Lisz Hirn - Superhelden
Wozu braucht es den starken Mann noch?

Rudolfheims bekannteste Philosophin und Autorin Lisz Hirn braucht keine Superhelden – sie plädiert für die Vernunft.
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  • Foto: Hirn/Friedrich
  • hochgeladen von Elisabeth Schwenter

Über das Auslaufmodell „Superheld“ hat die Wiener Philosophin Lisz Hirn ein Buch geschrieben.

RUDOLFSHEIM-FÜNFHAUS. Dass die Welt komplex und schnell ist, dass Probleme in den meisten Fällen keine einfachen Lösungen haben und dass genau das vielen Menschen Angst macht – das wissen wir eigentlich. Und doch, so irrational es scheint, sehnen sich viele den Superhelden herbei, der einfach alles, nämlich wirklich alles, mit einem Fingerschnipsen in den Griff bekommt. Meist ist der Held männlich, stark und – ganz im Gegensatz zur Welt – doch eher einfach gestrickt.

Dass uns die Sehnsucht nach dem Helden, auch umgelegt auf etwa Politiker oder Wirtschaftsbosse, nicht weiterbringt, das will die Rudolfsheimer Philosophin Lisz Hirn in ihrem neuen Buch „Wer braucht Superhelden – Was wirklich nötig ist, um unsere Welt zu retten“ aufzeigen.

Held und Härte: Wo sind die Frauen?

Superhelden können uns, so Hirn, zum Beispiel nicht vor Viren schützen . Und doch erzählen gerade hier, gerade jetzt, Politiker klassische Helden-Geschichten. Inneninister Nehammer (ÖVP) sprach etwa vor Kurzem davon, „mit aller Härte“ gegen das Coronavirus vorgehen zu wollen. Dabei ist gerade hier offensichtlich: Härte hilft wenig – Kompetenz und eine Strategie sind gefragt.

„Wir sehen jedenfalls, dass wir ein Problem mit Gewalt haben“, so Hirn. Das zeige sich ganz deutlich auch dadurch, dass das Gewaltmonopol, Polizei und Bundesheer, in Österreich in den meisten Fällen in männlicher Hand ist. „Wenn wir Emanzipation weiterdenken wollen, dann müssen wir auch jene Bereiche sehen, wo Männer diskriminiert werden“, so Hirn. „Denn wir verpflichten Männer mehr oder weniger dazu, Gewalt auszuüben.“ Hirn fordert auch hier Gleichstellung. „Frauen sollten dieselben Pflichten wie Männer haben. Umgekehrt aber müssten wir die Gewaltsphären der Männer unbedingt aufweichen, etwa Männer dazu verpflichten, gleich lange wie Frauen in Karenz zu sein“, so die Philosophin.

"Bilder finden, die uns allen guttun"

Fakt sei, so Hirn, auch wenn es schmerze, dass es den „starken Mann“ nicht mehr brauche. Bedrohungen hätten sich verändert – hin zu großen globalen Fragen. „Wir brauchen aber ein neues Bild von Männlichkeit“, so Hirn.

Auch, weil Frauen, wie Hirn sagt, „Männern den Rang ablaufen" und in vielen Bereichen bald führend sein werden. Und der Mann, der gern ein Superheld wäre, der verkrafte das dann nicht so leicht. Das birgt Gefahren – Gewaltgefahren, weil es nämlich eine Frage ans Licht bringt: „Wozu braucht es den Mann überhaupt noch?“

Daher appelliert Hirn: „Wir müssen Bilder finden, die uns allen guttun, und gemeinsam in allen Bereichen Verantwortung übernehmen. Dann brauchen wir keine Helden mehr.“

Philosophie im Grätzel startet am 19. März

Lisz Hirn lädt zur Diskussionsreihe „Philosophie im Grätzel“ ins Café Z in die Meiselstraße 2. Los geht es am 19. März um 19 Uhr mit dem Thema „Gefühl mit Denken“. Einem 20-minütigen Vortrag folgt eine moderierte Diskussion mit den anwesenden Gästen. "Traditionell gute Gesprächskultur trotz heißer Dispute machen auch hartgesottenen Denkerinnen und Denkern Lust, aus ihrem Elfenbeinturm zu uns ins Café Z herabzusteigen", so Hirn.

LIsz Hirns Buch „Wer braucht Superhelden“ ist im Molden Verlag erschienen. 160 Seiten, 22 Euro.

Autor:

Elisabeth Schwenter aus Penzing

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