Wofür die "weiße Rose" heute steht

Landestheater-Premiere "Die weiße Rose": Regisseur Volkmar Kamm beim Interview
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  • Foto: Franz Neumayr
  • hochgeladen von Stefanie Schenker

Wie schwierig ist die Inszenierung eines so klassischen und bekannten Werkes wie jenes, in dem es um die letzten Tage der von den Nazis hingerichteten Geschwister Scholl geht?
VOLKMAR KAMM:
Man hat so seine eigenen Vorstellungen, wenn man sich mit so einem Stück beschäftigt. Es hat ja einen starken Bezug zur Gegenwart – und das ist auch die Rechtfertigung dafür, dieses Stück zu spielen. Es ist interessant und nützlich, in die Vergangenheit zu schauen – das ist belastend –, aber der Bezug zu heute macht es interessant.

Welchen Bezug sehen Sie zur Gegenwart?
Wir erleben eine gesellschaftspolitische Entwicklung, die immer mehr nach rechts geht. Man geniert sich nicht mehr, Hakenkreuze öffentlich zu zeigen. Das macht es notwendig, den Bezug zur Vergangenheit wieder herzustellen und darauf aufmerksam zu machen, wie gruselig diese Zeit gewesen ist.

Wo nehmen Sie offen Hakenkreuze wahr?
Ob bei der Pegida-Bewegung in Deutschland oder vergleichbaren Bewegungen in Österreich: Vor wenigen Jahren noch mit Missbilligung registriert, erscheinen Hakenkreuze heute ganz normal bei Demos.

Erreichen Sie mit Ihrem Theaterstück diese Menschen?

Ich hoffe sehr, dass wir damit vor allem junge Leute, die in ihren Ansichten noch nicht verhärtet sind, erreichen. Bei der Generalprobe waren einige Schüler dabei. Danach hat es sehr lebendige Meinungsäußerungen, frei von der Leber gegeben. Das hat mich sehr gefreut, die jungen Leute wurden angesprochen, sie haben sich dafür interessiert.

Sophie Scholl tritt für ihre Werte ein, sie weigert sich, um ihr Leben zu retten, ihre Beteiligung an einer Flugblattaktion kleinzureden. Wogegen müssen wir heute Widerstand leisten?
Gegen jede Einschränkung von Freiheit. Bei einem Demokratieverständnis, in dem die Freiheit der Menschen beschränkt wird, gilt es achtsam zu sein. Dafür steht diese Geschichte.

Sie arbeiten mit einem riesigen Hakenkreuz auf der Bühne. Gab es darüber im Vorfeld Diskussionen?
Genau genommen sind es zwei Hakenkreuze. Eine Diskussion gab es nur sehr kurz, und nur zwischen Intendant Carl Philip von Maldeghem und mir. Wir haben uns gefragt, ob das missverstanden werden könnte, als pathetisches Signal in die falsche Richtung. Wir waren uns aber schnell einig, dass das bei diesem Stück nicht der Fall sein kann.

Nicht nur die Inszenierung, sondern auch das sehr reduzierte Bühnenbild ist von Ihnen. Welche Gedanken haben Sie dabei angetrieben?

Dieses Bühnenbild hat sich mir aufgedrängt. Ich wollte keine Rekonstruktion musealer Dinge, sondern einen zeitlosen Kontext. Deshalb gibt es keine Gestapo-Räume, keine Verhörzimmer. Ich wollte einen abstrakten Bühnenraum, der verschiedene Schauplätze bietet, ohne dass man ihn ständig umbauen muss. Das alles hat dazu beigetragen, dass das Hakenkreuz herausgekommen ist.
Interview: St. Schenker

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