15.01.2018, 22:51 Uhr

Minoritenkirche

Die Minoritenkirche ist eine römisch-katholische Hallenkirche am Minoritenplatz im 1. Wiener Gemeindebezirk.
Die Minoriten waren Franziskaner. Sie wurden 1224 von Herzog Leopold VI. gerufen und gründeten das Wiener Minoritenkloster. Nach dem Stadtbrand von 1275 wurde von Ottokar Přemysl der Grundstein für die neue Kirche gelegt. Sie war eine der ersten gotischen Kirchen im ostösterreichischen Raum. Nach Ottokars Tod in der Schlacht auf dem Marchfeld wurde er hier dreißig Wochen aufgebahrt.
Bedeutende Veränderungen gab es unter den ersten Habsburgern. Blanche von Frankreich (1282–1305), die Gattin Herzog Rudolfs III. von Österreich, ließ eine Kapelle für ihren Großvater, dem Heiligen Ludwig von Frankreich, an die Nordseite des Langhauses anbauen, die 1328 vollendet wurde. Sie hatte einen separaten Eingang und keine Verbindung zum Langhaus. Dies wurde ab etwa 1340 verändert, als die Ludwigskapelle mit dem bis dahin zweischiffigen Langhaus zu einem nunmehr dreischiffigen Kirchenraum mit zwei Chören vereinigt wurde. Im Langhaus wurden neue Bündelpfeiler eingezogen und im Westen wurde ein zusätzliches Joch sowie ein neues Portal angebaut. Der ganze Bau folgt dem Schema französischer Kathedralarchitektur. Die Baumeister sind unbekannt, man nimmt aber an, dass Jacobus Parisiensis, der Beichtvater Herzog Albrechts II. führend beteiligt war.
Auch das Portal folgt einem französischen Schema, wie es in Österreich eher selten ist. Der Tympanon ist durch Zirkelschläge in drei Felder unterteilt, wobei im mittleren Feld Christus auf einem Astkreuz dargestellt ist. Links sieht man Maria mit Maria Magdalena und anderen weiblichen Figuren, rechts Johannes den Evangelisten, den Hauptmann Longinus und andere männliche Figuren. Die jeweils äußerste männliche und weibliche Figur könnten Herzog Albrecht II. und seine Gemahlin Johanna von Pfirt darstellen, zumal die männliche Figur einen Herzogshut zu tragen scheint. Die Figuren sind sehr elegant und feingliedrig dargestellt – wohl ein französischer Einfluss und zugleich wichtiges Stilmerkmal der Minoritenwerkstatt, die bis etwa 1360 nachweisbar ist.
In den folgenden Jahrhunderten blieb die Kirche größtenteils unverändert, nur dass in verschiedenen Kriegen und Belagerungen immer wieder der Turm in Mitleidenschaft gezogen wurde. Während der ersten Türkenbelagerung 1529 wurde die Spitze erstmals zerstört, um 1633 aber wieder aufgebaut. Der Zweiten Türkenbelagerung 1683 fiel die Turmspitze erneut zum Opfer. Das zerstörte Helmdach wurde durch ein Flachdach ersetzt. Eine entscheidende Zäsur kam 1782, als die Minoriten im Zuge der Religionspolitik Josephs II. abgesiedelt wurden. Die Kirche wurde am 3. Juni 1784 Eigentum der Italienischen Kongregation und somit zur italienischen Nationalkirche erklärt und Maria Schnee (Santa Maria Maggiore) geweiht – dieses Patrozinium besteht heute noch. Im Zuge ihrer Aussiedlung brachten die Minoriten das mit einem Christusbild versehene Kreuz über dem Hochaltar nach Wimpassing, so dass es, als es einige Jahrzehnte später zurück nach Wien kam, Wimpassinger Kreuz genannt wurde. Eine Kopie davon hängt heute im Stephansdom. Im Zuge der Neuwidmung wurden auch zahlreiche Umbauten von Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg vorgenommen, die vor allem auf die Beseitigung barocker Zutaten im Inneren abzielten. Trotzdem war es im Endeffekt keine „Regotisierung“, wie dies öfter genannt wurde, da auch Teile des gotischen Kirchenbaus beseitigt wurden – namentlich der Langchor.
Anfang des 19. Jahrhunderts kam auch eine Mosaikkopie von Leonardo da Vincis Letztem Abendmahl in die Kirche. Sie war von Napoleon in Auftrag gegeben worden, wurde aber wie einige andere Kunstwerke erst nach seinem Sturz beendet und musste von seinem Schwiegervater Kaiser Franz I. gekauft werden. Für seinen ursprünglich vorgesehenen Aufstellungsort im Belvedere erwies sie sich als zu groß, so dass sie letztlich in diese Kirche kam.
Um 1900 fanden die letzten Veränderungen statt, insbesondere der Anbau des chorähnlichen Sakramentshäuschens. Im Zuge des U-Bahn-Baus in den späten 1980er Jahren wurden die Grundmauern der Ludwigskapelle gefunden, die jetzt auf dem Platz nachgezeichnet sind.
(Quelle: wikipedia)
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Heinrich Moser aus Ottakring | 15.01.2018 | 23:14   Melden
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