26.01.2012, 11:23 Uhr

Mühlviertler vernetzen sich jetzt zu einer Plattform

Federführend: Carlos Keck (l.) und Michael Ecker. (Foto: privat)

Wieder zurück zum Regionalen, ist das Motto von „Wir Mühlviertler“

Aus Unzufriedenheit mit Politik und Wirtschaft haben sich über 50 Leute aus dem Mühlviertel zusammengeschlossen. Mit der „Wir Mühlviertler“-Bewegung wollen sie gemeinsam stark und unabhängig werden.
MUEHLVIERTEL/OTTENSCHLAG (hib). „Wir Mühlviertler übernehmen Selbstverantwortung“, sagt Carlos Keck aus Ottenschlag. „Wir wollen weg vom Globalen und wieder hin zum Regionalen.“ Bei Veranstaltungen auf seinem Bio-Roadlhof in Wintersdorf hat sich in den letzten zwei Jahren eine Gruppe von Leuten zusammengefunden, die eines gemeinsam haben: Sie wollen unabhängig vom wirtschaftlichen System werden, die Kaufkraft im Mühlviertel halten, der „Fehlentwicklung“ des politischen Systems entgegenwirken und den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken. In Arbeitsgruppen bauten sie ihre Ideen und Vorstellungen aus. Im Juli 2011 gab es bereits die erste kleine Veranstaltung, Mitte November waren bereits 170 Interessierte aus dem ganzen Mühlviertel zu Gast. Der Gedanke von „Wir Mühlviertler“ soll jedoch nicht nur in der Region bleiben. „Unser Ziel ist ein überregionaler und auch internationaler Marktplatz und Austausch mit anderen Bewegungen“, sagt Michael Ecker aus Hellmonsödt.
Für Ecker und Keck dienen die derzeitigen Politiker nicht mehr dem Volk, sondern Brüssel und den Lobbyisten. „Unsere Wahlstimmen werden sprichwörtlich in der Wahlurne begraben“, so Carlos Keck. Für beide ist der Wirtschaftsraum der Europäischen Union nicht mehr zu retten. „Das Zinseszinssystem wird kollabieren. Derzeit spielen wir Monopoly“, sagt Ecker. Kritik äußert die „Wir Mühlviertler“-Bewegung auch gegenüber der Schere der Einkommen. Sie wollen ein gerechteres System – frei von Parteien und Religionen.

Im Februar soll gestartet werden
In zirka drei Wochen wird es die Gründungsveranstaltung für eine Bürgerbeteiligungsgenossenschaft geben. Das Geld einer Beteiligung wird zum Beispiel in hochwertiges, biologisches Saatgut, eigene Milchverarbeitungsbetriebe, Gemüsevermarktung, neue Energietechnik und einen regionalen Marktplatz investiert. Dadurch soll das Geld der Region zu Gute kommen und nicht „durch Spekulationen der Banken rund um den Globus verpuffen“, sagt Ecker. Ein zeit- und leistungsgedeckter Wertgutschein – der „Mühlviertler“ – soll eingeführt werden. Dieser ist zinslos und wird erschaffen durch Erbringen einer Leistung. Jedem Wertschein steht eine zeitgedeckte Leistung gegenüber. Das heißt: Man tauscht heute den Euro in „Mühlviertler“ und erhält auch noch in einem Jahr für den gleichen „Mühlviertler“-Betrag die gleiche Menge an Gemüse, Brot oder Dienstleistung.
Altes naturgerechtes Wissen soll wieder bereit stehen und nicht verloren gehen. Der Bauer soll wieder direkt mit dem Konsumenten verbunden sein. Lange Transportwege und Zwischenhändler sollen wegfallen. Eine Plattform soll es ermöglichen, Waren und Dienstleistungen auszutauschen. Gesunde Lebensmittel, Pflegedienste, Handwerkskunst, Kinderdienst, Kleidung soll im und vom Mühlviertel angeboten werden. Bezahlt kann mit dem „Mühlviertler“ und in Euro werden.
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Karl Adlberger aus Steyr & Steyr Land | 05.02.2012 | 19:22   Melden
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