Im Interview
"Wir brauchen dringend eine umfassende Schulreform"

Andrea Holz-Dahrenstaedt von der Kinder- und Jugendanwaltschaft Salzburg fordert eine breite Schulreform.
  • Andrea Holz-Dahrenstaedt von der Kinder- und Jugendanwaltschaft Salzburg fordert eine breite Schulreform.
  • Foto: Kija/Marco Riebler
  • hochgeladen von Lisa Gold

Schuljahr mit vielen Herausforderungen – die Kinder- und Jugendanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt über die "Schule der Zukunft".

SALZBURG. Wie kann und muss Schule im 21. Jahrhundert ausgestattet sein als Ort, an dem sich alle Kinder wohlfühlen? Die Kinder- und Jugendanwältin Andrea Holz-Dahrenstaedt von der Kija Salzburg hat dazu konkrete Vorschläge. Das Stadtblatt hat mit ihr über den "Schulalltag" in Pandemiezeiten gesprochen und darüber, wie eine "Schule der Zukunft" aussehen sollte.

Der Start in das noch junge Schuljahr wurde mit der klaren Prämisse begonnen, Schulschließungen zu vermeiden und den Präsenzunterricht möglichst sicher zu gestalten. Wie wichtig ist der Präsenzunterricht nach langen Phasen des Homeschoolings für Kinder und Jugendliche?
Holz-Dahrenstaedt:
Für Kinder ist das soziale Miteinander sehr wichtig. Lernen gelingt durch den Austausch, die Diskussion mit anderen und der Horizont wird erweitert. Vielfalt und Diversität werden gefördert, man lernt unterschiedliche Lebensweisen und Familienkonstellationen kennen. Durch die Phasen des Homeschoolings ist die Bildungsschere noch weiter auseinandergegangen. Viele Familien hatten gar nicht die technischen Voraussetzungen, es fehlte an Laptops oder Internet. Und digitales Lernen ist nicht vergleichbar mit Lernen von Angesicht zu Angesicht, der Beziehungsaspekt ist dabei verloren gegangen.

Dennoch gibt es jetzt deutlich mehr Eltern, die ihre Kinder in diesem Schuljahr aufgrund der Pandemie und den damit verbundenen Maßnahmen von der Schule abgemeldet haben und sie zuhause unterrichten. Sehen Sie das problematisch?
Holz-Dahrenstaedt:
Ich denke, man muss das sehr individuell sehen. Wichtig ist auf jeden Fall, dass diese Entscheidung nicht gegen den Willen des Kindes getroffen wird und die Eltern mit dem Kind darüber sprechen. Der häusliche Unterricht muss generell reformiert werden: Es sollte nicht nur der reine Lernerfolg überprüft, sondern auch auf die psychosoziale, emotionale Entwicklung der Kinder geachtet werden. Wie geht es dem Kind, wie fühlt es sich – diese Aspekte sollen ebenfalls in die Überprüfung mit einfließen.

Neben Verbesserungen im Bereich des häuslichen Unterrichts fordern Sie vor allem eine Schulreform. Wie muss die Schule im 21. Jahrhundert ausgestattet sein, wie sollte sie funktionieren?
Holz-Dahrenstaedt:
Ja, eine umfassende Schulreform ist dringend notwendig. Zunächst bräuchten wir kleinere Klassen und Team-Teaching: zwei Pädagogen pro Klasse. Wichtig ist der Ausbau des psychosozialen Unterstützungsangebots und Schul-Sozialarbeiter sollten integrativer Bestandteil jeder Schule sein. Ich erachte es als wichtig, dass jeder Schulstandort seine eigenen Sozialarbeiter hat, damit die Kinder und Jugendlichen Vertrauen zu der Person aufbauen können. Auch die räumliche Gestaltung der Schule spielt eine wesentliche Rolle, Lernen gelingt in einem ansprechenden Ambiente besser. Also helle Räume, Grünflächen und Rückzugsmöglichkeiten. Zudem sollten die kreativen Fächer und das informelle Lernen wie gemeinsame Projektarbeiten mehr Platz bekommen. Damit einhergehend soll man sich stärker an den Talenten und Stärken des jeweiligen Kindes orientieren und so ein Klima der Wertschätzung entstehen.

Großes Thema ist auch der Ausbau der Ganztagesschule, die skandinavischen Länder gelten hier oft als Vorreiter. Wie dringend wäre ein Ausbau ebendieser auch hierzulande?
Holz-Dahrenstaedt:
Leider hat sich die Schule per se nicht so weiterentwickelt wie unsere Gesellschaft. Die Lebensumstände, die Arbeitszeiten haben sich verändert, da muss sich auch die Schule in diese Richtung entwickeln und daher wäre der Ausbau der Ganztagesschulen so wichtig. Die Kinder bekommen dort eine warme, gesunde Mahlzeit und erledigen die Hausaufgaben und das Lernen in der Schule – die Zeit daheim kann dann für Freizeit und Familie genutzt werden. Es wird aktuell so viel Geld für Nachhilfe ausgegeben, das erzeugt einen enormen Druck auch für die Eltern. Hier muss sich etwas ändern, die Bildung der Kinder darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig sein.

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