Im Interview
Bernhard Auinger: Die SPÖ muss stärker in die Stadtteile gehen

Der SPÖ-Vizebürgermeister Bernhard Auinger will mit seinem Team stärkere Aktionen in den Stadtteilen setzen.
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Der rote Vizebürgermeister Bernhard Auinger im Stadtblatt-Gespräch über das Bildungsbauprogramm, die Zusammenarbeit innerhalb der Stadtregierung und welche Kriterien der ideale Nachfolger von Walter Steidl mitbringen sollte.

SALZBURG. Als SPÖ-Vizebürgermeister ist Bernhard Auinger für die städtischen Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen, den Kulturbereich sowie die städtischen Betriebe ressortverantwortlich. Im Stadtblatt-Interview spricht der Sozialdemokrat über den Ausbau der Bildungseinrichtungen, die Zusammenarbeit in der Stadtregierung und wie es der SPÖ gelingen soll, die Menschen in den Stadtteilen zu mobilisieren.

Herr Vizebürgermeister, weltweit gibt es derzeit nur ein Thema: das Coronavirus. Die Maßnahmen von Seiten der Bundesregierung werden immer rigoroser. Die Situation stellt auch die Stadt Salzburg vor große Herausforderungen. Die Schulen und Kindergärten sind seit dieser Woche geschlossen, sämtliche Freizeiteinrichtungen ebenfalls. Wie gut ist die Stadt gerüstet?
Bernhard Auinger:
Wir sind in ständiger Abstimmung mit Experten und Abteilungen und haben einen Prioritätenkatalog erarbeitet. Neben den Freizeiteinrichtungen sind seit Sonntag auch sämtliche Parks und Spielplätze geschlossen, der Besucherstopp in den Seniorenwohnhäusern gilt seit letzter Woche.
Wir werden die Stadtverwaltung herunterfahren, mit Homeoffice, wo es sinnvoll und nötig ist. Was Kindergärten und Volksschulen betrifft, müssen Kinder, bei denen ein Elternteil zuhause ist, zuhause bleiben. Es dürfen nur mehr Kinder kommen, bei denen eine Betreuung zuhause nicht möglich ist.

Mit der Wahl im März 2019 haben sich auch die Machtverhältnisse im Schloss Mirabell völlig verändert – wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit innerhalb der Stadtregierung?
Bernhard Auinger:
Von einzelnen Mandataren spüre ich eine enorme Arroganz. Wenn ÖVP-Klubobmann Christoph Fuchs sagt, dass eine seiner größten Leistungen die Verhinderung des Neubaus der Volksschule Lehen war, dann ist das eine Haltung, von der ich eigentlich dachte, dass sie seit Jahrzehnten überwunden ist. Da orte ich bei der Landes-ÖVP eine viel liberalere Haltung. Mit Bürgermeister Preuner, Vizebürgermeisterin Unterkofler und Stadträtin Berthold verbindet mich jedoch eine sehr gute, konstruktive Zusammenarbeit.

Bei der Strategie-Klausur der Stadt-SPÖ Ende Jänner wurde der Fahrplan für 2020 festgelegt. Die Devise lautet: noch stärker in die einzelnen Stadtteile gehen. Ein Ansatz, der auch schon im Wahlkampf 2019 gegolten hat – was soll jetzt anders gemacht werden?
Bernhard Auinger
: Es müssen Aktionen abseits der klassischen Sprechstunde gesetzt werden. Die Menschen müssen sehen, dass man sich um sie kümmert, nur so kann die Politik die Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Wir müssen präsent sein, das kann beim Mittagessen in einem Lehener Beisl sein bis hin zu Stadtteil-Tagen.

Und es braucht klare politische Maßnahmen, die das Leben der Menschen verbessern – etwa durch den Ausbau der Kinderbetreuung und die Modernisierung der städtischen Infrastruktur. Ziel ist auch, dass die SPÖ-Gemeinderäte als Sprachrohr in ihrem Stadtteil agieren, wie es etwa Sebastian Lankes in Gnigl, Andrea Brandner in Maxglan oder Hannelore Schmidt in Schallmoos bereits sehr gut machen.

Warum tut sich die SPÖ dennoch so schwer, gerade in den bevölkerungsreichen Stadtteilen wie Lehen oder Taxham zu mobilisieren?
Bernhard Auinger
: Das ist nicht erst seit der letzten Wahl so, es gibt seit 20 Jahren leider einen massiven Rückgang der Wahlbeteiligung. Das von heute auf morgen zu ändern, wird schwierig, und da werden wir einen langen Atem brauchen, das sage ich ganz klar.

Ihr "Herzensthema" ist vor allem der Bereich Bildung und Schulen. Beim Bildungsbauprogramm "Schlau im Stadtteil" sind dafür 200 Millionen Euro reserviert. Wie soll der Bildungsstandort Salzburg in Zukunft aussehen?
Bernhard Auinger
: Das Bildungsbauprogramm ist auf 2,5 Funktionsperioden angelegt, bis dahin soll alles gut durchsaniert bzw. neu gebaut sein. Der Raum ist der "dritte Pädagoge" – das hat auch Bildungsminister Faßmann betont. Wir müssen den Ausbau der Kapazitäten bei den Ganztagesschulen mit 100 Prozent planen, ebenso die Nachmittagsbetreuung. Der Bedarf steigt stetig und ich will, dass jedes Kind die Möglichkeit hat, das in Anspruch zu nehmen.

Die großen Projekte der kommenden Jahre sind die Sanierungen der Volksschulen Lehen I und II, dazu wird es auch einen Lenkungsausschuss geben. Hinzu kommt die Sanierung der Pestalozzischule, der Neubau der Nachmittagsbetreuung in der NMS Schlossstraße und die Sanierung der VS Leopoldskron.

Sie sind Teil der Steuerungsgruppe zur Ausgliederung des Verkehrsbereichs aus der Salzburg AG. Was sind Ihre Forderungen?
Bernhard Auinger
: Für mich ist es das Wichtigste, dass die Stadt-Salzburger einen Mehrwert davon haben. Wer wie viele Anteile hat und auch die Kosten sind nicht primär. Der Fokus muss auch darauf liegen, die bestehenden Öffis jetzt gut auszubauen, sprich: dichterer Takt und günstiger Preis.

Vergangene Woche gab es mit dem Abgang von Gewerkschafter Gerald Forcher einen Paukenschlag. Von vielen wurde er als potenzieller Nachfolger von Walter Steidl gehandelt. Welche Qualifikationen sollte der Steidl-Nachfolger mitbringen?
Bernhard Auinger
: Es muss ein Mensch aus der Mitte des Lebens sein, der die nötige Bodenhaftung hat und den Menschen auf Augenhöhe begegnet. Die Aufgabe der SPÖ ist es, diese Person zu 100 Prozent zu unterstützen.

Haben Sie einen Favoriten?
Bernhard Auinger
: Es gibt viele interessante Persönlichkeiten, die dafür in Frage kommen. AK-Präsident Peter Eder würde sicherlich alle Voraussetzungen erfüllen.

Bernhard Auinger abseits des politischen Alltags:

Herr Vizebürgermeister, welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Meine Familie, Sonnencreme und Laufausrüstung.

Wer war der Held Ihrer Kindheit?
Captain Future.

Wie kann man Sie kulinarisch verwöhnen?
Mit der italienischen Küche: Pizza, Pasta. Weniger gern esse ich asiatisch.

Bei welcher Fernsehserie entspannen Sie am besten?
"Verrückt nach Meer", eine Serie über Kreuzfahrtschiffe. Ich schaue auch gerne den "Tatort", wobei der eher weniger entspannend ist.

Was ist Ihr größtes Talent?
Ich bin sehr ausgleichend und motivierend und arbeite sehr strukturiert. Und sportlich bin ich ein Allrounder.

Interview geführt von Lisa Gold

Ein Interview mit der SPÖ-Stadträtin Anja Hagenauer lesen Sie hier

Das Interview mit
 ÖVP-Vizebürgermeisterin Barbara Unterkofler können Sie hier lesen

Ein Interview mit
 Bürgerlisten-Stadträtin Martina Berthold lesen Sie hier

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Autor:

Lisa Gold aus Salzburg-Stadt

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