20.10.2017, 11:11 Uhr

Der türkiseste Bezirk im Nationalrat geht leer aus

Die ÖVP-Kandidaten aus Rohrbach. Im gemeinsamen Kampf um ein Mandat für Scheiblberger sind zwei Kandidaten aus dem Rahmen gefallen.

Dass der "Mitterlehner-Bezirk", der türkiseste Bezirk des Landes, ohne Mandat da steht, ist von der ÖVP selbst verschuldet.

BEZIRK. Für ÖVP-Kandidatin Gertraud Scheiblberger ist seit dieser Woche klar: Sie wird nicht als Nationalrätin nach Wien geschickt. Die Rohrbacher Spitzenkandidatin hat zu wenige Vorzugsstimmen erhalten. "Ich freue mich über die 4.110 Stimmen für mich, aber ich bin enttäuscht, dass wir es nicht geschafft haben, im Bezirk unsere Kräfte zu bündeln", sagt Scheiblberger. "Der Einzug wäre wirklich möglich gewesen, wir haben es selbst vergeigt", resümiert sie, nachdem sie beim Bergsteigen am Mittwoch Abstand zum Wahlkampf gewonnen hat. Der Wahlkampf selbst hat ihr viel Freude bereitet. "Ich hatte viele schöne Erlebnisse, positive Rückmeldungen und Unterstützung", sagt sie.

Bünde kosten Stimmen

Anstatt alle ÖVP-Wähler zu mobilisieren, Scheiblberger eine Vorzugsstimme zu geben, hat es parteiintern im Bezirk eigene Wahlkämpfe gegeben. Scheiblberger musste gegegen Gegenströme und Teilorganisationen ankämpfen und war chancenlos. Wirtschaftsbund-Kandidat Manuel Krenn und JVP-Kandidat Patrick Steidl zum Beispiel, haben gemeinsam im Wahlkreis Mühlviertel fast 1.300 Stimmen geholt. Vorzugsstimmen, die Scheiblberger fehlen. Auch das massive Werben Prinz' als Perger Bauernbund-Kandidat mit einem Rundschreiben im Bezirk Rohrbach verärgert Scheiblberger: "Gerade, weil mir im Wahlkampf Fairness immer sehr wichtig war."

Rohrbach geht leer aus

Für den schwärzesten bzw. türkisesten Bezirk des Landes ist es kein Ruhmesblatt, dass man künftig niemanden im Nationalrat sitzen hat. "Ärgerlich ist, dass in allen anderen Bezirken des Mühlviertels ÖVPler ein Mandat haben, nur inRohrbach nicht", sagt Scheiblberger. Urfahr-Umgebung hat mit Michael Hammer (hatte die meisten Vorzugsstimmen) und Claudia Plakolm sogar zwei. In Freistadt zieht Johanna Jachs, dank der zweitmeisten Vorzugsstimmen (5.363)  im Wahlkreis ins Parlament ein, in Perg Nikolaus Prinz – über die Landesliste – weil er auf der Wahlkreisliste, ebenso wie Scheiblberger, von Jachs verdrängt wurde. "Es ist eine große Enttäuschung, dass wir das Mitterlehner-Mandat nicht mehr erreicht haben", sagt Bezirksparteiobmann Georg Ecker. Man werde über politische Entscheidungen in Wien künftig nicht mehr so gut informiert sein, aber: "Eine Partei oder ein Bezirk ist nur so stark, wie der Zusammenhalt ist. Das ist uns dieses Mal nicht gelungen", sagt Ecker.

Zur Sache:
Die Vorzugsstimmenhürde lag im Wahlkreis Mühlviertel bei 4.847 Stimmen. Nikolaus Prinz hat in Rohrbach 316 erhalten, Michael Hammer 334. Im Wahlkreis Mühlviertel eroberte Michael Hammer die meisten: 5.952, Nikolaus Prinz kommt auf 5.058 Stimmen.
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