02.02.2018, 07:23 Uhr

Episoden aus meinem Leben - Türkei-Export - 3. Teil

Unsere gemeinsame Werbeveranstaltung beginnt und wir beide nehmen unsere Plätze am Podium ein. Er befragt mich auf Englisch betreffend unserer Papiersorten und ich beantworte alles, was er wissen will, ebenfalls mit Mikrophon bewaffnet und in Englisch. Alles wird synchron ins Türkische übersetzt. Unser Zusammenspiel ist ideal und er unterstützt mich geflissentlich bei der Präsentation unserer Papierprodukte, die er als optimal für seine Geräte hinstellt.

In der Pause begeben wir uns hinter die Bühne und unsere heftige Diskussion von vorher setzt sich ungehemmt fort. Diesmal frage ich ihn, wie er ernsthaft dazu komme, mir nachzuspionieren. Jetzt droht er mir unverblümt, die Geschäftsverbindung mit uns abzubrechen, gezielt gegen uns zu arbeiten und italienischen, französischen oder finnischen Konkurrenten den Vorzug zu geben.

Die Pause ist zu Ende. Unsere Präsentation, in der wir freundschaftlich aufeinander zugehen, beginnt von Neuem. Keiner der Anwesenden ahnt das Geringste von unserem Konflikt, den wir im Verborgenen austragen. Am Ende werden wir beide mit viel Applaus bedacht.

Wir begeben uns erneut in den Regieraum, er komplett aufgebracht, ich mittlerweile wieder relativ gelassen, weil ich ganz diplomatisch meiner Verhandlungsposition zum Erfolg verholfen habe.

Was mir jetzt allerdings auch auffällt: ich war "ahnungslos genug", ihm und seinen Kunden - und nur ihnen - bei dieser Gelegenheit einen ganzen Tag meiner kostbaren Zeit geschenkt zu haben.

Bild Ankara - von Jorge Franganillo - Eigenes Werk, CC BY 3.0, Link
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