18.11.2017, 11:16 Uhr

Ich weiß nicht...

Episoden aus meinem Leben

66. Splitter - Ich bitte um einen aussagekräftigen Titel


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Ich weiß nicht, von wo, von welcher Nachbarin, unsere Katze stammt. Es ist auch egal. Am Land hat man eben eine Katze. Es ist eine Tigerkatze wie die meisten hier in Lermoos. Sie ist also kein Geschöpf, das man wegen seiner Einzigartigkeit bewundern würde. Sie verhält sich recht unauffällig und ist zu mir immer so freundlich, wie ich mir das vorstelle. Sie lässt sich gerne von mir streicheln und schnurrt dabei so angenehm.

Meine Mutter hat andere Sorgen, als sich ausschließlich um mich zu kümmern. Mein Vater hat nämlich sie und mich, den Siebenjährigen verlassen. Also brauche ich den Kontakt zu unserer „Muschi“ umso mehr. Da sind sie und ich uns sehr einig.

Aber heute reizt sie mich, den Zwölfjährigen, zu einem vehementen Wutausbruch. Ich will von unserem Schlafzimmer, in dem meine Mutter und ich schlafen, mein Briefmarkenalbum holen. Wie ich die Tür aufdrücke, entdecke ich die Miezekatze in unserem Bett, von wo wir sie immer verjagt haben. Warum tut sie das? Im Moment erfasst mich ein Schrecken: sie hat dort drei kleine Katzerln geworfen und ... ist dabei, sie aufzufressen. Ich bin fassungslos, entsetzt und wütend, packe sie am Nackenfell und schmeiße sie zu Boden. Mir ist schlecht, als ich meine Mutter dazu rufe. Ich bin todunglücklich über das Vorgefallene. Das werde ich nie vergessen. Jetzt gehe ich ihr aus dem Weg.

Ab dem Zeitpunkt, an dem ich aus unserer Wohnung ausziehe, komme ich mit Haustieren nicht mehr in Berührung. Im Internat geht’s um Lernen, nicht um Streicheln und Schnurren. Im Kloster beten und meditieren wir. Katzen und Hunde sehen wir nur von fern. Als alleinstehender Berufstätiger, der tagsüber arbeitet und zur Untermiete wohnt, habe ich ebenfalls keinerlei Muße für die Beschäftigung mit solchen Hausgenossen. Selbst in der Familie, in die ich einheirate, gibt es keine. Erst als meine Frau bei einem Heurigen in Neustift am Walde von einem Wurf reinrassiger Bullterrier erfährt und mich - relativ mühelos - dazu überredet, einen Welpen zu erwerben, hat die lange Pause ohne Haustiere ein Ende.

Hund „Kilauea“, wie wir das kleine Hündchen taufen, als wir es bei uns aufnehmen, ist entzückend. Sie fasziniert jeden von uns. Sie ist verspielt, anschmiegsam und gehorsam, wie man sich einen braven Hund eben vorstellt.

Uns hatte der Züchter erzählt, dass es sich bei Bullterriern um Hunde handelt, die einst zu Kampfhunden abgerichtet worden waren. Also sind uns dessen bewusst und daher nicht überrascht, dass Kilauea sich manchmal sehr temperamentvoll zeigt. Nimmt man einen Stock zur Hand, damit sie sich darin verbeissen kann, lässt sie sich so lange durch die Gegend wirbeln, bis man dem Spiel mit großer Kraftanstrengung ein Ende macht.

Normalerweise habe ich nach Büroschluss das Vergnügen, mit unserer Hündin durch den dritten Wiener Gemeindebezirk Gassi zu gehen. Tagsüber macht das meine Frau, zum Wochenende managen wir es gemeinsam. Sogar unsere Kinder dürfen Kilauea an der Leine führen, was sie liebend gerne machen.

Bei einer Sonntags-Wanderung sehen wir aus der Ferne einen Hund, der zwar kein Bullterrier ist, sich aber trotzdem recht wild gebärdet. Das erzürnt das Kraftbündel an unserer Leine. Kilauea reißt sich ungestüm los und rennt mitsamt der Leine, die meiner Frau aus den Händen entgleitet, auf den Rivalen zu.

Ich befürchte das Schlimmste, als ich beide mit fletschenden Zähnen aufeinander zustürmen sehe. Beide bellen wütend, ducken sich in der augenfällig zur Schau gestellten Bereitschaft, sich in den Gegner zu verbeißen. Mir kommt das Szenario in den Sinn, das Stiere beim Kampf gegeneinander an den Tag legen. Der Moment der lauernden Haltung bei all dem Getöse, das die Aufmerksamkeit aller Umstehenden auf sich zieht, gibt mir die Gelegenheit, die beiden zu erreichen. Um keine Zeit zu verlieren, schmeiße ich mich zwischen die beiden zu Boden und fasse sie an ihren Halsbändern, um sie auseinanderzuhalten. Kurz darauf kommt mir der Besitzer des anderen Hundes zu Hilfe und es gelingt uns, die beiden Kontrahenten voneinander zu trennen.

Ab diesem Zeitpunkt führen wir unsere geliebte Hündin nur mehr mit Beißkorb außer Haus.

Sie ist eben keine Schmusekatze.
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