Regionalitätspreis 2021
Wie Schüler toleranter gegenüber Dialekt werden

Andrea Ender, Eugen Unterberger und Irmtraud Kaiser (Universität) wollen erreichen, dass Kinder und Jugendliche über Sprache reflektieren.
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Die Universität Salzburg will mit dem Förderverein für bairische Sprache die Vorurteile gegenüber Dialekt-sprechenden abbauen.

SALZBURG. Das Forschungsteam der Uni Salzburg ist überzeugt, dass das Verständnis für Sprachvielfalt ein Schlüssel zu einer offenen und toleranteren Gesellschaft ist und dass im Dialekt unglaublich viel Macht steckt. So wird dem bairischen Dialekt Gemütlichkeit und Sympathie zugeschrieben, aber auch eine gewisse Grobschlächtigkeit und mangelnde Bildung. Hochdeutsch Sprechende hingegen werden häufig als hochnäsig, aber auch als kultivierter und intelligenter eingeschätzt.

Mit der Grenzüberschreitenden Initiative siegte das Projekt "Mitn Redn kemman d'Leit zsoomm - InterRed"
  • Mit der Grenzüberschreitenden Initiative siegte das Projekt "Mitn Redn kemman d'Leit zsoomm - InterRed"
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"Es ist eigentlich eine Machtfrage, weil man sich früher von anderen Gesellschaftsschichten abheben wollte", erklärt Eugen Unterberger über den Ursprung des Standarddeutsch – oft auch Hochdeutsch genannt. Er meint: "Unser Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, Schüler dazu zu bringen, über ihre eigene Sprachverwendung und ihre sprachliche Umgebung nachzudenken und ihre Bewertungen von Sprachvarietäten kritisch zu hinterfragen."

Dialekt beeinflusst alle Menschen

Gerade in der Werbung und in der Politik wisse man die Macht des Dialektes zu nutzen, und das im positiven wie auch negativen Sinn. "Dialekt ist etwas, das auf allen Ebenen passiert", weiß Andrea Ender und Irmtraud Kaiser ergänzt: "Der gleiche Inhalt kann in verschiedenen Dialekten oder in Standardsprache verpackt unterschiedlich ankommen, da man diesen Inhalt unterschiedlich bewertet."

"Wir können in zehn Einheiten die Einstellung nicht ändern, aber immerhin aufbrechen", sagt Irmtraud Kaiser, rechts im Bild.
  • "Wir können in zehn Einheiten die Einstellung nicht ändern, aber immerhin aufbrechen", sagt Irmtraud Kaiser, rechts im Bild.
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Kaiser und Ender leiten das Projekt, das von Unterberger initiiert wurde, und hoffen damit "einen Minibeitrag" zur Verbesserung der Sprachbewusstheit bei Jugendlichen zu leisten. Bringe man die Kinder und Jugendlichen nämlich dazu, die Sprache und die damit einhergehende Bewertung zu reflektieren, könnten Vorurteile abgebaut werden. Das Verständnis für Sprachvielfalt soll bei allen gesteigert werden, egal, in welchem Dialekt oder mit welcher Färbung Kinder und Jugendliche selbst sprechen.

Projekt nochmal neu anfangen wegen Corona

Man nutzte Kontakte zu Schulen und Direktoren und stieß auf breites Interesse. Die daraufhin entwickelten Unterrichtsmaterialien werden für die vierte, sechste und zehnte Schulstufe eingesetzt.

Das EU-geförderte Kooperationsprojekt ist eine Zusammenarbeit der Paris-Lodron-Universität, der Pädagogischen Hochschule Salzburg und des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte.
  • Das EU-geförderte Kooperationsprojekt ist eine Zusammenarbeit der Paris-Lodron-Universität, der Pädagogischen Hochschule Salzburg und des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte.
  • Foto: Franz Neumayr
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Durch gezielte Tests vor und nach dem Einsatz will das Team überprüfen, ob die Unterrichtseinheiten einen Einfluss auf die Spracheinstellungen der Schüler haben. Doch mit dem Corona-Lockdown ließ sich das Projekt nicht mehr durchführen und musste verschoben werden.

"Es geht viel um Austausch, so gut konnte man online nicht ins Diskutieren kommen." Andrea Ender

"Mit unseren ersten Erhebungen waren wir vor einem Jahr, wo wir jetzt sind, und mussten dann alles abbrechen", sagt Unterberger, der auf die "verlorene Zeit" und die bisher gesammelten Daten zurückblickt und sagt: "Es ist schade. Zwischendrin war das frustrierend. Für die eigentliche Studie können wir diese Daten nicht verwenden", denn die Schüler sind mittlerweile eine Schulstufe vorgerückt. Also Neuanfang.

Schulungsmaterial hilft den Schülern

Für die Schüler steht in zehn Unterrichtseinheiten im Fach Deutsch ein Arbeitsheft bereit, das für die sprachliche Vielfalt zwischen Dialekt und Standardsprache sensibilisiert und darüber aufklärt. "Allein die Unterrichtsmaterialien sind ein Mehrwert", sagt Kaiser über die Arbeitshefte, deren Inhalt nach Projektabschluss online der Öffentlichkeit, aber vor allem der Lehrerschaft zugänglich gemacht werden soll.

"Unsere Hoffnung ist, dass man die Einstellung, wie man über Dialekt denkt, neutralisiert. Wir bringen ihnen keinen Dialekt bei." Eugen Unterberger

stellt Unterberger klar und erklärt, dass das Material so gestaltet sei, dass es im Pinzgau, in einer Schule mit einer hohen Quote an Dialekt sprechenden Kindern, ebenso wie im Stadtteil Lehen eingesetzt werden könne, wo es Klassen mit wenigen oder keinen Dialekt sprechenden Kindern gebe.

"Der große Traum ist, dass das Thema ‚Dialekt’ generell im Lehrplan Platz findet" meint Eugen Unterberger, im Foto Mitte.
  • "Der große Traum ist, dass das Thema ‚Dialekt’ generell im Lehrplan Platz findet" meint Eugen Unterberger, im Foto Mitte.
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Die Materialien geben dabei einen guten Überblick über die Reflexion über Dialekt und zeigen die sprachliche Vielfalt. Sie geben allen – Diandln, Melzen, Madln, aber auch den Buam – systematische Einblicke in die Vielfalt des Deutschen und in die Frage, wie sehr Sprachgebrauch uns auch als Menschen prägt.

Kennst du dich im Dialekt aus? Mach den Test:

Was bedeutet eigentlich das Wort "Sanka"?
„Unsere Mundart, unser Dialekt“ mit Gundi Egger

Da ist aber jemand besonders "brimmig"...

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