21.06.2017, 07:54 Uhr

Entwicklungshilfe in Afrika braucht Fingerspitzengefühl

Saria Amillen Anderson und Franz Hehenberger bei einem Regenwassertank einer Schule im Distrikt Butiama.

Franz Hehenberger aus St. Peter arbeitet bei "Sei so frei". In Tansania hat man schon Großartiges erreicht, aber es gibt noch viel zu tun.

ST. PETER, TANSANIA (bayr). Franz Hehenberger ist seit 25 Jahren in der Entwicklungshilfe tätig. In der NGO-Organisation "Sei so frei" ist er für Projekte in Guatemala, Tansania und Uganda verantwortlich. "Als ,Landbamarantschn' bin ich 1993 zum ersten Mal nach Nicaragua gekommen", erinnert sich der Petringer Familienvater an die Anfänge. Seither ist er viel gereist und hat Projekte initiiert. Er weiß, dass die Welt nicht einfach im Vorbeigehen gerettet werden kann. Dennoch sind es viele Tropfen auf den heißen Stein, die den Menschen in Afrika Hoffnung geben. In Tansania läuft seit dem Jahr 2000 ein Projekt, das vielversprechend ist. Wasserknappheit und fehlender Regen sind die größten Probleme in der Mara-Region. Im April hat es zum letzten Mal ein wenig geregnet, vorher zwölf Monate überhaupt nicht. Vor allem dem Mais setzt die Dürre kräftig zu. Überall stehen verdorrte Pflanzen auf den Feldern.

Es mangelt an Landbau-Wissen

Zusätzlich fehlen Geräte für die Landwirtschaft und Wissen, wie man nachhaltig die Felder bestellt. "Wir zeigen den Menschen die Wege, gehen müssen sie selber", erklärt Franz Hehenberger seinen Ansatz. Projekte werden über Jahre begleitet durch Saria Amillen Anderson, die für die Organisation GGF (Grain to Grow Foundation) vor Ort tätig ist. "Wir helfen dort, wo Mut zur Veränderung da ist und wo ein Dorf bereit ist, zusammenzuarbeiten. Vielfach sind Frauen die treibenden Kräfte", berichtet Hehenberger.

Erfolge ziehen Kreise

Schafft es ein Dorf, die Lebensbedingungen zu verbessern, spricht sich das herum und auch andere Ortschaften sind für Veränderungen bereit. "In 16 Jahren ist es gelungen, dass 100.000 Menschen ein besseres Leben haben", berichtet Hehenberger. "Mit einem Schlag geht das nicht. Es dauert oft Jahre, um Traditionen zu verändern." Stolz ist er auch darauf, dass in sieben von 13 Dörfern, in denen zuvor die Beschneidungen von Mädchen üblich waren, jetzt keine Genitalverstümmelungen mehr praktiziert werden. Wo es einst verpönt war, dass Männer auf dem Feld mitarbeiten, hilft man jetzt zusammen und fährt eine dementsprechend bessere Ernte ein. Eigenverantwortung übernehmen die Menschen auch im Dorf Bukoba, wo ein Brunnen gebohrt wurde. Sie haben gelernt, ihn zu warten und darauf acht zu geben.

NGOs besser vernetzen

"Leider passieren in der Entwicklungshilfe immer wieder große Fehler. Wir wollen sie vermeiden, indem unsere Projekte langfristig angelegt sind", sagt Franz Hehenberger. Er will andere Hilfsorganisationen nicht in die Pfanne hauen, plädiert aber für eine bessere Vernetzung untereinander. Hehenberger selbst erkennt durch jahrelange Berufserfahrung, was in Afrika gut gemeint, aber letztlich sinnlos ist: "Traktoren zum Beispiel. Sie können vor Ort nicht genutzt werden, weil schlicht und einfach das Geld für den Sprit fehlt. Oder Schulen, die jetzt leerstehen. Sie wurden gebaut, ohne sicherzustellen, dass es auch Lehrer gibt, die bezahlt werden können."

Hilfe geht weiter

2016 hat man gemeinsam mit dem Lions Club International in einem weiteren Distrikt der Mara-Region mit Projekten gestartet. Damit soll weiteren 3.600 Haushalten geholfen werden. Investiert wird in folgende Projekte: heimische Saatzucht, Nahrungsmittelsicherheit, Arbeitsgeräte, Agrarwissen, Wiederaufforstung, Regenwassertanks und Bildungsinitiativen und Imkerei.
"Wir müssen versuchen, die Menschen noch stärker dazu zu bewegen, sich der neuen Situation, bedingt durch die Klimaveränderung, anzupassen", erklärt Hehenberger. Er scheut auch nicht davor zurück, in den Dörfern kritisch Denkanstöße zu geben, um die Traditionen aufzubrechen.

Traditionen ändern

"Anstelle der Rinder- wäre zum Beispiel Ziegenzucht sinnvoller. Ziegen kommen mit dürrerem Gras aus, sie brauche für Jungtiere weniger Milch, es bleibt für die Menschen selber mehr", sagt Hehenberger.


Zur Sache:

Eine NGO

(=Non Governmental Organisation) ist eine private, unabhängige, nicht gewinnorientierte Organisation, die einen sozialen oder gesellschaftspolitischen Zweck verfolgt.

Sei so frei

ist eine Organisation der Katholischen Männerbewegung mit Sitz in Linz. Geschäftsführer ist Franz Hehenberger
GGF (=Grain to Grow Foundation; Korn zum Wachsen, wörtlich) mit Sitz in Musoma (Tansania), Geschäftsführerin ist Saria Amillen Anderson.

Lions Club International:

ist weltweit die größte NGO-Organisation. In Österreich ist sie in drei Distrikte aufgeteilt: Distirkt West (Salzburg, Kärnten, Tirol, Vorarlberg), Distrikt Mitte (Oberösterreich, Steiermark) und Distrikt Ost (Wien, Niederösterreich und Burgenland). Die Hauptzielsetzungen der Lions auf der ganzen Welt sind die Unterstützung von: sozial Schwachen, Kranken/Behinderten, Unterstützung der Jugend und Katastrophenhilfe – lokal/international.
2016 haben die Lions Österreich mit 6 Millionen Euro geholfen.

Wenn Sie für das Projekt spenden möchten:
Lions Clubs International D 114 Mitte
Projekt „Land zum Leben“
IBAN AT68 1200 0515 6410 0909

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