Flüchtlinge als gute Mitarbeiter in der Gastronomie

Samir (Asylwerber in Lehre im Hotel Bergergut), Petra Wagner (Bezugsperson von Samir), Eva-Maria Pürmayer (Geschäftsführerin Hotel Bergergut) und Integrations-Landesrat Rudi Anschober, v. l.
  • Samir (Asylwerber in Lehre im Hotel Bergergut), Petra Wagner (Bezugsperson von Samir), Eva-Maria Pürmayer (Geschäftsführerin Hotel Bergergut) und Integrations-Landesrat Rudi Anschober, v. l.
  • Foto: Land OÖ
  • hochgeladen von Karin Bayr

BEZIRK. Immer dramatischer zeigt sich aber in den vergangenen Wochen auch die
Tatsache, dass in den Asyl-Bescheiden die geleistete Integration völlig
unzureichend gewertet wird. Beispiel sind die Fälle jener Familien, die aufgrund viel zu langer Verfahren oft fünf oder sogar mehr Jahre in den Gemeinden leben und dann trotz
hervorragender Integration abgeschoben werden. Das ist zuletzt in Pfarrkirchen
und in Walding und etlichen anderen Gemeinden geschehen.

Belohnung für Integration

Für eine stärkere Beachtung der Integration bei Bleibe-Entscheidungen setzt sich Landesrat Rudi Anschober ein: "Es kann nicht sein, dass die Integrationsarbeit von Lehrlingen und die Unterstützung ihrer Chefs nicht belohnt wird." Das sei demotivierend und entmutige alle, auch die engagierten Unternehmer/innen in Oberösterreich, die bereit wären, Lehrstellen anzubieten. "Es ist auch volkswirtschaftlich völlig kontraproduktiv, die Betroffenen aus ihrer Ausbildung zu reißen. Das schadet allen: den Betroffenen, den Unternehmen und unserer Wirtschaft und Gesellschaft", sagte Rudi Anschober. Er fordert daher ein Umdenken: "Wer sich gut integriert und umfassender Teil unserer Gesellschaft wird, soll belohnt werden." Den aktuellen Zuzug durch die "Flüchtlingswelle" sieht Eva-Maria Pürmayer vom Hotel Bergergut als Chance für viele Unternehmer. "In und mit unserer Branche Tourismus, Gastronomie & Hotellerie, die bekanntlich große Schwierigkeiten hat engagierte, gute Lehrlinge zu gewinnen, sehe ich das als große Chance", sagt sie.

Beispiel Samir in Afiesl

Samir (23) arbeitet im Haubenlokal Culinariat im Bergergut. Sein Betreuer-Team hat Eva-Maria Pürmayer angesprochen, ob sie nicht einen Lehrlinge, der um Asyl ansucht einstellen möge. "Bei einem Probetag hat Samir in unseren 2-Haubenküche durch seine handwerkliche und engagierte Leistung überzeugt. Samir hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem unserer besten Lehrlinge in der Küche entwickelt", sagt Pürmayer. Viel Zeit und Kosten wurden bereits in den ersten Monaten in seine Ausbildung investiert.

Aktuell hat Samir einen erstinstanzlichen ablehnenden Asylbescheid bekommen – die Beschwerde dagegen wurde eingebracht. "Samir ist das beste Beispiel von Integration. Ihn nach so kurzer Zeit und vor allem durch mangelnde und fehlerhafte Begründungen seitens des Staates Österreich innerhalb von 14 Tagen zu verlieren, ist menschlich sehr fragwürdig." Vor allem, weil der Staat ein paar Monate davor noch eingewilligt und das Arbeitsverhältnis gestattet hat. "Es stellt auch für das Unternehmen große und unnötige Herausforderungen dar", sagt Pürmayer.

Zur Sache:

Im Fall von Lehrling Samir, der in Altenberg lebt, ergaben sich einige Probleme:
• Als er mit der Lehre gestartet hat, viel er aus der Grundversorgung und hätte daher für sein Bett im Haselgraben etwa 400 Euro pro Monat zahlen müssen.
• Die nächste Hürde war das Jugend-Ticket. Ohne Familienbeihilfe kann man kein Jugendticket beantragen. Die einfache Busfahrt von Afiesl nach Linz kostet 19,20
Euro.
• Die Berufsschule ist eine große Herausforderung: 5 von 10 Fächern waren
schon positiv, die A1-Prüfung ist schon absolviert, demnächst folgt die A2-Prüfung. Landesrat Rudi Anschober will bei der nächsten Flüchtlingsreferent/innenkonferenz in vier Wochen eine entsprechende Initiative für eine stärkere Beachtung der geleisteten Integration starten und hoffe auf die Unterstützung der anderen Bundesländer."

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