02.10.2014, 17:44 Uhr

Adlerblut

Im jugendlichen Alter von 24 Jahren packte den Mistlberger Erwin Auer das Flugfieber. Jetzt ist er bereits ein erfahrener und erfolgreicher Akrobat in den Lüften. Im Juni gelang ihm ein Rekord, ein Weitflug ohne Motor von Hohenbogen (bayerisch-tschechische Grenze) bis zum Bodensee.
Regionaut Ignaz Märzinger stellte Erwin Auer einige Fragen zu seinem Hobby:

Redaktion: Du warst relativ jung, als dich das Fieber des Gleitschirmsports packte. Wie kamst du dazu?
Erwin Auer: Mein Bruder Franz und ich interessierten uns für diesen Sport und machten 1989 in Micheldorf die Gleitschirmausbildung. Diese Sportart war damals noch sehr jung.
Redaktion: Kann sich jemand einfach einen Gleitschrirm zulegen und dann losfliegen. Welche Ausbildung braucht man als Gleitschirmpilot?
Erwin Auer: Nach der Grundausbildung bekommt man den L-Schein. Damit darf man unter Aufsicht einer Flugschule in die Luft gehen. Weiter geht es mit der Ausbildung zum A-Schein. Damit darf man dann selbstständig im Bereich des Flugberges fliegen. Mit dem B-Schein darf man auch Langstrecken in Angriff nehmen. Schließlich kann man auch eine Zusatzprüfung machen, damit man einen Motor verwenden darf.
Redaktion: Wie trägt der Schirm den Piloten eingentlich in der Luft. Welche Kräfte kommen da ins Spiel?
Erwin Auer: Zum Wegfliegen benötigt man zuerst einmal einen Berg. Wenn dann noch günstiger Aufwind herrscht, ist ein längerer Flug gewährleistet. Durch die große Oberfläche des Gleitschirms (ca. 25 - 30 m²) und der Vorwärtsbewegung des Fluggerätes trägt die Luft. Zusätzlich nützen wir die sog. Thermik, das sind Warmluftblasen, die vom Boden aufsteigen, zum Höhemachen. Die Kunst des Piloten ist, diese Blasen zu finden. Unser Lehrmeister ist der Adler.
Redaktion: Gibt es beim Gleitschirmfliegen Situationen, wo man im Nachhinein sagt, Glück gehabt?
Erwin Auer: Solche gibt es immer wieder. Es kommt auf Vorbereitung, Training und Erfahrung an. Dass der Schirm in der Luft einmal zusammenklappt, passiert den erfahrensten Piloten. Es kommt dann darauf an, dass man ruhig bleibt und das richtige Manöver einleitet. Solche Szenarien kann man gut über stehenden Gewässern üben.
Redaktion: Man liest relativ oft, dass es beim Paragleiten zu Unfällen kommt. Wo liegen da die Fehler und spürst du manchmal Angst im Flug?
Erwin Auer: Mit dem Gleitschirm kommt man schnell in die Luft. Man braucht aber dann viel Training, damit man den Schirm in der Luft beherrscht. Die größte Gefahr besteht in der Fehleinschätzung des Wetters und in der Selbstüberschätzung. Gesunde Angst fliegt natürlich auch beim Gleitschirmpilot mit.
Redaktion: Fliegst du nur mit Thermik od. benützt du auch den Motor?
Erwin Auer: Das Fliegen ohne Motor hat für mich natürlich mehr Reiz als mit Motor. Manchmal fliege ich aber auch mit Motor.
Redaktion: Man hört, dass dir unlängst ein Rekord gelungen ist. Was ist da passiert?
Erwin Auer: Ich nehme schon seit Jahren an der deutschen Streckenflugmeisterschaft teil. Bei dieser werden die drei weitesten Flüge ohne Motor im Jahr gewertet. Im Vorjahr wurde ich Gesamtsieger. Heuer ist mir mein bisher weitester Flug gelungen, von der tschechischen Grenze bis zum Bodensee.
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