16.11.2016, 08:18 Uhr

Neurowissenschafterin erhält Stipendium

Livia Tomova (r.) hat das Gymnasium in Rohrbach besucht und dort maturiert. (Foto: Nico Havranek)

Livia Tomova aus Rohrbach-Berg erhält 20.000 Euro für ihre Forschungsarbeit.

ROHRBACH-BERG. L'OREALvergibt jedes Jahr fünf Stipendien für herausragende Leistungen und unterstützt damit wissenschaftliche Karrieren. Die Initiative "For women in science" möchte darüber hinaus Rollenvorbilder schaffen und Nachwuchstalente ermutigen. Zudem sollen öffentlich auf die Beiträge weiblicher Forschung hingewiesen und Wissenschafterinnen untereinander vernetzt werden. Livia Tomova, Neurowissenschafterin an der Universität Wien hat dieses Stipendium vor kurzem erhalten. Die gebürtige Slowakin, die in Rohrbach aufgewachsen ist, hat 2004 im Gymnasium maturiert.

Den Stress erforschen

Nach ihrem Psychologiestudium und dem Doktorrat sowie Forschungsaufenthalten in Freiburg und den USA hat sie das Projekt "Effekte von akutem Stress auf soziale Kognition gestartet. "Es gibt nur wenig Wissen, wie sich Stress auf soziale Kognitionen und Emotionen, die dem Sozialverhalten zugrunde liegen, auswirkt", sagt Tomova und ergänzt: "Dies zu erforschen hat große Relevanz, denn funktionierende soziale Interaktionen sind ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens – sowohl in der Arbeitswelt als auch im privaten Bereich."

Frauen-Stress und Männer-Stress

In ihrer bisherigen Forschung zum Thema hat sich gezeigt, dass Stress hinderlich sein kann, indem er gewisse Fähigkeiten, wie etwa das Einfühlungsvermögen, vermindert. "Andererseits gibt es Anzeichen dafür, dass Stress auch gewisse Aspekte von sozialen Interaktionen verbessert – wie beispielsweise die Emotionsansteckung", sagt Tomova. Sie hat herausgefunden, dass das Geschlecht einer Person eine entscheidende Rolle für Effekte von Stress auf die soziale Kognition spielt. "Frauen unter Stress können beispielsweise die Emotionen anderer Personen besser beurteilen als ohne Stress, während Männer unter Stress schlechter darin werden. "Es ist wahrscheinlich dass das Hormon Oxytocin diese Geschlechterreflexe beeinflusst", sagt die Neurowissenschafterin.

Stipendium finanziert Experimente

Die Methoden ihrer Forschung sind Verhaltensexperimente, Magnetresonanztomografie, endokrinologische Messungen und pharmakologische Manipulationen. "In den bisherigen Forschungen konnte ich ein erstes Modell erstellen, wie sich Stress auf die soziale Kognition auswirkt", sagt Tomova. Mit dem L'OREAL-Stipendium kann sich abschließende Experimente für die Forschungsarbeit durchführen. "Konkret ist geplant, mithilfe von funktioneller Magnetresonanztomografie zu untersuchen, wie sich akuter Stress auf neuronale Muster während der Belohnungsverarbeitung auswirkt. Bei dieser Untersuchung erhalten Versuchspersonen selber Belohnungen und beobachten zudem, wie andere Personen Belohnungen erhalten", berichtet die Forscherin über ihre Pläne. Diese Untersuchungen sollen weitere Erkenntnisse bringen, wie Stress soziale Interaktion und deren zugrunde liegende kognitive Prozesse beeinflusst.
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