21.03.2017, 09:25 Uhr

Klimawandel setzt der Fichte stark zu

Michael Gschwentner setzt bei bei der Versuchsfläche der Forst- und Gutsverwaltung in Marsbach auch auf die Douglasie.

Am 21. März war Tag des Waldes. "Der Mischwald ist der Wald der Zukunft", sagt Bezirksförster Fartacek.

BEZIRK (hed). Österreichs wichtigstes Nadelholz, die Fichte, hält dem Klimawandel am schlechtesten stand, warnen Forstexperten. Sie ist insbesondere in tieferen Lagen gefährdet. „Betroffen sind auch die Fichten im Bezirk, vor allem die Verbreitungsgebiete im Süden unter 200 bis 300 Höhenmeter“, erklärt Bezirksförster Rupert Fartacek.

Trockene Sommer: Problem

Die zunehmend trockenen Sommer schwächen die Fichte besonders an Standorten mit trockenen und seichten Böden. Weil die Temperaturen immer stärker steigen, kommt es zu einem verstärkten Borkenkäferbefall mit mehreren Zyklen. „Auch Witterungsextreme wie Gewitterstürme treten bei uns häufiger auf, zum Beispiel im Juni 2016. Auch hier waren Fichten-Reinkulturen besonders massiv betroffen“, berichtet der Forstmann.
„Im Wald der Zukunft wird die Fichte in unseren Breiten unter 600 Höhenmeter nur mehr eine untergeordnete Rolle spielen. Aber auch in Seehöhen von 600 bis 800 Metern werden fichtenreiche Bestände zunehmend instabiler“, sagt Fartacek. Wegen des langen Produktionszeitraumes von 70 bis 100 Jahren sollte schon jetzt bei Aufforstungen der Klimawandel entsprechend berücksichtigt werden, raten Forstexperten. „Der Mischwald ist der Wald der Zukunft“, behauptet Fartacek. „Die Baumarten sollten gruppenweise gemischt werden und mindestens vier verschiedene Arten beinhalten“.

Douglasie statt Fichte

Bei den Laubbäumen werden der Bergahorn, aber auch die Roteiche sowie in tiefen Lagen die Buche empfohlen. Die Fichte wird durch resistentere Arten wie die Douglasie ersetzt. „Diese Baumart ist für unsere Böden interessant und resistenter gegen Trockenheit", erklärt Fartacek, "sie verträgt sich auch gut mit Tanne und Fichte.“ Diese Erfahrung teilt auch der Forst- und Gutsverwalter des Schlosses Marsbach, Michael Gschwentner. Hier betreibt der Besitzer Georg Stradiot seit 2006 zusammen mit dem Landesforstdienst Oberösterreich unter der Leitung von Christoph Jasser auf einer Versuchsfläche von 4,5 Hektar eine Wiederaufforstung.

Jetzt auf Klimawandel achten

„Unser Ziel ist es, Alternativen bei Aufforstungen zur Fichte im Hinblick auf die Klimaveränderungen zu finden“, erklärt Gschwentner. Der ursprüngliche Bestand enthielt auch hier großteils Fichten, welche verstärkt dem Borkenkäfer, der Rotfäule und dem Sturm "Kyrill" zum Opfer gefallen sind. Laut Experten werden in den Wäldern der Zukunft neben der Douglasie zudem Tanne und Lärche als Nadelbäume Verbreitung finden. Das glaubt auch Gschwentner.

Zur Sache:

Der Forstdienst der BH Rohrbach berät bei Wiederaufforstung von Waldflächen und über mögliche Fördermaßnahmen. Terminvereinbarung: 07289/8851/461. Gefördert wird ab 1.000 m² Wirtschaftswald. Je mehr Mischwaldarten, desto höher die Förderung.

Tipps für die Aufforstung:
Die Baumarten sollten gruppenweise gemischt werden und mindestens vier Baumarten beinhalten.
Die Größe einer Gruppe sollte mindestens 250 m² erreichen, aber 2.000 m² nicht überschreiten, da dann die negativen Effekte von Monokulturen auftreten.
Herkunft des Saatgutes unbedingt beachten:
www.herkunftsberatung.at
Lieber weniger Bäume setzen, dafür mit höherer Qualität.
Die Setzlinge beim Transport nicht der Sonne aussetzen, zum Lagern in die Erde, nicht in den Grander geben.
(Quelle: Bezirksforstdienst und Broschüre: „Baumartenwahl im Mühlviertel“; Land O.Ö.)
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Annika Höller aus Rohrbach | 21.03.2017 | 09:26   Melden
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