Großes Unrecht an Heimkindern

Das Buch "Abgestempelt und ausgeliefert" präsentierten Robert Hoffmann, Christina Kubek, Ingrid Bauer und Walter Steidl.
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SALZBURG (rik). Das Land Salzburg hat Jahrzehntelang bei der Kontrolle der Jugendwohlfahrtseinrichtungen und Behandlung von Heimkindern versagt, oder zumindest weggeschaut.

Großes Unrecht
"Es tut uns leid", entschuldigt sich LH-Stv. Walter Steidl bei den ehemals Betroffenen, die schreckliche, unmenschliche Behandlung, Gewalt, Ausbeutung und Missbrauch sei ein großes Unrecht, unter dessen Auswirkungen viele heute noch zu leiden haben.

Der Sozialreferent präsentierte die Forschungsarbeit der Historikerinnen Prof. Ingrid Bauer, Christina Kubik sowie des Historikers Prof. Robert Hoffmann, die nun in buchform erschienen ist. Den Auftrag dazu erteilte das Land Salzburg im Herbst 2010 unter der Vor-Vor-Gängerin Erika Scharer.

Tausende Akten
Die Forscher durchleuchteten die Rolle der Heimerziehung in der Salzburger Jugendwohlfahrt. Etwa 3.000 Akten haben sie dazu stichprobenartig durchgearbeitet und mit 20 ehemaligen Heimkindern führten sie persönliche Interviews.

Für die Betroffenen von damals richtete das Land eine Anlaufstelle ein, bei der sich bislang 65 Personen gemeldet haben. In 15 Fällen hat das Land gut 200.000 Euro Entschädigung ausbezahlt. Für fünf weitere Betroffene läuft gerade die Freigabe von weiteren 61.500 Euro. "Geld kann das Leid freilich nie mehr ungeschehen machen, aber das Land versucht zumindest sich seiner Schuld zu stellen und einen kleinen Teil seiner Fehler wieder gutzumachen", erklärt Steidl.

Gewalt, Terror und Missbrauch

Christina Kubek hat die persönlichen Interview mit Betroffnenen geführt und erschütternde Geschichten erfahren. Ihr ging es vor allem darum, jenen die überlebt haben, eine Stimme zu geben und Ihnen Wertschätzung und Respekt entgegen zu bringen. "Gewalt, Prügel, psychischer Terror, Ausbeutung waren an der Tagesordnung. Ihnen wurde ständig vermittelt, dass sie nicht wert oder sogar kriminell waren."

Kultur des Wegschauens
Aus den Akten ging immer wieder auch hervor, dass sehr wohl Missstände bekannt wurden. "Vor allem die Fürsorgerinnen waren heillos überfordert. Nur ein Teil der Stellen waren besetzt und ihr Beruf hatte äußerst geringes Ansehen, das wollte sich kaum jemand antun", erklärt Ingrid Bauer das Versagen der Behörden.

Besserung kam erst im Jahr 1992 mit der Neuregelung des Fürsorgegesetzes, bei dem der Schutz des Kindes, seiner Rechte und der Würde in den Mittelpunkt gestellt wurde.

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