13.03.2018, 08:20 Uhr

Bürgerinitiative in St. Martin wehrt sich gegen geplante Umwidmung

In Sachen neues Betriebsbaugebiet und Wohngebiet in St. Martin gehen die Wogen derzeit hoch.

In St. Martin formiert sich Widerstand gegen neue Bauparzellen, die der Vizebürgermeister in Allersdorf plant.

ST. MARTIN. St. Martins Vizebürgermeister Karl Leitner beabsichtigt, ein Areal in der Nähe des Lagerhauses – im Bereich der Ortschaft Allersdorf, nahe der B127 – in Mischbaugebiet umwidmen zu lassen. "Seit einem halben Jahr beschäftige ich mich mit dieser Idee. Nun sollen sich der Bauausschuss und der Gemeindevorstand damit befassen", sagt Leitner. Davon verspricht er sich, zu erfahren, ob seine Idee überhaupt Gefallen findet, oder nicht. Grundsätzlich ist er optimistisch, denn: "In St. Martin fehlen derzeit geeignete Baugründe und auch Gewerbegebiete", sagt der Vizebürgermeister.

Baugründe fehlen

Das bestätigt auch Bürgermeister Wolfgang Schirz. "Wir haben in Zentrumsnähe keine adäquaten Grundstücke mehr. Die sieben, die es noch gibt sind seit Jahren Ladenhüter", sagt Schirz. Einzig zwei Schwierigkeiten gäbe es laut Schirz in Allersdorf: Das Grundstück ist nicht im örtlichen Entwicklungskonzept ausgewiesen und die B127 ist in unmittelbarer Nähe. Von den Siedlungs-Plänen Leitners hat eine Bürgerinitative rund um Neos-Regionalkoordinator Martin Leibetseder Wind bekommen. Sie wehren sich nun vehement dagegen. Hinter Leibetseder stehen laut eigenen Angaben unabhängige Bürger, Bauern und Betriebe. Bürgermeister Schirz spricht von einer Handvoll Personen, die skeptisch seien. Mit ihnen habe er aber bereits gesprochen.

Fatale Optik

"Die Optik ist fatal. Wenn der Antragssteller für eine derartige Fläche von 25 bis 30 Baugründen gleichzeitig ÖVP-Vizebürgermeister, Gemeinderats- und Gemeindevorstandsmitglied und Ersatzmitglied im Bauausschuss ist, wirft das doch einige berechtigte Fragen auf", sagt Leibetseder. Er befürchtet neben einer teuren Zersiedelung einen wertvollen Verlust von Grünland für die Landwirtschaft sowie hohe Erschließungskosten für Infrastruktur. Dem Verlust von Grünland widerspricht Vizebürgermeister Leitner: "In St. Martin werden immer wieder Flächen frei, weil Landwirte aufhören."

Probleme programmiert

Durch das enge Nebeneinander der verschiedenen Widmungen seien laut Leibetseder Probleme für die benachbarte Landwirtschaft – Stichwort Gülleausbringung im Wohngebiet – vorprogrammiert. "Konflikte im Gewerbegebiet, das empire liegt unter anderem in unmittelbarer Nähe, sowie bei geplanten Betriebserweiterungen sind möglich", bedauert Leibetseder. Er sagt: "Im Wohngebiet hat die Wohnbevölkerung Vorrang. Das wird zu Konflikten führen."

Transparenter Prozess

Er und seine Mitstreiter stellen sich nicht grundsätzlich gegen Pläne zur Ortsentwicklung. "Ich wünsche mir einen nachhaltigeren und verantwortungsvolleren Umgang bei der Ortsentwicklung", sagt er. Es gäbe im Ort durchaus geeignetere Grundstücke, die sich als Bauland eignen würden. "Hierzu sollte man einen transparenten Prozess starten, der es allen Grundstückseigentümern mit Verkaufsbereitschaft ermöglicht ihre Absichten darzulegen", schreibt Martin Leibetseder in einen Brief an alle Gemeinderäte.

Schlecht informiert

Er kritisiert vor allem, wie der Prozess abläuft. Weder Anrainer noch Gemeideräte wurden bisher informiert. "Alles läuft im Dunkeln ab und dann werden alle vor vollendete Tatsachen gestellt", sagt Leibetseder. Dem entgegnet Vizebürgermeister Leitner, dass er bereits mit drei Nachbarn gesprochen und deren Bedenken angehört hätte. Bürgermeister Schirz sagt dazu: "Das sind alles erst Überlegungen. Es gibt noch kein konkretes Projekt, wir stehen erst am Anfang." Daher habe es auch noch nichts zu informieren gegeben. "Es ist noch kein Antrag auf Umwidmung von Herrn Leitner am Gemeindeamt eingegangen", sagte Schirz im Hinblick auf die Information der Gemeinderäte.

Termin bei Strugl

Leibetseder stößt außerdem sauer auf, dass der Bürgermeister sich in dieser Causa gleich an Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Strugl gewandt hätte: "Man hat bei der obersten Stelle interveniert, um das Projekt zu ermöglichen", behauptet Leibetseder. In einem Brief hat der Neos-Regionalkoordinator auch seine Einwände an Michael Strugl geschickt und um eine Stellungnahme gebeten. Leibetseder will mit seinem Widerstand einen Entscheidungs-Schnellschuss verhindern. "Diese Pläne könnte uns in Zukunft teuer zu stehen kommen." Die Zeit dränge überhaupt nicht, meint der Bürgermeister. Seitens der Gemeinde wurde ein Notar beauftragt, ein Kaufangebot für das besagte Grundstück zu erstellen. Am Mittwoch lädt der Bürgermeister zu einem klärenden Gespräch mit den Betroffenen. Denn sollte das Projekt realisiert werden, "wird das, wie bisher in der Gemeinde üblich, im engen Einvernehmen mit den Anrainern passieren", sagt Schirz.
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