23.10.2016, 23:37 Uhr

Öl – das tropfende Gold für uns Menschen

Geschäftsführerin Dipl. Ing. Theresa Koblmiller (Foto: Regionalsport.at)
Haslach an der Mühl: Ölmühle |

HASLACH eh. An einem verregneten Tag machen wir uns auf den Weg ins Mühlviertel (Oberösterreich). Hier finden sich sanfte Hügel, grüne Wiesen und sofort stellt sich ein Gefühl des Wohlbefindens ein. In Haslach dann, versteckt hinter dem großen Textilen Zentrum steht sie und arbeitet rund um die Uhr, das ganze Jahr lang. Klein und fein ist es hier. Alles wird von den vier Mitarbeitern noch händisch gemacht, sogar abgefüllt wird nicht maschinell. Ursprünglich soll es sein. Eine Vergrößerung wäre möglich aber das will sie nicht, die Geschäftsführerin Dipl. Ing. Theresa Koblmiller, mit der wir verabredet sind.


Der Empfang findet in einer wunderschönen alten Stube statt. Am Tisch steht Kaffee und Kostproben von Streichkäsen mit Leinöl. Die Zeit dreht sich hier an diesem Tisch zurück und zwar ganze 600 Jahre, denn seit über 600 Jahren wird hier in der Mühle Leinöl gepresst. Seit 300 Jahren wird sie von Familie Koblmiller betrieben. Erstmals erwähnt wurde die Mühle 1379, seit 1497 ist belegt, dass hier gepresst wird. Haslach ist ein bekannter Weberort. Früher besaß jeder Bauer einen Webstuhl und der Flachs wurde selber angebaut. Im Herbst kamen sie dann in die Mühle, um das Öl auszupressen. Damals wurde nur warmgepresst. Heute wird warm- und kaltgepresst.

Bei der Warmpressung wird der Leinsamen gemahlen und mit Wasser versetzt. Die Masse wird zu einem Teig geknetet und geröstet, bis das Wasser wieder verdunstet ist. Durch diese Röstung entsteht ein intensiverer Geschmack. Die Pressung findet mit einer hydraulischen Presse statt.
Bei der Kaltpressung wird mit einer Schneckenpresse gepresst. Grob gesagt, kann das mit einem Fleischwolf verglichen werden. Seit 40 Jahren wird in der Mühle kaltgepresstets Öl hergestellt, da es hochwertiger ist als warmgepresstes Öl.
Die Herstellung von kaltgepresstem Öl ist von Saat zu Saat verschieden, je nach dem, wie hoch der Ölgehalt ist. Leinsamen hat 40 Prozent Ölgehalt, es können 25 Prozent ausgepresst werden. Auf einen Liter Leinöl kommen circa vier Kilogramm Leinsamen. In 24 Stunden werden circa 80 Liter produziert. Das kaltgepresste Öl wird täglich frisch gepresst.

Das Öl in dir – die Wichtigkeit gesunden Öles im menschlichen Körper
Hier in Haslach entstehen Leinöl, Hanföl, Distelöl, Sesamöl, Mohnöl, Rapsöl und Sonnenblumenöl. Die Wertigkeit von Leinöl ist am höchsten, gefolgt vom Hanföl. Leinöl hat den höchsten Anteil an Omega 3 Fettsäuren, nämlich bis zu 60 Prozent (gut für unser Immunsystem, senken den Blutdruck, senken Cholesterin). Kein anderes Öl bekommt das hin. Beim Hanföl ist Anteil Omega 3 und Omega 6 Fettsäuren ausgewogen. Menschen die den Geschmack von Leinöl nicht mögen, kann empfohlen werden, das Öl in einen Fruchtsaft oder einen Aufstrich beizumengen, wobei das kaltgepresste Öl nicht mehr diesen intensiven Eigengeschmack hat. Lein- und Hanföl sollen dunkel und kühl gelagert werden. Spätestens nach dem Öffnen gehören sie in den Kühlschrank. Bei der Auslieferung werden die Händler angewiesen, dass diese Öle in die Kühlung gehören. Eine Lösung, dass gar nicht so viel Öl im Handel gelagert wird, ist mit Sicherheit die wöchentlich stattfindende Auslieferung frischer Öle an den Handel. Die anderen Öle der Ölmühle müssen nicht so sorgsam behandelt werden. Ein einfacher Tipp: Je mehr ungesättigte Fettsäuren ein Öl hat, umso empfindlicher ist es was vor allem Wärme betrifft.
Sesamöl kann zum braten verwendet werden, Distel- und Rapsöl können schonen erhitzt werden. Würde ein kaltgepresste Öl zum Braten verwendet werden, beginnt es zu rauchen und das Öl ist kaputt, hat keine Wirkung mehr. Mit kaltgepresstem Öl kann eine angerichtete Speise verfeinert werden. Das warmgepresste Öl wiederum kann zum Beispiel für Leinölerdäpfel verwendet werden. Das Mohnöl mit seinem intensiven Mohngeschmack, passt hervorragend zu Süssspeisen (Mohnudel, Ölkuchen).
Kokosöl könnte hier in Haslach produziert werden. Die Philosophie hinter der Mühle ist jedoch, Öle aus der Heimat und am besten aus der Region herzustellen.
Zu Öl verarbeitet werden bei jedem Öl die getrockneten und reinen Saaten. Die Mühle ist kein Biobetrieb, jedoch dürfen die Saaten nicht gespritzt sein. Die Saaten müssen vom Bauern mit einem Prüfbericht kommen. Proben werden zusätzlich genommen und an akkreditierte Institute geschickt. Die Samen kommen – bis auf den Sesam – aus Österreich. Leinsamen wird im Wald- und Weinviertel angebaut und in der Gegend um Ried. Hanf wird auch wieder vermehrt von einigen Bauern im Mühlviertel angebaut.
Die hier produzierten Öle können in ausgewählten Geschäften erworben werden, im Hofladen direkt gekauft werden oder sie werden versendet.
Jeder sollte für sich entscheiden, ob er importiertes Olivenöl kauft, wo wir doch in Österreich teils hochwertigere Öle haben und damit die eigene Wirtschaft beleben.


Tipps beim Einkauf:
-am hochwertigsten sind kaltgepresste Öle und die Erstpressung
-Kaltgepresste Öle nicht erhitzen
-Produkte verwenden, die heimisch sind und auch hier erzeugt werden

Fotos und Text: Regionalsport.at
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