Nachwahl-Befragung
Stadt-SPÖ rund um Bernhard Auinger will künftig ihr Profil schärfen

SPÖ-Vizebürgermeister Bernhard Auinger will das Profil seiner Partei schärfen und verstärkt in die Stadtteile gehen.
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SPÖ-Vizebürgermeister Bernhard Auinger und sein Team begaben sich auf Ursachenforschung nach der Wahlniederlage. 

SALZBURG. Die Enttäuschung innerhalb der Stadt-SPÖ nach der Niederlage bei der Gemeinderatswahl im März war groß. "Beschönigen brauchen wir sicherlich nichts. Beide Ziele, nämlich den Bürgermeistersessel zurückzuerobern als auch stärkste Kraft im Gemeinderat zu bleiben, haben wir verfehlt", sind sich SPÖ-Stadtparteichef Michael Wanner und Vizebürgermeister Bernhard Auinger einig.

Letzterer kündigte bereits wenige Tage nach dem ersten Wahldurchgang an, auf "beinharte Ursachenforschung" zu gehen und sich und seine Partei einer kritischen Analyse zu unterziehen. Konkret: eine beim IGF in Auftrag gegebene Nachwahlbefragung, bei der im April 2019 insgesamt 500 Stadt-Salzburger interviewt wurden. Diese Ergebnisse liegen nun vor.

Neutor-Debatte war wahlentscheidend

Wesentlich auf das Wahlergebnis ausgewirkt habe sich demnach die Debatte rund um die Neutorsperre, diese war für 51 Prozent der Befragten wahlentscheidend. Mehr als die Maßnahme an sich habe aber der Zeitpunkt so knapp vor der Wahl für Irritationen gesorgt, es wurde vielfach als "Wahlzuckerl" empfunden.

"Mit Sicherheit hatte die Neutordebatte einen Mobilisierungs- bzw. Demobilisierungseffekt, von dem die ÖVP profitiert hat", konstatiert Wanner. Auch dürfte sich der Amtsbonus von Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) stärker als von den Roten erwartet auf das Wahlergebnis ausgewirkt haben. Ihm attestieren die Befragten auch Führungsstärke und Kompetenz, zudem gelte er als vertrauenswürdig.

Gute Persönlichkeitswerte für Auinger

Aber auch die Persönlichkeitswerte von Auinger sind gut: Er wird vor allem als modern und zukunftsorientiert gesehen, auch der Sympathiewert ist hoch. Ebenso liegt das Wählerpotenzial für die Sozialdemokratie in der Stadt bei 69 Prozent und damit vor der ÖVP mit 67 Prozent und den übrigen Parteien. Als "unwählbar" gilt die SPÖ nur für 23 Prozent. Dieser Wert ist im Vergleich zu den anderen Parteien am geringsten.

Thema Wohnen ist Kernkompetenz der SPÖ

Inhaltlich konnte die SPÖ mit dem Thema Wohnen stärker überzeugen als die anderen Parteien. Jedoch sind die klassischen SPÖ-Schwerpunkte soziale Gerechtigkeit, leistbares Wohnen und Bildung im Wahlkampf zu wenig thematisiert worden.
Gerade bei diesen Themen erwarten sich die Befragten eine stärkere Fokussierung der SPÖ. "Das Wohnen ist die Gretchenfrage in der Stadt. Hier wird uns die größte Kompetenz zugeschrieben", so Wanner. Auinger nennt in diesem Zusammenhang das Pilotprojekt mit einem Mietpreis von sieben Euro pro Quadratmeter, das er in allen Stadtteilen forcieren möchte.

Unzufriedenheit in Lehen, Taxham und Schallmoos

Großes Manko für die SPÖ sei das Ergebnis aus den einzelnen Stadtteilen. Die Wahlbeteiligung war vor allem in den "roten Hochburgen", also dort, wo die SPÖ traditionell stark ist, überdurchschnittlich gering. Etwa in Lehen oder Taxham. Hier sei laut der aktuellen Befragung auch die Unzufriedenheit der Bewohner deutlich höher.

45 Prozent der Befragten in Taxham geben an, dass sich das Leben in ihrem Stadtteil in den letzten fünf Jahren verschlechtert habe, in Schallmoos knapp 40 Prozent und in Lehen ist es sogar die Hälfte. Im Vergleich dazu sehen das in der Altstadt nur zehn Prozent, im Nonntal 17 und in Leopoldskron und Morzg 18 Prozent so.

"Gerade Menschen in dicht besiedelten Stadtteilen haben in puncto Lebensqualität das Gefühl, von der Politik allein gelassen zu werden. Das quittieren sie mit dem Nicht-zur-Wahl-Gehen. Es braucht hier einen fairen Nord-Süd-Ausgleich", so Auinger. Hier müsse man sich inhaltlich stärker positionieren und das Profil schärfen, denn laut Analyse fehle es der Partei an Ecken und Kanten.

Intensive Arbeit in den Stadtteilen

"Die Menschen erwarten sich von der Sozialdemokratie, dass wir bei den Schwerpunkt-Themen der Zukunft leistbares Wohnen, soziale Gerechtigkeit, Pflege und Verkehr Lösungen anbieten. Hier müssen wir noch mehr in die Stadtteile gehen, um die Sorgen der Menschen aus erster Hand zu erfahren. Darauf werden wir in den kommenden fünf Jahren unser Hauptaugenmerk legen", so Auinger.

Nachwahlbefragung durch das IGF
Die von der SPÖ beim Institut für Grundlagenforschung (IGF) in Auftrag gegebene wissenschaftliche Nachwahlbefragung wurde zwischen neunten und 19. April 2019 in der Stadt Salzburg durchgeführt.
Insgesamt wurden 500 Stadt-Salzburger ab 16 Jahren interviewt. Durchgeführt wurden die Interviews via Telefon und online. Die Schwankungsbreite der Ergebnisse liegt bei +/-4,5 Prozent.

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