30.05.2017, 12:44 Uhr

Aufruf zur Bekanntgabe von Wachtelkönig-Beobachtungen

Rufendes Wachtelkönig-Männchen. (Foto: Foto: Norbert Pühringer)
LINZ, BEZIRK. Jetzt im Mai kommt der seltenste Wiesenvogel Oberösterreichs, der Wachtelkönig, aus seinen Winterquartieren in Afrika zurück. In den Bezirken Rohrbach und Urfahr-Umgebung sind neben der Region Freiwald die bedeutendsten Vorkommen Oberösterreichs zu finden. Wer Beobachtungen von diesen vorwiegend in der Nacht laut rufenden Vögeln bekanntgibt, hilft dem landesweiten Artenhilfsprogramm. Erste Meldungen für 2017 liegen aus Enns und Grieskirchen bereits vor. Der kaum verwechselbare, bis zu einem Kilometer weit hörbare Wachtelkönig-Gesang, kann auf der Projekt-Homepage verglichen werden. Landwirten, die Brutwiesen bewirtschaften, wird eine Entschädigung für verspätete Mahd zum Schutz der Gelege und Jungvögel von 630 Euro pro Hektar jährlich angeboten. Auf diesem Weg versucht die Naturschutzabteilung des Landes, gemeinsam mit den Nachbarländern, diesen europaweit bedrohten Vogel vor dem Aussterben zu bewahren.

Vorkommen in den Bezirken Rohrbach und Urfahr-Umgebung

In der Vorjahressaison 2016 wiesen die Wachtelkönige hier (neben der Region Freiwald) die bedeutendsten Brutvorkommen von ganz Oberösterreich auf, vor allem im Gebiet an der tschechischen Grenze. Doch auch abseits davon, etwa bei Lembach, konnten rufende Männchen gehört werden. Jedenfalls zählt die Region auch 2017 zum Hoffnungsgebiet für Vorkommen. Erfreulicher Weise war die Akzeptanz des Schutzprogramms durch die Landwirte im Bezirk Rohrbach bislang hoch. Auch heuer hofft der Projektverantwortliche Harald Pfleger (Enns, Nebelberg) auf rege Beteiligung durch Bevölkerung und Landwirte beim regionalen Artenhilfsprojekt.

Wie erkennen Sie Wachtelkönige?

Wachtelkönige können in Oberösterreich praktisch in allen Kulturlandschaften auftauchen, bevorzugt in Wiesen, gelegentlich auch in Getreidefeldern. Sie rufen dort von Anfang Mai bis Mitte Juli, vor allem in der Nacht und in den Dämmerungsstunden mitunter stundenlang ihr lautes, mechanisch klingendes zweisilbiges Crex-crex. Dies ist das Haupterkennungsmerkmal dieser tagsüber sehr versteckt in dichter Wiesenvegetation lebenden, etwa 25 Zentimeter großen hühnerähnlichen Vogelart, die aber zur Gruppe der Rallen gehört. Nur ausnahmsweise ist sie zu sehen, z. B. wenn sie bei Mäharbeiten mit hängenden Beinen auffliegt. Zum Unterschied ruft die zu ähnlichen Zeiten in Wiesen und Feldern aktive Wachtel rhythmisch etwa „pik tik tik“, das vom Erscheinungsbild nicht unähnliche, aber kaum nachtaktive Rebhuhn dagegen „kerrick“. Bei Unsicherheiten hinsichtlich der Rufe ist es ratsam, die Lautäußerungen ohne Betreten der Brutwiesen mit Handy oder Digitalkamera aufzunehmen und mit Wachtelkönig-Rufen auf der Seite https://naturundmensch.jimdo.com zu vergleichen.

Oberösterreichisches Artenschutzprogramm Wachtelkönig

Durch sein spätes Brüten in Wiesen von Mai bis August ist bei uns fast jede Wachtelkönig-Brut durch Mäharbeiten gefährdet. Oft werden die Brutwiesen von Jahr zu Jahr gewechselt. Das Schutzprogramm setzt sich deshalb aus drei Hauptaufgaben zusammen: Kontrollerhebungen der wichtigsten Brutgebiete, einjährige Förderangebote an Landwirte für eine verspätete Mahd ab 1. August und Betreuung der Mäharbeiten durch die Beauftragten. Die Fördermittel je Hektar betragen derzeit 630 Euro für den Ertragsentgang und Arbeitsmehraufwand. Seit Jahren finanziert das Land Oberösterreich/Naturschutzabteilung für diesen seltensten heimischen Wiesenvogel dieses spezielle Artenschutzprogramm. Die Zwischenerfolge sind ermutigend. Nach dem fast völligen Verschwinden der Art in den 1980er Jahren betragen die landesweiten Bestände in den letzten Jahren wieder zwischen 15 und 40 Paare. Auch in Bayern, Südböhmen und Niederösterreich laufen Schutzmaßnahmen für diese Vogelart.

Aufruf zur Bekanntgabe von Beobachtungen

Bitte geben Sie im Frühjahr und Sommer 2017 alle festgestellten Beobachtungen von Wachtelkönigen möglichst rasch telefonisch oder per Mail bekannt. Die Projektbeauftragten werden den Bewirtschaftern der Brutwiesen Schutzmaßnahmen auf völlig freiwilliger Basis anbieten. Kontakt: Harald Pfleger, Telefon: 0699/81683825; Mail: haraldpfleger@gmx.at
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.