Business-Lunch
Salzburgs Fachlmeister Roland Huber betreibt im Kaiviertel ein innovatives Shop-Konzept

Speisen in urban-lockerer Atmosphäre: Fachlmeister Roland Huber genießt seine Steinpilz-Ravioli in Salbeibutter.
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"Fachlmeister" Roland Huber über das innovative Shop-im-Shop-Konzept und die Liebe zum Kaffee und zum Kaiviertel.

SALZBURG. Die lockere, urbane Atmosphäre und das wohlschmeckende Essen seien es, die Roland Huber immer wieder zu einem Zwischenstopp im kleinen Lokal "Leichtsinn" in der Nähe des Kiesel animieren. Und zur Restaurant-Auswahl für den Stadtblatt-Business-Lunch geführt haben.

Vielen ist Roland Huber als "Fachlmeister" bekannt, er betreibt seit 2016 das hippe "s'Fachl" im Salzburger Kaiviertel und bringt damit einen weiteren Hauch an urbaner Coolness in die Mozartstadt.

Im Gespräch mit dem Stadtblatt verrät der 45-Jährige, wie die Auswahl für die "Fachln" getroffen werden, wie reif die Salzburger für innovative Konzepte sind und warum er sich immer wieder aufs Neue in die Stadt verliebt.

Herr Huber, in Salzburg sind Sie vielen als der "Fachlmeister" bekannt – eine Bezeichnung, die Sie selbst auch gerne verwenden. Wie sieht die Funktion eines "Fachlmeisters" aus?
Roland Huber
: Zunächst finde ich, dass es ein lustiger, charmanter und sehr treffender Begriff ist, den ich einfach mag. Ich agiere als Koordinator, treffe die Auswahl der Produkte, kommuniziere mit den Ausstellern und den Kunden. Wie das ein "Fachlmeister" aus Leib und Seele eben so macht.

Sie haben 2016 dieses innovative Shop-im-Shop-Konzept nach Salzburg geholt. Wie kam es dazu?
Roland Huber
: Es war ein Bericht in einer Zeitung über zwei junge Wiener aus der IT-Branche, die diese Idee kreierten und in Wien bereits ein Fachl realisiert haben. Ich war sofort Feuer und Flamme für dieses Konzept, habe Kontakt aufgenommen und wir haben eine Partnerschaft beschlossen.

Man kann sagen, dass dieser Sonntag im Jänner, wo ich den Bericht gelesen habe, mein Leben verändert hat. Ich war zuvor 20 Jahre in der Vertriebs-Branche und in München in der Geschäftsleitung tätig. Man merkt oft erst später, in welchem Hamsterrad man sich befindet, und die Zeit war reif, in meinem Leben etwas zu ändern.

War Salzburg zu dieser Zeit reif für so innovative Ideen?
Roland Huber
: Im Nachhinein betrachtet: ja, definitiv. Am Anfang hatte ich natürlich auch Bedenken, ob es funktioniert. Ich weiß, dass Salzburg sehr eigen tickt und manchmal ein bisschen ein verstaubtes Image hat, das jetzt nach und nach aufbricht.

Ich habe mich tagelang in die Kaigasse gesetzt und beobachtet, wie viele Menschen hier täglich vorbeigehen. Es war mir wichtig, eine genaue Standortanalyse zu machen. Aber ich muss sagen, es war von Anfang an eine große Begeisterung da, die Idee hat voll eingeschlagen und ich habe gleich zu Beginn 30 Fachln vermietet.

Wie viele Fachln gibt es jetzt?
Roland Huber:
Wir haben jetzt 300 Fachln zur Verfügung, hinzu kommen noch ein paar Standplätze beim Eingang. Wir haben eine 90- bis 100-prozentige Auslastung. Und wir haben auch zehn Fächer, die von Dienstleistungsunternehmern bespielt werden, und die diese Möglichkeit nutzen, ihre Leistungen oder Veranstaltungen anzukündigen.

Im Fachl bieten Sie Künstlern, Designern, Tischlern, Bierbrauern oder Bastlern – vorrangig aus Salzburg – eine Möglichkeit, ihre Produkte in Obstkisten, also den Fachln, zu präsentieren. Worauf achten Sie bei der Zusammensetzung des Sortiments?
Roland Huber
: Zwei ganz wichtige Kriterien sind Regionalität und Nachhaltigkeit. Die Frage, wie etwas produziert wird, ist für mich elementar. Wir haben viele Aussteller aus dem Textilbereich, sechs bis sieben Anbieter im Schmuckdesign, Naturkosmetik, Karten, Kalligraphie-Künstler und einiges aus dem Kulinarik-Bereich, von Bier bis zu Essig und Öl.

Ein großes Thema ist auch Holz, hier waren etwa die drei Jungunternehmr von "Dreikant" Partner der ersten Stunde und haben den großen Holztisch im Geschäft gestaltet.

Gibt es auch eine Warteliste und wird die Zusammenarbeit mit einem Aussteller auch einmal beendet ?
Roland Hube
r: Ja, die Warteliste gibt es. Auch hier muss ich auf den Sortimentsmix achten und kann daher nicht immer chronologisch die Warteliste abarbeiten. Es kommt natürlich vor, dass wir jemand Neuem die Chance geben wollen und daher ein anderer Aussteller einmal eine Pause einlegt.
Das passiert aber immer im Konsens und es herrscht sehr viel Verständnis, dass man auch anderen jungen Start-ups oder Künstlern eine Chance gibt.

Werden die Fächer von den Anbietern selbst befüllt und gestaltet?
Roland Huber
: Die regionalen Hersteller übernehmen das selbst und positionieren ihre Stücke in den Obstkisten dann so, wie es ihnen gefällt. Sie werden auch via E-Mail informiert, wenn eines ihrer Produkte verkauft wurde, und können ihren Lagerbestand einsehen.

Neben dem Fachl gilt Ihre zweite Leidenschaft dem Kaffee, Kunden können im Fachl gustieren und nebenbei einen Espresso genießen. Eine gute Symbiose?
Roland Huber
: Eine wunderbare Symbiose. Ich bin leidenschaftlicher Kaffee-Genießer, hatte auch den Traum, eine kleine Rösterei mit Café in Salzburg zu etablieren. Diese Liebe zum Kaffee habe ich jetzt in kleinerer Form in das Fachl mitgenommen.

Wobei mir klar ist, dass wir speziell im Kaiviertel sehr gut versorgt sind, was guten und hochwertigen Kaffee angeht. Aber mir gefällt die Idee des Verweilens, ich mag es, wenn Menschen sich bei einer Tasse Kaffee im Fachl unterhalten und zwischendurch durch die Gänge flanieren und schauen, was es Neues gibt.

Seit April 2018 ist auch ein Pop-up-Store – ein kleiner Bauernladen – der Salzburger Landwirtschaft im Fachl untergebracht?
Roland Huber
: Ja, damit wurde die Vielfalt der regionalen Köstlichkeiten in die Stadt geholt. Salzburger Bauern und Direktvermarkter haben ihre Waren angeboten, von Edelbränden, Käse, Fleisch bis hin zu Joghurt und Honig.

In den Sommermonaten bespielt traditionell die Icezeit den Pop-up-Store, für den Herbst und Winter suchen wir wieder etwas Neues.

Wie würden Sie nach drei Jahren das Kaiviertel als Standort beurteilen?
Roland Huber
: Ich habe Salzburg und auch das Kaiviertel in diesen drei Jahren wieder neu entdeckt. Es ist eine wunderbare Gegend. Wenn in der Früh die Fiaker vorbeifahren und die Stadt erwacht, fühlt es sich fast schon kitschig an. Diese Zeit genieße ich sehr und schaue bei einer Tasse Kaffee dem Treiben zu. Sehr wichtig für uns ist die Aufwertung des Kajetanerplatzes, das wird eine zusätzliche Belebung für das Kaiviertel bringen.

Wie kann man sich den "Fachlmeister" privat vorstellen, wie würden Sie sich beschreiben?
Roland Huber
: Ehrgeizig, bodenständig und immer auf der Suche nach neuen Ideen. Das Fachl hat mich geerdet und zu einer wunderbaren Wendung in meinem Leben geführt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Gast und Kulinarik - diesmal im Bistro "Leichtsinn"
Fachlmeister Roland Huber komme hier oft vorbei, wenn er mit dem Fahrrad von seinem Geschäft im Kaivertel in Richtung Zuhause fährt – da lege er gerne einen Zwischenstopp ein: "Ich mag die Küche hier, es wird frisch gekocht und es herrscht eine sehr freundschaftliche, lockere Atmosphäre, das gefällt mir. Und wenn man direkt am Fenster sitzt, kann man das rege Treiben auf den Straßen ein bisschen beobachten", begründet Roland Huber vom "Fachl" im Kaiviertel seine Wahl des Lokals "Leichtsinn" als Treffpunkt für den Stadtblatt-Business-Lunch.

Steinpilz-Ravioli, Salat und Zitronen-Ingwer-Limonade

Konsumiert wurden während des rund 1,5-stündigen Gesprächs zwei Zitronen-Ingwer-Limonaden, ein Espresso sowie das Tagesgericht: Steinpilz-Ravioli in Salbeibutter mit Pflücksalat und Parmesan. Die Küche hier sei international angehaucht – von gefüllten Wraps, Empanadas und Quiche bis zum selbst gebackenen Focaccia-Brot, wahlweise mit Fisch oder Fleisch, und einer Tageskarte wird nicht nur für "Fleischtiger", sondern auch für Vegetarier und Veganer eine bunte Auswahl geboten.

Speisen in urban-lockerer Atmosphäre: Fachlmeister Roland Huber genießt seine Steinpilz-Ravioli in Salbeibutter.
Speisen in urban-lockerer Atmosphäre: Fachlmeister Roland Huber genießt seine Steinpilz-Ravioli in Salbeibutter.

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