31.10.2017, 12:31 Uhr

Exponate aus der Heimatstube ziehen nach St. Pölten

Die Eisenteile der Turmuhr wurden einst ausgegraben und wieder zusammengesetzt.

Zwei Ausstellungsstücke werden für zwei Jahre an das "Haus der Geschichte" verliehen.

ST. OSWALD. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge sehen die Betreuer der Deutsch Reichenauer Heimatstube in St. Oswald, Fritz Bertlwieser und Anton Bauer die Tatsache, dass zwei wichtige Exponate und zugleich Blickfänge für zwei Jahre nicht mehr zu sehen sind. Von August 2017 bis August 2019 sind sie im „Haus der Geschichte“ im „Museum Niederösterreich“ in St. Pölten ausgestellt. Das Ziffernblatt der Turmuhr der gesprengten Pfarrkirche Deutsch-Reichenau, dessen verbogenen Eisenteile nach der Wende aus dem Schutthügel geborgen und wieder zusammengeschweißt wurden, wird verliehen.

Durchlöcherte Turmkugel

Das zweite Exponat ist die durchlöcherte Turmkugel der ehemaligen Deutsch Reichenauer Filialkirche St. Thoma. "Diese Kirche blieb nur deshalb vor der Sprengung verschont, weil sie dem tschechischen Militär als Lager für Heu und Stroh für die Militärpferde sowie als Stall dienen musste", weiß Fritz Bertlwieser. "Ab den 1960er Jahren wurde dann die Turmkugel von tschechischen Soldaten als Ziel für Schießübungen verwendet. Da die untere wie die obere Hälfte der Turmkugel sowohl unzählige Einschuss- wie Austrittslöcher aufweisen, ist anzunehmen, dass die Soldaten sowohl von unten hinaufgeschossen haben, als auch vom höhergelegenen Radarturm neben der Ruine Wittinghausen auf die Turmkugel hinuntergeschossen haben."

Wichtige Zeugnisse

"Diese beiden Exponate sind wichtige zeitgeschichtliche Zeugnisse für den gottlosen Umgang mit religiösen Symbolen während der kommunistischen Zeit, in der ja in der Pfarre Deutsch Reichenau auch sämtliche Dorfkapellen, Marterl und Wegkreuze zerstört worden waren", erklärt Fritz Bertlwieser. Obwohl ihm das Fehlen der beiden Exponate als Blickfänge schon etwas schmerzt, so ist er doch stolz darauf, dass sie nach der Landesausstellung 2013 in Freistadt nun schon zum zweiten Mal für eine große Ausstellung angefordert wurden. Damit dringt die Thematik der zerstörten Böhmerwalddörfer ins Bewusstsein der Museumsbesucher, aber auch der Ort St. Oswald bei Haslach wird einem breiten Publikum bekannt.
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