Ein Wohnungskauf kratzt an Existenz

Christian Resch mit seiner Studie
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Wie unterscheidet sich der Lebensstandard einer Durchschnittsfamilie in einer Mietwohnung von jenem einer Familie in einer neu erworbenen oder einer geerbten Wohnung? Dieser Frage ging der Salzburger Christian Resch in einer wissenschaftlichen Arbeit für die Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen nach. Ohne politische Schlussfolgerung – seine Ergebnisse stellt er der Politik allerdings gerne zur Verfügung. Vor allem die Diskussion um eine Erbschaftssteuer könnte damit neuen Input bekommen.

Oft reden wir von Chancengleichheit – und meinen damit den Zugang zu Bildung. Chancengleichheit wird aber auch auf ganz anderer Ebene mitbestimmt, und da geht es schlicht um Geldvermögen, was wiederum den Zugang zur Bildung beeinflusst. Um dieses „Bauchgefühl“ in nachvollziehbare Zahlen zu gießen, hat Resch Folgendes ausgerechnet: Eine Familie mit zwei Vollzeit berufstätigen Eltern und zwei Kindern lebt in derselben 90-Quadratmeter-Wohnung in der Stadt Salzburg. Unter Berücksichtigung der realen Mieten und Zinsen sowie unter der Annahme, dass diese Familie im Lauf von 20 Jahren zwei Mal ein neues Auto anschafft, zeigen sich eklatante Unterschiede beim Geldvermögen.

Mieterfamilie hat 500 Euro im Monat für Alltagsluxus, Erbenfamilie 1.600 Euro

Innerhalb von 20 Jahren stehen dem Mieterhaushalt durchschnittlich 500 Euro für monatlich nicht unbedingt notwendige Ausgaben – den sogenannten „Alltagsluxus“, wie für Urlaube, Gastronomiebesuche, Kulturangebote, Skifahren oder zusätzliche Bildungsausgaben zur Verfügung. Bei der Familie, die eine Wohnung (ohne Wohnbauförderung) gekauft hat, sind es 300 Euro – bei jenen, die die Wohnung geerbt haben, stolze 1.600 Euro.

Käuferfamilie kann zehn Jahre nicht auf Urlaub fahren

Auch beim Sparen hat die „Erbenfamilie“ natürlich die Nase vorne: Sie kann locker die doppelte Summe als die beiden anderen Familien auf die Seite legen und käme bei einer Sparleistung von 3.000 Euro pro Jahr auf rund 78.000 Euro Geldvermögen. Die Mieterfamilie hat bei der Hälfte dieser Sparleistung 39.500 Euro angespart. Die Wohnungskäuferfamilie hat kein Geld, um neben der Bedienung des Kredits etwas auf die Seite zu legen, sie steht nach 20 Jahren mit einem rechnerischen Minus von rund 2.800 Euro da. Dafür hat sie nicht nur zwei Autos gekauft, sondern auch die 90-Quadratmeter-Wohnung um 220.000 Euro und dafür einen Kredit von 190.000 Euro aufgenommen. Inklusive Zinsen hat sie in 20 Jahren 311.000 Euro dafür hingeblättert, der Wert der Immobilie ist bis dahin auf 362.000 Euro geklettert, ergibt eine Rendite von rund 50.000 Euro.

Noch ein paar Rechenergebnisse zum Thema Urlaub: Innerhalb der ersten zehn Jahre nach dem Wohnungskauf kann sich die Käuferfamilie in keinem einzigen Jahr auch nur einen Urlaub leisten, der 1.500 Euro kostet. Die Mieterfamilie könnte dafür jährlich zwei Mal einen solchen Urlaub verbringen, die Erbenfamilie sechs Mal.

Weniger Geld – weniger Bildung – weniger Chancengleichheit

Wenn man bedenkt, dass Resch für seine Untersuchung eine leicht überdurchschnittlich verdienende Familie herangezogen hat – das Haushaltsnettoeinkommen beträgt inklusive aller Transferleistungen wie Familienbeihilfe) 54.000 Euro netto jährlich –, dann stellt sich laut Resch die Frage: „Was bedeutet das für diejenigen, die unter dem Durchschnitt verdienen? Man sieht, der Erwerb einer Wohnung kratzt mit einem freien Budget von 300 Euro pro Monat an der Existenz.“ Die Chancen-Ungleichheit pflanze sich so über Generationen fort, weil sowohl in der Käuferfamilie als auch in der Mieterfamilie – dort wird die Situation durch über die Jahre steigende Mieten sogar noch verschärft – das Geld für Fortbildung fehlt.

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