01.12.2016, 10:52 Uhr

Trainingspausen schützen vor Ermüdungsbrücken

In der Regel heilen die Risse – so unangenehm sie auch sind – nach einer Erholungspause vollständig aus. (Foto: Foto: Fotolia/tinlinx)

Wenn müde Knochen nicht mehr können: Trainingspause durch Stressfraktur.

BEZIRK. In einer bewegungsarmen Zeit wie der heutigen lautet das Credo: Regelmäßiger Sport stärkt das Herzkreislaufsystem und tut dem Körper gut. Zu intensives und vor allem unausgewogenes Training stellt allerdings häufig eine große Herausforderung für den Organismus dar und kann zudem eine Überlastung des Knochens hervorrufen. Zusätzlich dazu erhöht ein Vitamin-D-Mangel, der im Herbst und Winter aufgrund der weniger intensiven Sonneneinstrahlung häufiger vorkommt, das Risiko, eine sogenannte Stressfraktur – auch bekannt als Ermüdungsbruch – zu erleiden.
„Im Regelfall passt sich der menschliche Knochen optimal an die individuelle Belastung an. Es kommt zu einer Verdickung an stärker belasteten Zonen, während weniger beanspruchte Knochenregionen abbauen“, weiß Hans Christoph Gröbner, Oberarzt an der Abteilung für Unfallchirurgie im Landes-Krankenhaus Rohrbach, „ein intensives, anhaltendes oder unausgewogenes Training sowie eine Überlastung an der immer gleichen Stelle kann dieses natürliche Gleichgewicht jedoch empfindlich stören.“ Gerade bei Sportarten mit großer Stoßbelastung auf hartem Untergrund – etwa dem Laufsport – sind Schienbein, Wadenbein oder Fußknochen, in selteneren Fällen auch Oberschenkel, Becken oder Wirbelkörper, immer wieder von einem Ermüdungsbruch betroffen.

Starke Schmerzen bei Belastung

Eine derartige Fraktur wird somit nicht durch äußere Gewalt verursacht. Sie macht sich bemerkbar mit einem plötzlich auftretenden Schmerz, der auch durch sorgsames Dehnen vor oder nach dem Sport nicht abklingt. Viele Betroffene klagen zudem über schleichende Schmerzen, die bei Belastung stark zunehmen.
„Bei einer Stressfraktur treten im Inneren des Knochens kleine Haarrisse auf. Diese sind in der Anfangsphase zumeist auf dem Röntgenbild nicht zu erkennen“, so der Mediziner, „wird das Training fortgesetzt, können sich diese feinen Risse bis zu einem Bruch an der Außenhaut des Knochens ausweiten.“

Hauptrisikofaktor Dauerbelastung

Wer also bei der sportlichen Ertüchtigung anhaltend unter Schmerzen in bestimmten Fußregionen leidet, kann sich durch eine entsprechende Untersuchung Gewissheit verschaffen. Die meisten Ermüdungsbrüche treten bei Hochleistungssportler/-innen und exzessiv trainierenden Personen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren auf. Aber auch Hobbysportler/-innen oder Personen mit einem auffallenden Vitamin D-Mangel können sich eine Stressfraktur zuziehen. Vor allem Frauen tragen – aufgrund hormoneller Umstellungen – ein erhöhtes Verletzungspotential. Zu den Risikofaktoren zählen zudem eine Fehlstellung der Füße sowie falsche oder stark mitgenommene Laufschuhe.

Pausieren als oberstes Gebot

Ein Ermüdungsbruch weitet sich nur sehr selten zu einem „richtigen“ Bruch aus. „In der Regel reicht es also aus, wenn die Patient/-innen die betroffene Stelle für einige Wochen schonen“, weiß Dr. Gröbner, „da gerade für Leistungssportler eine mehrwöchige Trainingspause sehr frustrierend ist, können alternativ andere Sportarten wie beispielsweise Schwimmen oder Radfahren in Betracht gezogen werden. Voraussetzung ist, dass die betroffene Knochenstelle nicht stark beansprucht wird.“ In der Regel heilen die Risse – so unangenehm sie auch sind – nach einer Erholungspause vollständig aus. Sobald bei Druck oder Belastung kein Schmerz mehr auftritt, ist der Knochen wieder vollständig einsatzbereit.
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