11.10.2016, 00:00 Uhr

Am Schwendermarkt sind schwere Zeiten für Sprayer und Pinkler angebrochen

Sie sagen Schmierereien und Gestank den Kampf an: Erich Stuhl (l.) und Willie Haberl.

Mit Wänden, die zurückspritzen, will man am Schwendermarkt gegen Pinkler und Vandalen vorgehen.

RUDOLFSHEIM-FÜNFHAUS. Arg beschmiert sind sie, die Wände eines Durchgangs zwischen zwei Ständen am Schwendermarkt. "Es gibt immer wieder Beschwerden deswegen. Und vor allem im Sommer herrscht hier oft ein Uringestank", weiß Markt-Obmann Willie Haberl zu berichten.

Schmierereien und Urin: Mit beidem kennt sich Erich Stuhl bestens aus. Er betreibt die kleine und erfindungsreiche Firma "Stuhl Industries": "Wir haben uns in den vergangenen 20 Jahren zu Experten im Fassadenschutz entwickelt. In Wien waren wir bereits am Naschmarkt und am Donaukanal tätig. Jetzt wollen wir am Schwendermarkt helfen."

Vor allem für jene, die den Durchgang am Schwendermarkt nutzen, um ihre Notdurft zu verrichten, hat Stuhl eine böse Überraschung parat: "Wir werden eine neue, sehr glatte Beschichtung auftragen. Dann perlt der Urin von der Wand ab und spritzt auf den Verursacher zurück", grinst er. "Da wird er dann wegspringen müssen!"

St.-Pauli-Wand

Im Hamburger Stadtteil St. Pauli kam diese Erfindung zum ersten Mal zum Einsatz. Deshalb nennt man das Konzept auch die "St.-Pauli-Wand". "Deutsche Firmen sind aber zu teuer", so Haberl. "Wir sind deshalb sehr dankbar, dass sich die Firma Stuhl daran versuchen möchte."

Als enthusiastischer Kenner seines Fachs nimmt Stuhl diese Herausforderung gerne an: "Wir untersuchen jede Wand genau. Wie ist sie beschaffen? Wie ist die Beschaffenheit der Schadstoffe? Urin ist beispielsweise sehr scharf. Er dringt in die Wand ein und fängt dann im Sommer an, zu stinken." Um Sprayer abzuwehren, setzt Stuhl auf einen Wandbelag, der Sprayfarben den Halt nimmt. "Die Farbe lässt sich dann sehr leicht lösen und die Wand sieht aus wie neu."

Um das dafür nötige Wissen zu erlangen, mussten Stuhl und seine Mitarbeiter akribische Detektivarbeit leisten. "Wir haben uns intensiv mit der Arbeitsweise der Sprayer beschäftigt. Wie unterscheiden sich die Bildkünstler von den Taggern?" Sogar Nachtschichten wurden eingelegt: "Wir haben uns nachts am Donaukanal auf die Lauer gelegt. Es wird ja im Internet bekannt gegeben, wann ein neues Bild gesprüht wird. Wir haben den Sprayern zugeschaut und hinterher die leeren Dosen zur Analyse mitgenommen." Das sei notwendig gewesen, sagt Stuhl, weil die von Sprayern verwendeten Dosen im regulären Handel gar nicht erhältlich seien. Willie Haberl hofft jedenfalls darauf, die Akribie der Firma Stuhl schon bald bei der Aufhübschung des Schwendermarktes nutzen zu können: "Genehmigt ist schon alles. Ein paar Hürden sind noch zu überwinden, dann kann es losgehen." Die Kosten für das Projekt sollen unter 5.000 Euro liegen.

Übrigens war die Firma Stuhl bereits erfolgreich am Schwendermarkt aktiv: "Wir haben ein Tor schutzbeschichtet – und es ist immer noch strahlend weiß", so der sichtlich stolze Handwerker.
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