A Gfrett is’s auf da Welt (um 1873)

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A Gfrett is’s auf da Welt (um 1873)

Carl Lorens

Ja wann ma unser Wean betracht,
da waars ka Wunda, wann ma lacht.
Da Unterschied gegn d frühern Zeit,
da hats halt gebm ganz andre Leut.
A Kirtag drunt am Schottnfeld,
da habms no ghabt a Silbergeld.
Die Zwanzger, die san umergflogn.
Da Tisch, der hat si bogn.
Die Backhendln, da Guldnwein habm auf kan Tisch net gfehlt.
Doch schaut ma heut, wia s zuageh tuat da drent am Schottnfeld:
Die reichsten Leut habm Krida gmacht,
Fabrikn zugsperrt über d‘ Nacht.

Wo d‘ Weber gmacht habm Seidnschal, steht a Versatzamtsfilial.
Von d‘ Backhendln is längst ka Spur.
Heut schlickt a jeder hintern Tor a gselchte Blunzn, daß alls hellt.
Die Leut habm zwenig Geld.

Refrain:
A Gfrett is’s. A Gfrett is’s. A Gfrett is’s auf da Welt. A Gfrett is’s.
A Gfrett is’s. Die Leut habm gar ka Geld.
A Landpartie nach Bratenfurt,
da schmeckt der Müllirahmstrud’l guat.
War’s Wetter nur a bisserl fein mi’n Zeiserlwag’n in Wolfsgrab’n nein. Vier Tag hab’m dauert dort die G’stanz
da habm’s blos’n die Schmalhofer Tanz.
Vom Trübsalblasen gar ka Spur – s war überall Frohsinn nur.

Mit Kind und Kegel san d‘ Leit naus hab’m glebt in Saus und Braus.
Heit fahrt ma mit der Dampftramway nach Bratensee hinaus.
Vom guaten Wein is längst ka Spur
an Fensterschwitz, den saufen s‘ nur.
Statt harbe Tanz für‘s Herz und Gmüat
spielt der Werkelmann das Fischerliad.

Statt hamfahrn mit an Zeiserlwagen
tuat aner den andern buckelkrax’n trag’n.
Und schlaf’n tans im Kukuruzfeld. Die Leit ham z’wenig Geld.
A Gfrett is....
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1873: Weltausstellung in Wien, Wirtschaftskrise
Blunzn: Blutwurst
Bratensee: Breitensee (heute im 14. Bezirk)
gselcht: geräuchert
Fischerlied: ein Gassenhauer um die Zeit
Harbe Tanz: herb, schneidig (flott)
Kirtag: Kirchtag, Jahrmarkt, meist im Herbst zur Erntezeit
Kukuruz: Mais
Schmalhofer Tanz: Komponist: Jakob Schmalhofer (Geige, Klarinette) „Schmalhofer Tanzgeiger“, Wien 1862-1890
schlicken: essen, schlucken
Schottenfeld: heute 7. Bezirk (Schottenfeldgasse), berühmt für seine Seidenfabrikanten
Tramway: Straßenbahn, erst mit Pferden gezogen, dann mit Dampf Versatzamtsfilial: Pfandhaus
Zeiserlwagen: Leiterwagen mit Sitzbrettern, von Pferden gezogen, war wie ein Sammeltaxi, der die Leute in die Vororte brachte
betrieben (ab 1883), ab 1887 elektrisch, 1903 wird die letzte Pferdebahnlinie eingestellt.

Autor:

Ilse Hanold aus Rudolfsheim-Fünfhaus

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