Ein echter Moslem hat den Koran im Herzen

Im Innenraum der Moschee
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  • hochgeladen von Axel Haack

SALZBURG. Was tun, wenn sich Vorurteile in einem verkrusten und immer wieder neue Nahrung bekommen durch abschreckende Bilder und Berichte in den Medien? Ich glaube, da kann nur helfen, wenn man sich grundlegend informiert, um seine vorgefassten Meinungen zu überdenken und sie zu korrigieren, falls sie sich als unwahr erwiesen haben.

So bin ich denn letzten Samstag gerne der Einladung einer türkischen Gemeinde gefolgt, sie zu einem Tag der offenen Tür zu besuchen und mit ihnen zu feiern, u. z. bei ihrer Moschee im Stadtteil Gnigl. Gleich am Eingang des kleinen Festplatzes wurde ich von charmanten kopftuchtragenden Türkinnen empfangen, die sich anboten, mich herum zu führen und auf meine Fragen einzugehen.

Özlem war meine 1. Begleiterin. Sie hörte mir geduldig zu und erklärte mir, als wir an einem langen Informationsstand verweilten, bereitwillig die Grundsäulen des Islams. Der wichtigste Satz, der mir im Gedächtnis hängen blieb, war, dass ein echter Moslem den Koran im Herzen haben muss und nicht nur auf den Lippen trägt. Eine echte Muslima, so Özlem, würde demzufolge nicht das Kopftuch tragen, weil sie dazu gezwungen wurde, sondern weil sie sich damit freiwillig zu ihrem Glauben bekennen und das auch gerne öffentlich zeigen würde.

Schnell kamen wir dann auch auf die Rolle der Frau in der türkischen Gesellschaft zu sprechen. Sie wäre dort dem Manne nur untergeordnet und hätte ihre Hauptaufgaben in der Familie, so mein Vorurteil. Natürlich provozierte ich damit meine Begleiterin, die darin ein falsches Bild sah, das man sich als Außenstehender gerne vom türkischen Familienleben machen würde. Etwas verschmitzt verwies sie dabei auf den Anteil der Frauen bei den Vorbereitungen zu diesem Fest. Die Frauen hätten bei der Programmgestaltung das Sagen gehabt und nicht die Männer. Die hätten nur Tische und Bänke tragen müssen!

Die nächste Station war dann die Moschee, genauer gesagt das Gebäude, das dieser Islamgemeinde als Gebetshaus dient. Eine richtige Moschee wäre es noch nicht, weil noch das typische Minarett fehlen würde. Das wäre aber geplant, wie Özlem mir versicherte. Barfuß ging es dann in den Innenraum, der ausnahmsweise bestuhlt war, um interessierten Gästen einen Platz anzubieten für eine Powerpoint-Präsentation. Ich wurde allerdings immer wieder abgelenkt durch wichtige Personen dieser islamischen Gemeinde, die mir meine Stewardess vorstellte und sogar für ein Gruppenbild für mich gewinnen konnte.

Letzter Anziehungspunkt war dann die Kantine, wo ich im Beisein von Zeliha türkische Kochkunst bewundern und auch schmecken konnte. Da waren schnell kleine Köstlichkeiten auf meinem Teller wie Teigtaschen in einer Joghurtsoße, Weinlaubröllchen mit Reisfleischfüllung oder eine Süßspeise, die mich an einheimischen Strudel erinnerte. Zum Knabbern gab es dazu Fladenbrot mit dünner Käse- oder Fleischfüllung, alles gratis natürlich. Interessant war für mich auch das Geschehen im vorderen Teil dieses Raumes, wo mehrere Frauen vor riesigen Holztellern kauerten und Brote zubereiteten. Insbesondere zog eine Türkin meine Aufmerksamkeit auf sich, weil sie unablässig einen schweren Brotteig in einem Trog knetete.

Am Ende meines Besuchs wurde ich dann auch noch Augen- und Ohrenzeuge eines kleinen Spektakels, als Kinder in türkischer Tracht Tänze aufführten und sich sichtlich über den großen Applaus danach freuten. Auch der ORF war zu sehen mit einer tragbaren Fernsehkamera und einer Reporterin, die fleißig verschiedenen Festgästen Fragen stellte. Wie sich dann in den abendlichen Salzburg-Nachrichten zeigte, war ich leider nicht mit im Bild. Ich genoss ja auch gerade meine türkischen Schmankerl, als sich das Aufnahmeteam an mir vorbei drängte.

Bevor ich dieses Fest wieder verließ, holte ich noch meinen schmucken Wandteller ab, den ein freundlicher Türke für mich stilvoll beschriftet hatte. Dieses Geschenk verschwand zusammen mit einem handlich Koran in deutscher Sprache und einer kurzen Einführung in den Islam in meinem Plastiksackerl. Ach ja, eine rote Rose war auch dabei - als Dank für mein Interesse an dieser Informationsveranstaltung.

Ich habe meinen Dank in dem ausliegenden Gästebuch nieder geschrieben und mit dem Satz abgeschlossen, dass ich viele positive Eindrücke mit heim nehmen werde. Ein Anfang ist gemacht, meine gedanklichen Verkrustungen aufzubrechen. Viele Fragen sind noch offen. Sicherlich wird es Folgeveranstaltungen geben, um weitere islamkritische Fragen zu stellen. Ich bin sicher, dass ich dann noch mehr Dinge in einem anderen Licht sehen werde ...

PS: Bedanken möchte ich mich auch bei den netten jungen Muslima der HAK, die mir beim Infostand ihr Matura-Projekt so eindrucksvoll vorgestellt haben!

Nähere Informationen unter http://www.sif-salzburg.at

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