Sexualtherapie / Existenzanalyse
Ekel beim Sex

FAQ: Warum habe ich auf einmal Ekelgefühle beim Sex mit meinem/meiner Partner*in?

Ekel ist, wie alle Emotionen, sinnvoll um uns darauf hinzuweisen, dass wir uns:
1. etwas durch Nahrung einverleibt haben, dass uns krank macht und das wir wieder auskotzen sollten, um unseren Organismus zu schützen
2. vor verdorbenen Nahrungsmitteln warnt, damit wir diese erst gar nicht aufnehmen
3. uns auch im zwischenmenschlichen Bereich schützen möchte, in dem er uns darauf hinweist, dass uns ein anderer Mensch körperlich und/oder emotional zu nahekommt.
Somit will uns der Ekel darauf hinweisen, dass wir uns vor Infektionen, Vergiftungen, unerwünschten Genen und unerwünschten sexuellen und körperlichen Kontakten schützen sollen.

Als Sexualtherapeut mache ich oft die Erfahrung, dass viele Männer und Frauen in der Partnerschaft auch dann Sex haben, wenn sie gerade keine sexuelle Lust fühlen. Viele Menschen tun das, um den Partner/die Partnerin nicht zu verletzen – auf einer tieferen Ebene geht es hier oft um Verlustängste („Wenn ich mit meinem Partner/meiner Partnerin keinen Sex habe, dann verletze ich ihn. Er könnte mich dann irgendwann verlassen oder fremdgehen“). Vergewaltige ich mich immer wieder selber, indem ich meinen Körper und meine Seele zwinge, jetzt Sex haben zu müssen, so kommt irgendwann der Ekel zu Besuch und möchte mich darauf hinweisen, mich zu schützen. Ignoriere ich dann den Ekel weiterhin, dann kann er ganz stark zu werden.
Sex sollten wir nur dann haben, wenn uns Körper und Psyche sagen, dass wir gerade Lust auf Nähe oder Sex haben. Manchmal kommt der sexuelle Hunger auch erst mit dem „Essen“, dann empfinden Menschen beim Küssen und beim Vorspiel plötzlich Lust und das Bedürfnis nach Sexualität. Wenn wir aber keine Lust fühlen, dann sollten wir das unbedingt ernst nehmen und keinen Sex praktizieren.

Wenn wir uns zum Sex zwingen können auch folgende Emotionen hochkommen:
Wut, Zorn, Hass, Selbsthass, innere Leere, Trauer, Verzweiflung, Ohnmacht
Und folgende Symptome:
Ängste, Panikattacken, Depressionen, Erektionsschwäche, Scheidenkrampf, vorzeitiger Orgasmus, gar kein Orgasmus, Schmerzen beim Sex
Es gibt keine Möglichkeit, sich den Ekel wegzumanipulieren oder Lust herzuzaubern, wenn sie nicht da ist. Wenn ich den Ekel übergehe, dann werden irgendwann die oben genannten psychischen und körperlichen Symptome auftreten.

Mithilfe der Methode der personalen Existenzanalyse können Sie sich folgende Fragen zur Selbsterfahrung stellen:
1. Wann tritt der Ekel genau auf? Tritt er immer bei jedem sexuellen Kontakt mit dem/der Partner*in auf oder nur manchmal? Wann ist es lustvoll, geil und schön? Gibt es Ausnahmen, wo ich keinen Ekel, sondern Lust verspüre. Löst der Ekel die Lust ab oder löst die Lust den Ekel ab. Ist es zu Beginn lustvoll und wird dann erst ekelig? Wenn der Ekel permanent besteht: Hatte ich überhaupt jemals Lust auf Sex mit meinem Partner/mit meiner Partnerin? Wenn ja: wann, wie, wie oft, in welcher Form, zu welchen Zeiten, mit welchen Sex-Praktiken? Wenn Nein: finde ich meinen Partner/meine Partnerin überhaupt sexuell attraktiv?

2. Was sagt mir der Ekel? Was ist die Botschaft des Körpers? Habe ich überhaupt sexuelle Lust, wenn der Ekel da ist? Oder spüre ich gar keine Lust? Wo spüre ich im Körper den Ekel? Verstehe ich mich selbst, dass ich Ekel habe? Erlaube ich mir den Ekel zu spüren? Gibt es Impulse aus dem Ekel heraus (etwa kotzen, flüchten, einfrieren, mich wehren)? Was verstehe ich am Ekel nicht?

3. Was brauche ich, wenn ich den Ekel und mich selber ernst nehme? Brauche ich Distanz? Schutz, Raum und Zeit für mich? Brauche ich eine Pause? Brauche ich Nähe und ein Gespräch mit dem Partner/der Partnerin?

4. Wie möchte ich, wenn ich mich selber und meine Bedürfnisse absolut ernst nehme, mit dem Ekel gut umgehen? Ich kann den Ekel nicht wegzaubern, er ist wichtig und möchte mich schützen. Möchte ich etwa meinem Partner/meiner Partnerin mitteilen, dass ich gerade keine Lust habe? Möchte ich den Raum verlassen und mir eine Pause gönnen? Möchte ich kuscheln oder nicht-sexuelle Nähe mit meinem Partner? Wie will ich es angemessen kommunizieren, sodass beim Partner/der Partnerin keine Verletzung entsteht? Mit welchen Worten und welcher Wortwahl? Wann ist der beste Zeitpunkt dafür?
Wie will ich zukünftig damit umgehen, wenn ich keine sexuelle Lust habe? Was brauche ich dann von mir selber? Was brauche ich von meiner Partnerin/meinem Partner? Was brauchen wir für unsere Partnerschaft und was tut dann unserer Beziehung gut?

Autor: Florian Friedrich
Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision
(Logotherapie und Existenzanalyse)

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