04.10.2017, 11:57 Uhr

Das "Griss" um die Lehrlinge

Lukas Beißmann und Marcel Großhaupt besuchen das Poly in Rohrbach und suchen den passenden Beruf. (Foto: Alfred Hofer)

Immer weniger Lehrlinge und sinkende Zahl an Ausbildungsbetrieben führen dazu, dass Fachkräfte fehlen.

BEZIRK (bayr). Im Bezirk Rohrbach kann man 75 verschiedene Berufe erlernen. Derzeit bilden 274 Betriebe Lehrlinge aus. Die Zahl der Ausbildungsbetriebe ist Jahr für Jahr rückläufig. "In den letzten drei Jahren sind es um 21 Lehrbetriebe weniger geworden", sagt Klaus Grad, Bezirksstellenleiter der WKO. Das Arbeitsplatzangebot im Bezirk steigt ständig durch kräftige Investitionen der Unternehmen. Daher ist es prekär, wenn immer weniger Firmen sich die Fachkräfte von morgen selber ausbilden.

Konkurrent Schule

Spürbar rückläufig ist auch die Zahl der Lehrlinge. 2013 waren 926 im Bezirk in Ausbildung, heuer sind es 797. Der Grund dafür ist ein demografischer: "Wir durchlaufen gerade die Talsohle der geburtenschwachen Jahrgänge, in den nächsten Jahren wird sich das wieder bessern", sagt Klaus Grad. Größte Konkurrenten im Kampf um die Lehrlinge sind für die Betriebe die Schulen. "Daher wird es künftig eine noch größere Herausforderung für Firmen, sich als Lehrbetrieb attraktiv zu machen", sagt Grad. Gutes Employer Branding sieht auch Michaela Billinger vom AMS Rohrbach als enorm wichtig. "Lehrstellensuchende können sich derzeit den Arbeitgeber aussuchen. Da ist die Gefahr groß, dass viele gute Lehrlinge in den Zentralraum auspendeln, wo sie stark umworben und mit Zusatzangeboten angelockt werden", sagt sie. Eine Möglichkeit für heimische Betriebe, sich vorzustellen, bietet der Berufserlebnistag im Centro Rohrbach-Berg (siehe Zur-Sache rechts) am 24. November.

Lehre mit Matura

Ein Zusatzzuckerl für Lehrlinge ist das Angebot der Lehre mit Matura. Die Kurse dafür sind kostenlos. "Wir würden uns wünschen, dass noch mehr Lehrlinge nicht nur mit der Berufsmatura starten, sondern sie auch fertig machen", sagt Grad. Der Bezirk Rohrbach liegt im oberösterreichweiten Vergleich an zweiter Stelle (hinter Linz), wenn es um berufliche Integration von Asylwerbern geht. "30 Personen konnten wir bereits erfolgreich in eine Lehrstelle vermitteln", sagt Billinger, "vor allem in der Gastro."

Metall/Einzelhandel beliebt

Die beliebtesten Berufe bei den Burschen im Bezirk Rohrbach sind über Jahre konstant geblieben: Es sind Metalltechniker, Kfz-Techniker und Maurer. "Die größten Probleme, Lehrlinge zu finden, haben die Gastronomie und Hotellerie", sagt Michaela Billinger, Leiterin des AMS Rohrbach. Dieser Beruf liegt auf der Beliebtheitsskala weit hinten. Bei den Mädchen gehören Einzelhandelskauffrau und Bürokauffrau zu den beliebtesten Berufen des Bezirks.

Zur Sache:
Die Wirtschaftskammer und das AMS setzen Impulse, um der Lehre ein besseres Image zu verschaffen.
Rohrbach-Berg: Für Asylwerber finden am 2. und 3. November in der Bezirkshauptmannschaft die Werte- und Orientierungstage statt. Ziel ist es, versteckte Talente aufzudecken und ihnen Lehrstellen zu vermitteln. Am 14. und 15. November findet dieser Kurs im Poly-Rohrbach bei den Praxistagen eine Fortsetzung.
Rohrbach-Berg: Am Freitag, 24. November, findet von 16 bis 20 Uhr im Centro der Berufserlebnistag "Fahr nicht fort, lern im Ort" statt. Bei dieser Messe präsentieren sich Firmen im Bezirk mit ihrem vielfältigen Lehrstellenangebot. Heuer gibt es erstmals auch zwei Vorträge: "Mein Weg zum Traumberuf" und "Lehre mit Matura".
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