01.12.2016, 10:59 Uhr

"Weg von starren Arbeitszeit-Regeln"

Maria Streinesberger aus Lembach gibt 53 Mitarbeiterinnen einen Job.

Maria Streinesberger setzt sich bei Frau in der Wirtschaft (FidW) für Arbeitszeitflexibilisierung ein.

Maria Streinesberger (56) führt Mode + Schuh Haderer und den Spar mit Café in Lembach. Zum Unternehmen gehört auch der Eurospar in Altenfelden – unter der Führung von Tochter Karin. Als Stellvertreterin von FidW-Obfrau Klara Pöschl macht sich Maria Streinesberger bei Frau in der Wirtschaft für flexiblere Arbeitszeiten stark. Warum, das hat sie uns verraten.

BezirksRundschau: Warum macht das Arbeitszeitgesetz den Unternehmerinnen solche Schwierigkeiten?
Es ist zu starr und unflexibel, das bereitet vor allem kleinen und mitteleren Unternehmen (KMUs, Anmerkung) Probleme. Ein Beispiel: Nach sechs Stunden müssen die Mitarbeiter eine halbstündige Pause machen. Wir haben viele teilzeitbeschäftigte Mütter, die anstelle der Pause lieber früher weg möchten, um zum Beipsiel ihre Kinder im Kindergarten abzuholen. Oft müssen sie sich jemanden organisieren, der das für sie macht, weil es sich nicht ausgeht. Die Regelung sorgt immer wieder für Diskussionen, weil die Mitarbeiterinnen selbst damit unzufrieden sind.

Wie könnte man die Situation verbessern?

Man müsste einige Dinge flexibler gestalten und nicht so eng auslegen – für kleinere Unternehmen praktikabler machen würde ich sagen. Grundsätzlich sind Regelungen in Ordnung, aber ein bisschen liberaler wäre für uns hilfreich. Und es ist nicht einzusehen, dass bei Übertretungen gleich ohne Verwarnung gestraft wird.

Wo muss man ansetzen, damit es vor allem für KMUs leichter wird?

Die Bürokratie wird immer mehr. In kleineren Betrieben kann man viele Dinge nicht einfach auslagern, dann muss die Chefin mehr arbeiten. Kleine müssen das finanziell genauer kalkulieren. Bei vielen Vereinbarungen wird viel zu wenig auf die KMUs geschaut, das soll sich ändern.

Welche Arbeitszeitmodelle gibt es bei Ihnen im Betrieb?

Wir haben ausschließlich Frauen beschäftigt und bieten viele Möglichkeiten an. Ganztags, halbtags, Teilzeit etc, damit lassen sich Familie und Beruf oder auch die Pflege von Angehörigen für unsere Mitarbeiterinnen gut vereinbaren. Wir haben junge Mütter beschäftigt oder junge Großmütter, denen neben einem erfüllten Beruf auch Zeit für andere Dinge bleibt.

Warum sind Sie bei Frau in der Wirtschaft aktiv?

Ich habe bisher schon viele Veranstaltungen von Frau in der Wirtschaft besucht. Man lernt immer wieder neue Leute kennen, kann Gedanken und Erfahrungen austauschen, das ist wichtig. Ich möchte mich, gerade was die Arbeitszeitgesetze betrifft, für Verbesserungen für kleine- und mittlere Unternehmen einsetzen.

Familie und Beruf vereinbaren. Als Mutter von zwei Kindern kennen Sie die Herausforderung. Was soll man für Frauen verbessern, damit sie Beruf und Kinder einfacher unter einen Hut bringen?

Ich hatte damals das Glück, dass meine Mama mich mit den Kindern sehr unterstützt hat. Wir haben damals über dem Geschäft gewohnt und von klein an, habe ich die Kinder in die Arbeit mitgenommen. Ich war nicht auf öffentliche Einrichtungen angewiesen. Hier hat sich aber viel verbessert, es gibt aber sicher noch Verbesserungesbedarf. Zum Beispiel bei den Öffnungszeiten im Kindergarten, gerade in der Früh oder am Nachmittag.

Was zeichnet Unternehmerinnen im Bezirk aus?

Ihre Liebe zum Beruf und ihre Ausdauer darin. Als Chefin ist für alles zuständig – ich mache die Buchhaltung, das Büro im Hintergrund und sitze ab und zu auch an der Kassa oder mache Schuhberatungen. Man hilft mit, wo man gerade gebraucht wird. Wichtig ist für mich als Unternehmerin auch, dass man viel für Mitarbeiter tut, damit das Betriebsklima passt und die Arbeit allen Spaß macht.

Seit wann gibt es Ihre Betrieb?

Ursprünglich seit 1959. Ich habe 1995 von meinen Eltern übernommen. 2013 haben wir das Geschäft im Zentrum von Lembach neu gebaut und Mode + Schuhe modernisiert. Neun Mitarbeiter haben wir seitdem mehr. Es war nicht einfach, weil wir drei alte Markthäuser zuerst kaufen mussten, bevor wir das neue Gebäude umsetzen konnten. Es zeigt sich aber jetzt, dass es die richtige Entscheidung war. 2014 haben wir den Eursopar in Altenfelden neu gebaut. Auch dort sind wir auf einem guten Weg.
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