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Bisexuelle Menschen: Vorurteile Teil 1

Bisexuelle Menschen fühlen sich romantisch und/oder sexuell zu Menschen beider oder mehrerer Geschlechter hingezogen.
Bisexuelle Menschen werden immer wieder mit schweren Vorurteilen und dummen Sprüchen konfrontiert. Insgesamt haben bisexuelle Menschen eine schlechtere Lobby als homosexuelle Menschen und bleiben oft unsichtbar, indem sie sich etwa als schwul, lesbisch oder heterosexuell outen, aber eben nicht als bisexuell.

1. Vorurteil: Bisexuelle Menschen können sich nicht entscheiden.

Dieses Vorurteil suggeriert, dass es unserem freien Willen unterläge, ob wir auf Männer, auf Frauen, auf beide oder mehrere Geschlechter stehen. Tatsache jedoch ist, dass wir uns nicht einmal aussuchen können, ob wir blaue oder braune Augen, blonde Haare oder schwarze Haare bevorzugen. Die sexuelle Orientierung entwickelt sich in der frühesten Kindheit und ist keine Frage der freien Entscheidung. Bisexuelle Menschen fühlen sich gefühlsmäßig, romantisch, erotisch und/oder sexuell zu beiden Geschlechtern hingezogen. Insofern ist Bisexualität genauso gesund und gleichwertig wie Heterosexualität oder Homosexualität.

Im Übrigen sollten wir anderen Menschen auch viel Zeit und Raum geben, um zu spüren, wie ihre Bisexualität ausgebildet ist. Auch Bisexualität hat nämlich viele Schattierungen und Facetten, ist bunt und divers. So gibt es bisexuelle Menschen, die:
- voll und ganz auf beide Geschlechter stehen
- auf mehrere Geschlechter stehen (auf Männer, Frauen, inter* und trans* Personen, nicht-binäre Menschen)
- lieber mit dem anderen Geschlecht eine Partner*innenschaft eingehen und mit demselben Geschlecht eher One-Night-Stands, Affären oder unverbindliche Sexualkontakte haben
- lieber mit dem gleichen Geschlecht eine Partner*innenschaft führen möchten und mit dem anderen Geschlecht eher One-Night-Stands etc. haben.
- im realen Leben ausschließlich heterosexuell leben, aber homosexuelle Phantasien haben
- im realen Leben ausschließlich homosexuell Leben, aber heterosexuelle Phantasien haben
- asexuell sind, also keine Lust auf sexuelle Handlungen haben, sich aber in beide Geschlechter verlieben (die so genannte „Biromantik“)
- sich mehr zu einem Geschlecht hingezogen fühlen, aber auch zu nicht-binären Personen oder mehreren Geschlechtern
- sich von Menschen romantisch und/oder sexuell hingezogen fühlen, unabhängig von deren Geschlecht oder Geschlechtern
- nur ab und zu mit dem anderen Geschlecht sexuelle Handlungen praktizieren
- nur ab und zu mit dem gleichen Geschlecht sexuelle Handlungen praktizieren
- heterosexuell lieben und leben, sich manchmal aber in Menschen desselben Geschlechts verlieben, ohne eine sexuelle Anziehungskraft zu verspüren (heterosexuell und biromantisch)
- homosexuell lieben und leben, sich manchmal aber in Menschen des anderen Geschlechts verlieben, ohne eine sexuelle Anziehungskraft zu verspüren (schwul, lesbisch und heteroromantisch)
- u.v.m.

Es gibt hier auf der Ebene der Gefühle, Emotionen und des Spürens somit kein Muss einer freien Entscheidung und auch nicht die Möglichkeit einer freien Entscheidung zu bisexuellen Gefühlen. Hilfreich kann hier die Haltung der Akzeptanz sein: Ich bin wie ich bin und nehme mich selbst so an, weil das mein Leben freier, leichter und erfüllter macht.
Was ich jedoch gestalten kann und was insofern meinem Willen unterliegt, ist, wie ich meine Bisexualität gemäß meiner individuellen Wertvorstellungen authentisch leben möchte (etwa nur heterosexuelle oder homosexuelle Partner*innenschaften, oder polyamor, oder Monogamie mit einem Partner/einer Partnerin, Enthaltsamkeit u.v.m.). Ich richte dann mein konkretes Handeln, Tun und Gestalten an dem aus, wie es für mich im tiefsten Innersten stimmig ist.

Fakt ist: Das oben genannte Vorurteil ist psychisch gewaltsam, weil es an bisexuelle Menschen die Botschaft richtet, dass ihre Gefühle, Bedürfnisse und Emotionen falsch seien. Das Eigene und Authentische im Menschen darf dann nicht zum Vollzug kommen. Ein sinnerfülltes Leben wäre aber ohne den Vollzug der eigenen authentischen (hier bisexuellen) Bedürfnisse gar nicht möglich.

Autor: Florian Friedrich
Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision
(Logotherapie und Existenzanalyse)

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