"Zukunft des Freiwilligen-Systems wird auf diese Art und Weise gefährdet"

Die Ulrichsberger hatten alle Hände voll zu tun.
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Der bisherige Jänner forderte die Einsatzkräfte des Bezirkes und entfachte eine alte Diskussion erneut. BEZIRK (anh). "Der Winter 2018/19 zählt zu den stärksten, was den aktuellen Streusalzverbrauch betrifft", sagt Infrastruktur-Landesrat Günther Steinkellner. Bis Mitte Jänner wurden oberösterreichweit bereits 35.800 Tonnen Streusalz verbraucht, davon alleine 16.000 Tonnen zwischen 2. und 12. Jänner. Dieser Wert übertrifft die Aufzeichnungen für den gleichen Zeitraum der letzten vier Jahre bei weitem. Im Bezirk Rohrbach musste man schon 2.000 Tonnen Salz bereitstellen. Auch die Nachlieferungen zu den Straßenmeistereien waren teilweise schwierig. Anfragen von Gemeinden an die diese, Salz beziehen zu können, konnten nicht bzw. nur für geringe Mengen erfüllt werden, da das Salz der Straßenmeistereien grundsätzlich für das höherrrangige Straßennetz reserviert ist. Einige Gemeinden – so auch Rohrbach-Berg – haben daher auf Splitt umgestellt. Die Winterdienstmitarbeiter haben heuer bereits eine rekordverdächtige Anzahl an Einsatzstunden verzeichnet, nämlich 67.000.

"Mir platzt der Kragen"

Doch auch die Feuerwehrkameraden mussten in den letzten Tagen ordentlich anpacken. Dadurch wurde eine alte Diskussion neu entflammt – konkret vom Salzburger Landesfeuerwehrkommandanten Leopold Winter. Er fordert für die vielen freiwilligen Helfer, die beim Schneechaos im Einsatz waren und hierfür von ihren Arbeitgebern frei bekamen, vom Bund eine Entschädigung. "Mir platzt schön langsam der Kragen, dass wir keine Möglichkeit finden, vom Bund eine Entschädigung zu erhalten, wenn ein Arbeitgeber einen Helfer von der Arbeit freistellt – egal, ob das für die Feuerwehr oder die Bergrettung ist", sagt er. Wenn dies nicht schnell gelinge, würde man die Zukunft des Freiwlligen-Systems gefährden.

Abgeltung ab erstem Tag

Sepp Bröderbauer, Bezirksfeuerwehrkommandant, sieht dies ähnlich: "Der Mehrwert unserer freiwilligen Arbeit wird im Katastrophenfall besonders sichtbar und muss auch finanziell von der öffentlichen Hand noch mehr mitgetragen werden." Im Oö. Katastrophenschutz gibt es eine Abgeltung bei längeren Einsätzen. Ab dem vierten Tag ersetzt das Land auf Antrag privaten Unternehmen die Entgeltfortzahlungen für Kameraden, die im Katastropheneinsatz waren. "Dies muss bereits nach dem ersten Tag so sein", so Bröderbauer. Es gebe aber auch positive Rückmeldungen von Kameraden aus dem Bezirk, einzelne Betriebe hätten die Fehlzeiten mit bezahltem Sonderurlaub abgegolten.

"Mir fehlt der Glaube"

Martin Wakolbinger, Kommandant der FF Rohrbach, meint: "Man wird sehen, ob sich diesmal etwas bewegt – mir fehlt der Glaube. Ich stelle hier einen gewissen Automatismus fest. Jedes Mal, wenn ein Großschadensereignis in die Endphase geht, kommen von verschiedenen Seiten immer dieselben Forderungen. Die Einsatzkräfte werden – verdientermaßen – in den Himmel gelobt und gesetzliche Erleichterungen gefordert bzw. auch versprochen. Meist sind die Resultate aber ernüchternd." Nach wie vor gebe es keinen Zugang zum Bildungskonto oder anderen Unterstützungen beim Erwerb des Lkw-Führerscheins beispielsweise. Nach wie vor müssten viele Feuerwehren tief in die eigene Tasche greifen, wenn ein Einsatzfahrzeug angeschafft wird oder es gilt, ein Feuerwehrhaus zu bauen. Hierbei könnte man sich in Rohrbach-Berg aber Gott sei Dank glücklich schätzen. "Was die aktuelle Forderung betrifft, darf nicht auf die Betriebe vergessen werden, die ihren Mitarbeitern dann Sonderurlaub gewähren müssen. Auch diese müssen Ersatzleistungen für die fehlende Arbeitskraft erhalten. Ansonsten könnte es bei einer Bewerbung bald heißen: 'Ah, Sie sind bei der Freiwilligen Feuerwehr. Das ist löblich, aber für unseren Betrieb sind Sie dann leider nicht geeignet'."
Wakolbinger plädiert zudem für einen hauptberuflichen Verantwortlichen für den Bezirk, der den Wehren verwaltungstechnisch unter die Arme greift – egal, ob es um Ausschreibungen oder Stellungnahmen geht.

Die Ulrichsberger hatten alle Hände voll zu tun.
Für die Florianis begann das Jahr einsatzreich.

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