20.11.2017, 14:25 Uhr

Einküchenhaus: Frauenpower aus den 1920ern

Auch in Döbling gab es ein Einküchenhaus, den Heimhof.

Der Heimhof in der Pilgerimgasse war Schauplatz eines spannenden Wohnexperiments.

RUDOLFSHEIM-FÜNFHAUS. Der Kampf für Frauenrechte und Küchen – und das soll zusammengehen? Ja, das zeigt nämlich die Geschichte des Einküchenhauses. Ein solches stand, beziehungsweise steht, auch in Rudolfsheim-Fünfhaus.

Der heutige Gemeindebau in der Pilgerimgasse 22–24 war bis 1934 nämlich ein so genanntes Einküchenhaus. Was das ist? Einküchenhäuser waren eine Reaktion von Teilen der Frauenbewegung der frühen 1920er-Jahre auf Themen, die heute durchaus noch aktuell sind. Damals fingen immer mehr Frauen an, einer Erwerbsarbeit nachzugehen. Doch ihre Rolle als Hausfrau legten sie damit nicht ab. In einer Studie über die Wohnsituation der Arbeiterinnen schrieb Käthe Leichter im Jahr 1932: "Für Frauen ist zu Hause nur Schichtwechsel."

Küche? Fehlanzeige!

Tagsüber gingen die Frauen arbeiten, abends machten sie den Haushalt, nachts teilten sie ihr Bett mit mehreren anderen Personen. Die Wohnungen waren klein und überbelegt. 1911 gründete die Frauenrechtlerin Auguste Fickert die "Gemeinnützige Bau- und Wohnungsbaugenossenschaft". Ein Grundstück entlang der Pilgerimgasse wurde gekauft. Bis Mitte der 1920er-Jahre wurde hier ein Wohnbau errichtet, der sich sowohl an Arbeiterinnen als auch arbeitende Frauen mit bürgerlichem Hintergrund richtete. Der Clou: Es gab eine zentrale Großküche, in der für die Bewohnerinnen und ihre Angehörigen gekocht wurde. Gemeindebedienstete wuschen in einer Großwäscherei die Wäsche. Mit Terrassen, Bädern und Gärten wurden gemeinschaftliche Räume geschaffen.
In den Wohnungen selbst gab es keine Küchen. Den Bewohnerinnen sollte alle Hausarbeit abgenommen werden. In den 1930er-Jahren wohnten hier 500 Menschen.

Ging das gut?

Der Genossenschaftsanteil und die Miete von 30 Schilling waren für Arbeiterinnen kaum leistbar. Auch das Essen aus der Großküche kostete extra. Schon bald geriet die Genossenschaft in Finanzprobleme. Die Stadt Wien übernahm das Gebäude. Im katholischen Ständestaat war Frauenbefreiung nicht mehr angesagt. Die Großküche wurde stillgelegt.

Zur Sache:

Im Bezirksmuseum (Rosinagasse 4) ist aktuell eine Ausstellung über den Heimhof zu sehen. Der Eintritt ist frei! Alle Infos auf der Museumshomepage: www.museum15.at
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