Zwei Rohrbacher betauchten Schlachtschiffs-Wrack

Die Taucher durften das Schiff nur von außen betauchen.
8Bilder
  • Die Taucher durften das Schiff nur von außen betauchen.
  • Foto: Foto: Hess
  • hochgeladen von Karin Bayr

AUBERG, ROHRBACH-BERG. Fast auf den Tag genau 100 Jahre nach der Versenkung des Schlachtschiffs "SMS Szent Istvan der k.u.k. Kriegsmarine" in Kroatien, machten sich zwei Rohrbacher auf, das Schiffswrack zu betauchen. "Das Wrack liegt etwa acht Seemeilen südwestlich der Insel Premuda auf 66 Meter Tiefe. Es besteht dort normalerweise striktes Tauchverbot", berichtet Manfred Hess. Der Auberger war gemeinsam mit dem Rohrbach-Berger Thomas Pachner und dem Haider Jürgen Hanftaler unterwegs.

Ausnahmeregelung ermöglicht Tauchgang

Eine Ausnahmeregelung der kroatischen Regierung machte den Tauchgang möglich, allerdings durfte das Schiff nicht innen betaucht werden. Bei widrigsten Wetterbedingungen machte sich das Trimix-Tauchen-Austria Team mit sieben Slowenen und fünf Italienern mit dem Boot von Medulin aus auf den Weg nach Premuda. "Das Wetter war schlimm, meterhohe Wellen", berichtet Hess von der Anfahrt. Umso ergreifender war der Tauchgang selbst: "Wir haben eine Gedenktafel zum 100. Jahrestag des Untergangs am Schiffswrack, genauer an einem der beiden Ruderblätter, angebracht", berichtet er.

Zweiter Tauchgang möglich

Mehr Zeit gab es vorerst nicht, das 160 Meter lange Schiff, das kieloben auf dem Meeresgrund liegt, mit seiner gewaltigen Schiffsschraube unter Wasser zu begutachten. Am nächsten Tag folgte ein weiterer Tauchgang zur Szent Istvan. "Diesmal hatten wir mehr Zeit, die mächtigen Kanonen und auch die imposanten Fenster der Kapitänskajüte und die Schiffsschrauben genauer zu beobachten", berichtet Hess. "Ich bin stolz auf dieses Erlebnis, zumal die kroatische Regierung sicher nicht so schnell wieder eine Taucherlaubnis erteilen wird", sagt er.

Mehr als 50 Wracks betaucht

Insgesamt hat das Trio schon mehr als 50 interessante Schiffswracks betaucht. "Die beiden Tauchgänge zur Szent Istvan gehören sicher zu unseren spektakulärsten, wenn auch nicht tiefsten, die wir mittlerweile gemacht haben", erklärt Hess. "Es ist schon ein eigenes Gefühl, dort zu tauchen, wo etliche Menschen ums Leben gekommen sind und auch laut Berichten noch immer Leichen eingeschlossen sein dürften."

Obere Adria schon "abgegrast"

Die Wracks der oberen Adria hat Hess so ziemlich alle bereits mehrmals betaucht. Darunter eines der bekanntesten – die Baron Gautsch, die 1914 auf eine Mine aufgelaufen ist und vor Rovinj gesunken ist. "Die Tauchgänge an der Amoco Milford Haven vor Genua 2011 und 2014 sind mir besonders in Erinnerung geblieben. Es war das bisher größte von uns betauchte Wrack mit mehr als 330 Metern Länge", sagt der Tauchlehrer und Tauchabenteurer. Der Öltanker, der 1991 durch eine Explosion gesunken ist, liegt in einer Tiefe von 82 Metern.

Tauchen in Schottland

Eine der nächsten Tauchreisen wird das Trio wieder nach Scapa Flow in Schottland führen. Dort wurden am 21. Juni 1919 sieben Schiffen der kaiserlichen Hochseeflotte selbst versenkt. 2009 war man schon dort, 2019 – zum 100-jährigen Gedenktag – wollen die Wracktaucher nochmal wiederkehren. Aber vorerst will Manfred Hess im September in die Baja California reisen. "Das zählt weltweit zu den fischreichsten Gewässern mit den verschiedensten Haiarten. Und im Dezember geht's zum Höhlentauchen nach Mexiko", berichtet der Abenteurer über seine Pläne.

Zur Sache:
Die SMS Szent Istvan war ein Schlachtschiff der k.u.k. Kriegsmarine. Benannt war sie nach dem ungarischen Nationalheiligen, dem Hl. Stefan. Es ist 1914 vom Stapel gelaufen und war 161 Meter lang sowie 27,3 Meter breit. Bis zu 1.050 Mann Besatzung hatte darauf Platz. Das Schiff wurde am 10. Juni 1918 von Torpedos getroffen und sank um 6.05 Uhr. Die Verluste beliefen sich auf vier Offiziere und 85 Mannschaftsgrade, es gab 29 Verletzte.

Die gesamte Geschichte, warum das Schiff sank:
Am 27. Februar 1918 war Miklós Horthy zum Flottenkommandanten ernannt worden. Dieser beschloss, alle vier Dreadnoughts der Flotte im Rahmen einer großangelegten Marineaktion in der südlichen Adria einzusetzen, um die italienische Sperre der Meeresenge von Otranto zu durchbrechen. Am 8. Juni liefen die Viribus Unitis und die Prinz Eugen mit sieben Begleitfahrzeugen aus Pola aus, tags darauf folgten die Szent István unter Linienschiffskapitän Heinrich Seitz, der auch die Abteilung kommandierte, sowie die Tegetthoff.

Wenig Begleitschutz

Als Begleitschutz standen lediglich ein Zerstörer und sechs Torpedoboote zur Verfügung. Bis dahin hatte die Szent István 883 Tage ihrer insgesamt 937 Tage umfassenden Dienstzeit im Hafen gelegen, weswegen die Besatzung keinerlei Erfahrungen zur See sammeln konnte. Da aus Geheimhaltungsgründen die Mannschaft an der Hafenbarrikade nicht informiert war, konnte man nicht wie vorgesehen um 21 Uhr, sondern erst um 22:15 Uhr den Hafen verlassen. Um den Zeitverlust aufzuholen, ging das Schiff erstmals in seiner Dienstzeit auf Höchstgeschwindigkeit. Dies und die frisch gebunkerte, noch feuchte Kohle verursachten eine starke Rauchfahne.
 

Große Rauchfahne fiel auf

Bei der Insel Lutrošnjak nahe Premuda kamen die beiden italienischen Motortorpedoboote MAS 15 und MAS 21 unter dem Kommando des Korvettenkapitäns Luigi Rizzo von einer ereignislosen Patrouillenfahrt zurück. Rizzo bemerkte am 10. Juni um 3.15 Uhr in der ersten Morgendämmerung, von Norden kommend, eine große Rauchfahne. Im Schutze der Dunkelheit durchbrachen die Boote mit langsamer Fahrt den Geleitschutz. Die beiden Torpedos der MAS 15 trafen um etwa 3:30 Uhr die wegen eines Schadens am Hauptwellenlager nur noch 14 kn laufende Szent István aus etwa 600m an Steuerbord, während die der MAS 21 ihr Ziel verfehlten. Beide Boote konnten nach Ancona entkommen.
 

Wassereinbrüche am Schiff

Der erste Torpedo traf in der Höhe des Schotts zwischen den beiden Kesselräumen, der zweite in der Höhe des achteren Kesselraums. Es kam zu starken Wassereinbrüchen, woraufhin die Feuer der Kessel an der Steuerbordseite gelöscht werden mussten. Die Szent István steuerte mit einer Geschwindigkeit von 4,5 Knoten die Insel Molat an, da die zwei vorderen Kessel der Backbordseite weiterhin funktionierten. Die Tegetthoff versuchte dreimal, die Szent István in Schlepp zu nehmen, jedoch musste dies zweimal wegen falscher U-Boot-Warnungen abgebrochen werden. Beim dritten Versuch wurden die Taue wegen der Kentergefahr wieder gekappt. Als gegen halb sechs auch die letzten zwei Kessel wegen Explosionsgefahr gelöscht werden mussten und der Rumpf mehr als 30° Schlagseite hatte, war das Schiff verloren. Um 6.05 Uhr kenterte die Szent István und um 6.12 Uhr verschwand sie unter der Wasseroberfläche.

89 Tote bei Untergang

Die Verluste beliefen sich auf vier Offiziere und 85 Mannschaftsgrade, außerdem gab es 29 Verletzte. Nach dem Verlust des Schiffes wurde die gesamte Aktion gegen die Otranto-Sperre abgebrochen, da der wichtigste Bestandteil des Angriffes, der Überraschungsmoment nicht mehr gegeben war.


Anzeige
Husqvarna Akkugeräte testen und gewinnen!
10 16 3

Husqvarna Akku-Pakete gewinnen
Gewinnen Sie 1 von 50 Husqvarna Akku-Paketen!

Sie wollen effizient, komfortabel und ohne schädliche Abgase Ihren Rasen mähen? Dann nehmen Sie jetzt am großen Husqvarna Akku-Gewinnspiel teil. OÖ. Vom Laubbläser über die Kettensäge bis zum Rasenmäher: Das Ein-Akku-System von Husqvarna garantiert Ihnen volle Kompatibilität mit allen Husqvarna Geräten und bietet dabei die starke Leistung eines Benzingeräts. Das alles jedoch ohne schädliche Abgase und Motorengeräusche. Und auch die Lebensdauer kann sich sehen lassen: Das aktive Kühlsystem...

Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Aktuell

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!




Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen