Arnreiter fünf Monate im Dienst der EU

ARNREIT. Andreas Gahleitner aus Arnreit verbrachte fünf Monate in Brüssel als Praktikant in der Abteilung für EU Erweiterung.
Eine Leidenschaft für europäische Politik und Geschichte und Lust auf eine Auslandserfahrung waren die Gründe für Andreas Gahleitner, für seine Bewerbung bei der EU. Er befindet sich damit in Gesellschaft von mehr als 12.000 jungen Europäerinnen und Europäern, die sich jedes halbe Jahr für die 650 Praktikumsplätze bei der Kommission bewerben. „Als Österreicher hat man relativ gute Chancen", sagt Gahleitner. "Von den circa hundert Bewerbern haben es letztlich 14 geschafft.“ In den Krisenländern sieht das anders aus. Mehr als 2500 Italiener sowie 1250 Spanier haben dieses Jahr ihr Glück versucht.

„Ich habe an der Uni sehr viel zu Osteuropa und zum Balkan gemacht und wollte deshalb unbedingt in die Abteilung, die sich mit EU-Erweiterung beschäftigt“, erklärt der Arnreiter. Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt. Von März bis August arbeitete er an den Informationskampagnen der EU. „Hauptsächlich ging es natürlich darum, Kroatiens Beitritt am 1. Juli zu kommunizieren. Mein persönliches Highlight dabei war es, den Text für die Videobotschaften für den Kommissar für EU-Erweiterung, Stefan Füle, zu schreiben“. Kroatien war aber bei Weitem nicht alles. Mit dem Abkommen zwischen Serbien und Kosovo, Wahlen in Albanien, Mazedonien und Island und den Unruhen in der Türkei war in den Beitrittsländern einiges los.

Ein weiter Höhepunkt war ein Ausflug zur EU-Delegation in Belgrad. Durch eine Party für die anderen Praktikanten finanzierten die zwölf Praktikanten des General-Direktorats für Erweiterung, ihre Flüge nach Serbien, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. „Serbien ist momentan das dynamischste Land im Beitrittsprozess. Wir haben in Belgrad Vertreter der serbischen Regierung, der EU-Delegation, der OSCE und des Europarates getroffen und uns mit ihnen über die momentane Lage unterhalten“, sagt Gahleitner. Wenn die Aussöhnung mit dem Kosovo weiter gut voranschreitet, werden im Jänner voraussichtlich die Verhandlungen mit Serbien beginnen.
„Das Wort Verhandlungen ist dabei natürlich etwas irreführend“, erklärt der Arnreiter. „Das einzige, was wirklich verhandelt wird, ist, wann die EU Gesetze in den verschiedenen Politikbereichen, etwa Landwirtschaft, Energie oder Rechtsstaatlichkeit, in den Beitrittsländern umgesetzt werden. Die Regeln selbst sind nicht verhandelbar.“
Neben der Arbeit in der Kommission ist aber auch das Brüssel-Umfeld erwähnenswert. „Die belgische Hauptstadt ist geradezu ein Mikrokosmos, in dem sich viele politikinteressierte Europäer irgendwann wiederfinden. Die Hierarchien sind generell sehr flach. Fast überall spricht man sich mit Vornamen an und es ist nicht ungewöhnlich, bei einer Abendveranstaltung im Europaparlament oder beim Heurigen im „Wien Haus“ mit einem Abgeordneten ins Gespräch zu kommen.“ Das Ansehen der österreichischen Abgeordneten ist laut Andreas Gahleitner durchaus hoch. „Hannes Swoboda, der Klubchef der Europäischen Sozialdemokraten, und Otmar Karas, einer der Vizepräsidenten des Parlaments gehören zu den renommiertesten Politikern in Brüssel.“
Dass man über Europapolitik in österreichischen Medien leider nicht sehr viel und wenn, dann eher nichts Positives liest, liegt nach Gahleitners Meinung daran, dass sich Konflikte besser verkaufen. Europapolitik ist aber immer ein Kompromiss. Es geht darum Lösungen zu finden, die nicht jeden glücklich machen, aber mit denen jeder leben kann. „Es herrscht in vielen Bereichen de facto Einstimmigkeit und österreichische Minister haben bei fast allen Verordnungen irgendwann zugestimmt. Wenn sie dann später alle Schuld auf Brüssel schieben, anstatt zu erklären, was die Hintergründe für unpopuläre Entscheidungen waren, dann ist das nichts anderes als Kindesweglegung.“
Für Andreas Gahleitner ist die Zeit in Brüssel mit Ende des Praktikums noch nicht vorbei. Nach zwei Wochen Urlaub in Österreich und Rumänien wird er nach Brüssel zurückkehren.

Autor:

Evelyn Pirklbauer aus Rohrbach

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