Kunst-Litfaßsäulen 2021
Statement gegen NS-belastete Straßennamen

Der Künstler Christian Ecker vermaß mit dem gelben Meterstab seine eigene Lebenszeit. Seine künstlerisch gestaltete Litfaßsäule findet man auch in Hallein.
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  • Der Künstler Christian Ecker vermaß mit dem gelben Meterstab seine eigene Lebenszeit. Seine künstlerisch gestaltete Litfaßsäule findet man auch in Hallein.
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Die prämierten und künstlerisch gestalteten Litfaßsäulen in der Stadt Salzburg regen zum Sinnieren über Themen wie NS-belastete Straßen, die Zeit, die Natur oder der Umgang mit der Corona-Lage an.

SALZBURG. Sie sind über die Jahre zu einem fixen Bestandteil der bildenden Kunst im öffentlichen Raum während der Festspielzeit in der Stadt geworden: künstlerisch gestaltete Litfaßsäulen. In Zusammenarbeit mit Stadt und Land Salzburg, Kunstbeirat Salzburg und Progresswerbung wurden von 41 Einreichungen zwölf ausgewählt, die in den nächsten Wochen, bis Ende August, im Stadtraum zu sehen sind.

Schau dir hier das Video zur Kunst-Aktion an:

Erstmals auch Kunst-Litfaßsäulen in Hallein

Neu ist diesem Jahr ist, dass man den "Spielort" Salzburg erweiterte und erstmals auch drei Plakatkunstprojekte in der Stadt Hallein präsentiert werden. "Es war nicht leicht, eine Entscheidung zu treffen", sagt Dagmar Aigner, stellvertretende Leiterin der Kulturabteilung, über die Auswahl der Künstler und deren eingereichte Projekte.

Neben der klassischen Werbung auf Litfaßsäulen setzt Progress Werbung auch auf die neuen "digital City Lights."
  • Neben der klassischen Werbung auf Litfaßsäulen setzt Progress Werbung auch auf die neuen "digital City Lights."
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"Damit gelingt es uns - sehr niederschwellig - die Kunst im Stadtraum zu platzieren und vielen Menschen zu zeigen", erklärt Aigner.

Statement gegen die NS-Straßennamen in Salzburg

Im Rahmen der Erinnerungskultur an die NS-Zeit schuf der Künstler Stefan Wirnsperger ein kritisches Werk, das auf die NS-belasteten Straßennamen in Salzburg aufmerksam macht. "Ich wollte am Anfang eigentlich eine poetische Arbeit machen", gibt der Künstler zu.

Stefan Wirnsperger mit einem Ausschnitt seiner Arbeit "Your interference would just mess things up", mit der er auf die NS-belasteten Straßennamen in Salzburg aufmerksam macht.
  • Stefan Wirnsperger mit einem Ausschnitt seiner Arbeit "Your interference would just mess things up", mit der er auf die NS-belasteten Straßennamen in Salzburg aufmerksam macht.
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Allerdings fiel ihm ein Artikel in die Hände, wo stand, "dass in Salzburg mehr Straßen nach Nazis benannt wurden als nach Frauen. Ich dachte zuerst, das sei ein schlechter Witz", so Wirnsperger, der daraufhin beim Stadtarchiv nachfragte, wo ihm das bestätigt wurde.

"Das Thema mit den NS-belasteten Straßennamen hat sich wie von selbst aufgedrängt." Stefan Wirnsperger

"Von ca. 500 Straßennamen in Salzburg, die nach Personen benannt sind, sind 37 nach Frauen benannt und 66 nach Personen, die in den Nationalsozialismus verstrickt waren", sagte Wirnsperger. Der erst kürzlich erschienene Bericht der Historikerkommission zu NS-belasteten Straßennamen verstärkte diese Idee.

Stefan Wirnsperger konnte nicht glauben, dass in der Stadt etliche Straßen nach Männer benannt wurden, die in die NS-Zeit verstrickt waren.
  • Stefan Wirnsperger konnte nicht glauben, dass in der Stadt etliche Straßen nach Männer benannt wurden, die in die NS-Zeit verstrickt waren.
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"Der Bericht gibt klare Empfehlungen, welche Straßennamen unbenannt werden sollen." Wirnsperger suchte sich von den 13 im Bericht genannten Straßennamen drei, wie die Josef-Thorak-Straße, aus, die er in seinem Kunstwerk mittels Fingerschnippen verschwinden lässt.

Christian Ecker vermaß seine eigene Lebenszeit, mittels selbst entworfenen "Maßstab".
  • Christian Ecker vermaß seine eigene Lebenszeit, mittels selbst entworfenen "Maßstab".
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Salzburger vermaß die eigene Lebenszeit

Einen philosophischen Ansatz verfolgt Christian Ecker mit seiner gestalteten Litfaßsäule "Keine Zeit", die auf den ersten Blick einen Zollstock abbildet. Bei genaueren Hinschauen erkennt man jedoch den "Maßstab zur Vermessung der Zeit", wie Ecker den extra angefertigten Meterstab nennt.

"Haben wir mehr Zeit, bleibt die Zeit gleich oder ist Zeit überhaupt fassbar und erklärbar?" Christian Ecker

Das fragte sich der Künstler während der Corona-Pandemie und entwickelte einen Maßstab, mit dem er 24 Teile bedrucken ließ, bei der jedes einzelne Glied 60 Minuten verkörpert. 

Elfried Wimmer-Repp (Vorsitzende Kunstbeirat), Greta Schlünz (Kultur Land) und Dagmar Aigner (Kultur Stadt) zusammen mit dem Künstler Christian Ecker.
  • Elfried Wimmer-Repp (Vorsitzende Kunstbeirat), Greta Schlünz (Kultur Land) und Dagmar Aigner (Kultur Stadt) zusammen mit dem Künstler Christian Ecker.
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"Zeit ist ein abstrakter Begriff und bleibt nach wie vor ein schwieriges Kapitel", sagt der Künstler und ergänzt: "Wer den Maßstab in den Händen hält, wird selbst zum Akteur und Künstler"

Kunst zwischen analog und digital

Neben den klassischen Litfaßsäulen entlang der Salzach werden auch die digitalen Digi-Screens bespielt, sowie eine City-Light-Säule. Diese erstrahlt immer abends vor der Bibliothek Salzburg in Lehen und bringt das Werk "Water column" von Maja Spasova zum Leuchten.

Die "digitale City light" zeigt die Litfaßsäule von Maja Spasova, die in der Nacht beleuchtet wird.
  • Die "digitale City light" zeigt die Litfaßsäule von Maja Spasova, die in der Nacht beleuchtet wird.
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Auf den Digi-Screens findet sich unter anderem ein altes Gemälde, von weißen Schaumstoffmäusen umrahmt, ebenso wie eine Collage, die Corona und den Umgang mit der Pandemie zum Thema macht.

Die Collage zeigt den Umgang mit der Corona-Pandemie. Masken, Händewaschen und Abstandsregeln kann man im bunten Kunstwerk erkennen.
  • Die Collage zeigt den Umgang mit der Corona-Pandemie. Masken, Händewaschen und Abstandsregeln kann man im bunten Kunstwerk erkennen.
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Wo man die Kunst-Litfaßsäulen findet:

  • Johanna Binder – „ITA – travel“ (Klassische Litfaßsäule), Giselakai 51-53 (Karolinenbrücke) und in Hallein, Wiespachstraße 5
  • Christian Ecker – „Keine Zeit“ (Klassische Litfaßsäule), am Franz-Josef-Kai 27 und in Hallein, Parschweg 16
  • Jari Genser – „Was wäre wenn / What if“ (Klassische Litfaßsäule), am Franz-Josef-Kai (Klausentor) und in Hallein, am Hermann-Pramer-Platz
  • Andreas Christian Haslauer –„extended covid rulez“ (Digitale City-Lights)
  • Dieter Huber – „Liebessäule“ (Klassische Litfaßsäule), Ignaz-Rieder-Kai (Radweg Volksgarten) 
  • Selfie Cereals / Margareta Klose und Verena Tscherner – „An Instagram Selfie-Filter Set“ (Digitale City-Lights)
  • Marianne Lang – „Nachtaktiv“ (Klassische Litfaßsäule), Elisabethkai 18 (Raiffeisengarage)
  • Sigrid Langrehr – „Leuchtturm“ (Klassische Litfaßsäule) am Franz-Josef-Kai 19, Rotkreuzparkplatz
  • Ina Loitzl – „Countess and mice“ (Digitale City-Lights)
  • Maja Spasova – “Water column“ (City-Light-Säule) in der Schumacherstraße 14 
  • Angela Stauber – „Akteure der Stadt“ (Klassische Litfaßsäule), Giselakai 47 
  • Stefan Wirnsperger – „Your interference would just mess things up“ (Digitale City-Lights)
    Entlang der Salzach stehen einige der zwölf ausgewählten Kunstwerke, wie hier die Säule, um die man herum gehen muss, um dessen Inhalt zu lesen.
    • Entlang der Salzach stehen einige der zwölf ausgewählten Kunstwerke, wie hier die Säule, um die man herum gehen muss, um dessen Inhalt zu lesen.
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Greta Schlünz (Kultur Land) und Dagmar Aigner (Kultur Stadt) freuten sich über die vielen Einreichungen.
  • Greta Schlünz (Kultur Land) und Dagmar Aigner (Kultur Stadt) freuten sich über die vielen Einreichungen.
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