Blocksanierung: „Ein probates städtebauliches Werkzeug“. Das Büro aichberger architekten hat sich auf die Sanierung von Altbauten und ganzen Grätzln spezialisiert

Fotocredit: Sebastian Schubert
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Wo: Blocksanierung, Pillergasse 11, 1150 Wien auf Karte anzeigen

„Blocksanierung“, sagt der Architekt Andreas Aichberger, „ist ein probates städtebauliches Werkzeug, um Stadtteile und Grätzl strukturell zu verbessern. Der Aufwärtstrend eines Viertels ist im Blocksanierungsgebiet stark zu spüren und wird als Chance erkannt, um die Wohnqualität im Gebiet zu steigern.“

Das besondere Augenmerk von aichberger architekten lag in letzter Zeit beim Blocksanierungskonzept Sechshaus im 15. Wiener Gemeindebezirk und dort bei der Sanierung des Jugendstilgebäudes Pillergasse 11, das 1908 vom Architekten Wilhelm Nowak erbaut wurde. Dieses Bauvorhaben konnte, finanziert mit Mitteln des Wohnfonds Wien, 2016 realisiert werden.

Im Sanierungsgebiet herrscht eine sehr dichte, aber für den 15. Bezirk typische Innenhofbebauung vor. Durch sensible Maßnahmen (Teilabbrüche, Dachbegrünungen und Hofbegrünung) soll diese aufgelockert werden. Gleichzeitig sollen durch die Nachverdichtung der Straßentrakte attraktive Dachgeschosswohnungen und neue Wohnräume entstehen. Im Zuge dieser Maßnahmen wird auch der Altbestand der Liegenschaften verbessert. Durch Lift- bzw. Balkon-Zubauten sowie thermische Sanierungen kann die ganze Nachbarschaft profitieren.

Das Haus Pillergasse 11 mit seiner eleganten Straßenfassade liegt im Nahbereich zum Wiental. Ein Straßentrakt und zwei Seitentrakte bildeten mit der identen, gespiegelten Nachbarliegenschaft im Innenbereich einen dichten Hof mit wenig Licht für die Wohnungen.

Als Teil des Maßnahmenkataloges der Blocksanierung Sechshaus wurde das Gebäude durchgreifend revitalisiert und modernisiert. Dabei entschloss man sich, durch eine Abzonung des östlichen Seitentraktes um den Rohdachboden und ein weiteres Geschoss, die Dichte der Bestandsbebauung zu reduzieren, und mehr Licht und Luft in den Innenhof vordringen zu lassen. Der Einbuße von Wohnnutzfläche steht damit eine Verkleinerung der Brandmauer um mehr als sieben Meter gegenüber, was nicht nur für die Mieter des Hauses, sondern vor allem auch für die Nachbarliegenschaften zu spüren ist und die Höfe damit auch gestalterisch aufwertet.

Das Gebäude wurde durch einen Liftzubau, eine thermische Sanierung im Innenhofbereich und eine Kellersanierung auf den heutigen Stand gebracht. Gleichzeitig konnte durch Kategorie-Anhebung, den Einbau zeitgemäßer Sanitärräume (WC, Bad) und durch Loggien- und Balkonzubauten die Wohnqualität gesteigert werden. Der Anschuss des gesamten Hauses an die Fernwärme komplettiert die Eingriffe ins Bestandsgebäude.

Insgesamt wurden acht Bestandswohnungen mit einer Nutzfläche von 472 Quadratmetern saniert. Die Wohnnutzflächen wurden durch den Anbau von Loggien im Ausmaß von 37 Quadratmetern vergrößert. Balkone und Terrassen mit einer Gesamtfläche von 60 Quadratmetern entstanden neu.

An Stelle des Rohdachbodens wurde der Straßentrakt um zwei Dachgeschosse aufgestockt. Der gänzliche Verzicht auf Gaupen in Richtung Pillergasse trägt der Qualität der historischen Jugendstilfassade Rechnung - der Dachausbau tritt somit im Stadtbild zurück. Den zwei Dachgeschoss-Maisonette-Wohnungen mit einer Größe von 83 und 125 Quadratmetern sind attraktive Dachterrassen in Richtung Süden zugeordnet. Durch den Teilabbruch im Seitentrakt kann nun eine weitere großzügige Dachterrasse einer Wohnung aus dem Bestandsgeschoss zugeordnet werden.

Die Jugendstil-Fassade wurde straßenseitig nicht verändert. Es wurde die Farbgestaltung der Entstehungszeit recherchiert und für den Neuanstrich berücksichtigt. Die Hof-Fassade ist geprägt durch Balkone und Loggien. Die Farbgebung nimmt Bezug zur Straßenfassade.

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