mit dem Modell der Beiträge am Nachmittag leisten wir einen Beitrag zur grundsätzlichen Finanzierbarkeit des oö. Kinderbetreuungssystems. So können wir auch den weiteren Ausbau des institutionellen Kinderbetreuungsangebotes gewährleisten", sagte Haberlander. LH-Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ) meinte dazu: Kinderbetreuung liege in erster Linie in der Eigenverantwortung der Familien, und könne nicht nur auf den Staat abgewälzt werden. Lesen Sie hier mehr zu dieser Aussage.

Ho-Ruck-Aktion

Kritisiert wurde in der Diskussion auch die Kurzfristigkeit, also der sehr rasche Zeitpunkt der Einführung. Das kritisiert auch der Julbacher Bürgermeister Hannes Plattner (SPÖ): "Das ist ein chaotischer Schnellschuss, genauso wie die Einführung 2013 war", sagt er zur mit Februar geplanten Abschaffung der kostenlosen Nachmittagsbetreuung. Er gibt zu bedenken: Für Julbach wird das echt schwierig. Wenn wir zu wenig Kinder für die Nachmittagsbetreuung haben, betrifft das das Kindergartenpersonal und auch das Angebot des Mittagessens im Kindergarten wird wegfallen", warnt Plattner. "Auch für die Gemeinden, nicht nur für die Familien, ist diese Entscheidung ein Wahnsinn."

"Wut-Mutter" legt nach

Die Antwort von Christine Haberlander ist für Seufferlein nicht zufriedenstellend. Auf ihrer Facebookseite schreibt sie: "Sorry Christine Haberlander , aber den Abbau von möglichst niederschwelligen Angeboten der Kinderbetreung als Maßnahme zur Förderung von Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf zu verkaufen ist so zynisch, dass ich es kaum ausdrücken kann. Und meine konkrete Frage: Wird es auch bei 3 Kindern in meiner Gemeinde eine Betreuung am Nachmittag geben ist immer noch unbeantwortet. Aber sie haben ja noch Zeit. Ist ja nicht ihr Kind das vielleicht am 1.2 ohne Betreuung da steht."

Das ist bisher geschehen (Stand Mittwoch, 15. 11., 20 Uhr):

Julbacherin will Landeshauptmann als Kinderbetreuer
JULBACH. Mit einem bewusst provokativen Brief, den sie auf Facebook veröffentlicht hat, hat sich Christiane Seufferlein aus Julbach an Landeshauptmann Thomas Stelzer gewandt. Auf Facebook erntet sie dafür viel Lob.

Brief an den LandesVATER

"Ich werde nämlich ihre Rolle als LandesVATER sehr ernst nehmen und meine Tochter bei Ihnen abgeben. Mangels Alternativen", schreibt die Mutter einer Tochter. Sie will damit aufzeigen, dass die kostenpflichtige Nachmittagsbetreuung im Kindergarten, gerade Mütter in ländlichen Regionen vor große Herausforderungen stellt. Drei Mal in der Woche pendelt sie zur Arbeit nach Linz. Ihre Tochter ist seit Herbst im Kindergarten. Nun steht allerdings alles auf der Kippe: „Die Kindergartengebühren sind für mich und meine Familie existenzbedrohend. Diese Gebühr kostet mich nämlich keine 50 oder 100 Euro, sie kann mich meinen Job kosten.“

Zu wenig Kinder

„In einem kleinen Kindergarten wie Julbach haben viele Mütter aus Solidarität ihre Kinder auch nachmittags in den Kindergarten gebracht, damit die Gruppe überhaupt zusammen gekommen ist. Diese Solidarität hört aber auf, wenn's 100 Euro kostet", sagt Christiane Seufferlein. Sie befürchtet, dass das für jene, die die Nachmittagsbetreuung wirklich brauchen ein Spießrutenlauf wird.

Schlecht durchdacht

Die Julbacherin kritisiert außerdem die Kürze der Zeit, in der das Vorhaben abgewickelt werden soll. "Innerhalb dieser wenigen Wochen kann man keine Alternative andenken, denn der Platz bei der Tagesmutter ist weg. Es geht mir nicht darum, dass der Kindergartenplatz gratis sein muss, aber die Sicherheit für eine Kinderbetreuung brauche ich", sagt sie. Seufferlein wollte mit ihrer Aktion aufzeigen, dass die Kindergartengebühren existenzbedrohend sind. "Nicht nur für zwei, drei Leute, sondern für ganz, ganz viele Familien im ländlichen Raum. Es geht nicht um die 50 Euro, sondern da hängt viel mehr dran. Und darüber hat sich wohl niemand Gedanken gemacht", kritisiert die Julbacherin .

Hier der gesamte Brief:

Sehr geehrter Herr Stelzer,

Ihre Kindergartengebühren sind für mich und meine Familie existenzbedrohend. Diese Gebühr kostet mich nämlich keine 50 oder 100 Euro, sie kann mich meinen Job kosten. Dabei habe ich, geht man vom Wertekanon ihrer Partei aus, alles “richtig„ gemacht: Ich bin verheiratet, habe eine gute Ausbildung, einen guten Job, ein Kind und damit eine künftige Steuerzahlerin in die Welt gesetzt und vor zwei Jahren ein Haus gekauft – eine Maßnahme, die von ihrem Parteichef Sebastian Kurz ausdrücklich zur Vermeidung von Altersarmut empfohlen wird. Wir waren guter Dinge mit zwei Einkommen all das finanzieren zu können.

Meine Tochter ist gerade inden örtlichen Kindergarten gekommen. Ich kann an drei Tagen in der Woche somit meinem Beruf in Linz nachgehen. Innerhalb von nur wenigen Wochen steht nun all das auf der Kippe:

· In unserem Kindergarten gäbe es mit Gebühren keine Nachmittagsbetreuung mehr weil wir die erforderlichen 10 Kinder nicht zusammenbringen.

· Der Platz bei der Tagesmutter, den wir sogar hatten, ist weg.

· Bei Öffnungszeiten von 7:00 bis 12:00 ist es für mich unmöglich weiter meinen Job in Linz auszuüben, da ich insgesamt knappe 3 Stunden Fahrtzeit pro Tag habe.

· Die Einführung dieser Maßnahme mit Jahresbeginn nimmt mir jede Möglichkeit mich auf die neue Situation einzustellen oder Alternativen zu suchen.

Haben Sie die Tragweite dieser Maßnahme gegen die “Gratismentalität„ nicht durchdacht oder ist es ihnen völlig egal, dass sie mit einer derart überstürzten Einführung von Kindergartengebühren Existenzen vernichten? Was sagen Sie mir? Was sagen Sie allen alleinerziehenden Mamas, die sich bemühen ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen und die bitter angewiesen sind auf die Nachmittagsbetreuung? Was sagen Sie zu den Kindergartenpädagoginnen die mitten im Jahr plötzlich nur mehr halb so viele Arbeitsstunden und damit wohl nur mehr halb so viel Geld am Konto haben?

Chancen statt Schulden ist ihr Wahlspruch – Sie nehmen mir und unzähligen anderen Frauen im ländlichen Raum mit dieser Maßnahme alle Chancen und die Möglichkeit unsere Schulden zurückzuzahlen.

Ich hoffe, Sie haben im Landhaus einen netten Raum mit viel Spielzeug und eine gut ausgebildete Fachkraft für Kinderbetreuung sobald diese Maßnahme in Kraft tritt. Ich werde nämlich ihre Rolle als LandesVATER sehr ernst nehmen und meine Tochter bei Ihnen abgeben. Mangels Alternativen.

Mit freundlichen Grüßen
Christiane Seufferlein

Hier gehts zur Facebookseite von Christiane Seufferlein

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