Sport-Podcast „Gemma!“
Sind Schiedsrichter eigentlich Masochisten?

René Zechner beobachtet als „UEFA Elite Referee Observer“ Schiedsrichter und bewertet ihre Leistung.
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  • René Zechner beobachtet als „UEFA Elite Referee Observer“ Schiedsrichter und bewertet ihre Leistung.
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SALZBURG. Jedes Wochenende ist er schuld an unzähligen Niederlagen, ist Projektionsfläche für den Zorn von Zuschauern, Spielern und Trainern. Und wenn sich nach dem Spiel niemand an ihn erinnern kann, dann hat er seinen Job meistens ganz gut erledigt.

Die Rede ist vom Schiedsrichter, in diesem Fall jenem beim Fußball. Mit René Zechner ist heute jemand in unserem Sport-Podcast „Gemma!“ zu Gast, der nicht nur durchaus auf eine erfolgreiche Laufbahn als Schiri zurückblicken kann – er war über sieben Jahre in der Bundesliga an der Linie aktiv – sondern der in seiner Funktion als Beobachter den Kollegen bei der Arbeit zuschaut und diese bewertet.

Warum tut man sich das an? 

Wie kommt man eigentlich darauf, einen Job auszuüben, bei dem man schnell schuld an allem ist? Und wenn man seine Arbeit gut macht, dann weiß niemand, wie man heißt. Ist Masochismus verbreitete Neigung der Schiedsrichter? René Zechner hat nach kurzer Nachdenkpause eine Antwort auf diese Frage: „Ja, vielleicht hast du nicht ganz unrecht. Es ist speziell. Bei mir war es so, dass ich wahrscheinlich mit einigen Schiedsrichterentscheidungen nicht einverstanden war und mir gedacht habe, es muss doch irgendwie besser gehen.“

„Es ist schon ein ganz spezieller Schlag von Menschen“

Dennoch, Schiedsrichter sind schon spezielle Typen wie auch Zechner bestätigt: „Es ist schon ein ganz spezieller Schlag von Menschen, aber ich glaube, es ist sehr viel Idealismus bei dem dabei, was wir machen“.

Der Schiedsrichter achtet auf die Einhaltung der Regeln.
  • Der Schiedsrichter achtet auf die Einhaltung der Regeln.
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Er benotet die Schiris und sucht nach schwarzen Schafen

René Zechner ist „Bundesliga Elite Referee Observer“. Er beobachtet Schiedsrichter und bewertet ihre Leistung. „Es ist für den Fußballfan wahrscheinlich wichtig zu wissen, es gibt jemanden im Stadion, der auch den Schiedsrichter beurteilt beziehungsweise die Leistung des Schiedsrichters kontrolliert“, findet Zechner. Das Beobachten der Spielleiter ist ein wichtiges Kontrollinstrument. „Für uns intern geht es natürlich darum, gegebenenfalls schwarze Schafe zu erkennen und auch darum, den Schiedsrichter zu benoten. Es gibt auch bei uns Schiedsrichtern ein System mit Aufstieg und Abstieg“, so Zechner.  Das System beim Ranking der Schiedsrichter gleicht einer klassischen Sport-Tabelle. Steht ein Schiedsrichter am Jahresende an letzter Stelle, muss er absteigen. Wer an erster Stelle steht, kann eventuell in die nächste Liga aufsteigen.

Nach welchen Kriterien werden Schiedsrichter benotet?

Die Benotung erfolgt anhand verschiedener Kriterien, die einen Schiedsrichter auszeichnen. Eines ist René Zechner besonders wichtig. „Persönlichkeit ist meines Erachtens das Wichtigste beim Schiedsrichter“, stellt er fest und erklärt es an einem Beispiel. „Wenn der Schiedsrichter vielleicht nicht alles hundertprozentig richtig erkennt und trotzdem seine Entscheidung gut verkaufen kann, wird das trotzdem akzeptiert, obwohl vielleicht ein, zwei Dinge dabei waren, die nicht hundertprozentig gepasst haben.“
Weitere Kriterien sind die Umsetzung des Regelwerks, Disziplinarmaßnahmen wie gelbe und rote Karten, wie die Zusammenarbeit mit den Assistenten funktioniert und natürlich auch die Fitness. „Schiedsrichter mit Bäuchlein, wie man sie in den 80er-Jahren noch am Fußballplatz gesehen hat, der gehören der Geschichte an. Es gibt sie im modernen Schiedsrichterwesen nicht mehr“, so Zechner.

Schiedsrichter bei der Arbeit.

„Man muss die ganze Atmosphäre spüren“

Der Schiri-Beobachter ist immer im Stadion präsent „weil man die ganze Atmosphäre spüren, den Druck, der auf dem Schiedsrichter lastet“, einfangen müsse , so Zechner. Manche Schiedsrichter, so berichtet Zechner, sind auch durch den Druck der Zuschauer in den Stadien beeinflussbar. Zechner: „Diese Schiedsrichter auch zu erkennen und eventuell im Vorfeld schon auszusortieren, ist leider auch unsere Aufgabe“.

Wenn Bundesliga-Schiedsrichter schlechte Leistungen abliefern entscheidet ein Komitee auf Basis der Berichte der Beobachter, wie es weitergeht. Diese Berichte sind durchaus drei, vier DIN-A4-Seiten lang, wie Zechner erzählt. Pfeift er schlecht, wird der Schiedsrichter in eine Nachdenkpause geschickt. Wichtig ist, dass der Schiedsrichter die Ergebnisse der Analyse annimmt und versucht die Fehler zu verbessern. Während er in der Bundesliga nicht zum Einsatz kommt steht, er in dieser Zeit meist für seinen Landesverband auf dem Feld und pfeift in den unteren Ligen. 

Im Bundesland Salzburg werden Schiedsrichter derzeit händeringend gesucht.
  • Im Bundesland Salzburg werden Schiedsrichter derzeit händeringend gesucht.
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Salzburg hat ein Schiedsrichterproblem

Gerade für Salzburg ist es nicht unwichtig, wenn ab und an Kollegen von „oben“ jenen von „unten“ aushelfen. Der Mangel an Schiedsrichtern im Bundesland Salzburg ist im Moment eklatant. Der Verband bittet sogar immer wieder die Vereine, nicht alle Spiele am Samstag auszutragen, weil zu wenig Schiedsrichter da sind um alle Partien zu besetzen. Besonders in der Urlaubszeit ist das ein wiederkehrendes Thema. So ganz kann René Zechner nicht erklären warum sich zu wenige Schiedsrichter finden. Er lobt ausdrücklich das Verhältnis zwischen Vereinen und Schiedsrichtern, das von Respekt und Miteinander geprägt ist. Es ist wohl eine Mischung aus vielen Faktoren, die dem Mangel zugrunde liegt. 

Bundesliga-Schiri ist kein Brotberuf

Kann man als Schiedsrichter von der Pfeife leben? „Leider nein“, sagt Zechner, „das wird sich finanziell nicht ausgehen“. Zwar bewegt sich die Entlohnung des Schiedsrichters in der Bundesliga im Bereich um 3.000 Euro brutto pro Spiel, der Job bietet aber keine Sicherheit. Wird der Schiedsrichter nicht eingesetzt versiegt diese Einnahmequelle auch. „Das ist eventuell ein schöner Zuverdienst, richtig leben oder nur darauf versteifen wird man sich nicht können“, so Zechner. 

Ein Wirkungsfeld an der Seitenlinie hat der Schiedsrichterassistent.
  • Ein Wirkungsfeld an der Seitenlinie hat der Schiedsrichterassistent.
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VAR, Robert Hoyzer und wie man Schiedsrichter wird

Weitere Themen im Sport-Podcast „Gemma!” sind der Umgang und vor allem auch das persönliche Verhältnis von René Zechner zum umstrittenen Video-Assistenten VAR und auch wie man Schiedsrichter wird.

Weitere Folgen des Sport-Podcasts „Gemma!“

In unserem Sport-Podcast waren schon Fußballstar Heimo Pfeifenberger und Christine Gappmayer, die Obfrau von Football-Bundesliga-Aufsteiger Salzburg Ducks zu Gast. Hier geht es zu den ersten beiden Folgen: 

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