Kampfansage an Wettcafés

Bezirksrat Christian Tesar (Grüne) fordert Mindestabstände für Wettlokale und häufigere Kontrollen.
  • Bezirksrat Christian Tesar (Grüne) fordert Mindestabstände für Wettlokale und häufigere Kontrollen.
  • hochgeladen von Monika Kickenweiz

Fast jeder zehnte Spielautomat Wiens befindet sich im 15. Bezirk. Auch Lokale für Sportwetten schießen wie die sprichwörtlichen Schwammerln aus dem Boden. Nun wird der Ruf nach mehr Kontrollen und strengeren Gesetzen laut.

(si). Durch den Wettcafé-Boom der vergangenen Jahre sind ganze Abschnitte etwa der Äußeren Mariahilfer Straße von diesen Lokalen geprägt. Verdunkelte Scheiben und „kein Eintritt unter 18“-Schilder reihen sich aneinander. Während die Interessensvertreter der Lokalbetreiber keinen Handlungsbedarf sehen, schlagen die Grünen im Bezirk Alarm: „Durch Wettlokale werden immer mehr Familien zerstört und in den finanziellen Ruin getrieben. Die Stadt ist aufgefordert, härter durchzugreifen“, so Bezirksrat Christian Tesar (Grüne). Er fordert einen gesetzlichen Mindestabstand der Wettcafés, die Schaffung von Beratungs- und Betreuungseinrichtungen sowie strengere Kontrollen der Jugendschutzbestimmungen. Für die Umsetzung dieser Vorschläge wäre allerdings die Stadt Wien zuständig, der Bezirk könnte lediglich Beratungseinrichtungen schaffen.

Gesetz wird umgangen
Derzeit wird die Ansiedlung von Wettlokalen insbesondere dadurch begünstigt, dass sich der Mietpreis häufig aus den Umsätzen eines Betriebes ergibt. Da Wettcafés vergleichsweise hohe Umsätze machen, werden diese von Vermietern immer häufiger bevorzugt.
Eine bereits vorhandene Regelung wird immer öfter umgangen: Als Reaktion auf die gesetzliche Höchstanzahl an Automaten pro Lokal eröffnet derselbe Betreiber einfach mehrere kleinere Lokale nebeneinander.
Den aktuellen Vorstößen nichts abgewinnen, kann wenig überraschend die gesetzliche Vertretung der Wettcafés. So sieht der Obmann der zuständigen Fachgruppe in der Wirtschaftskammer, Klaus-Christian Vögl, überhaupt keinen Anlass, an der gesetzlichen Lage etwas zu ändern. „Wir leben nun mal in einer Marktwirtschaft“, so Vögl. Einschränkungen der unternehmerischen Freiheiten seien abzulehnen. Außerdem gebe es im Gegensatz zur Spielsucht so etwas wie die Sucht nach Sportwetten gar nicht, so die Meinung des Unternehmers.

Branche im Umbruch
Möglicherweise könnte die derzeit rasant steigende Anzahl der Wettcafés aber auch ohne gesetzliche Regelungen zurückgehen. Denn in den letzten Monaten finden immer mehr Sportwetten im Internet statt. Hält dieser Trend an, so die Vermutungen, könnten einige Lokale aufgrund sinkender Umsätze zum Schließen gezwungen werden. Ob sich diese Vermutung bestätigen lässt, könnte schon bald feststehen. In den nächsten Wochen werden dahingehende Zahlen veröffentlicht. Für die Betroffenen macht dies freilich wenig Unterschied: Geld wird online genauso schnell verloren wie im Lokal.

Autor:

Monika Kickenweiz aus Ottakring

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